Brian Johnson im Portrait

Ein Leben unter Vollgas

Brian Johnson, Impression, Portrait Foto: AP 7 Bilder

Seine Stimme klingt wie ein Rennmotor kurz vor dem Begrenzer, wenn er als Frontmann von AC/DC vom "Highway to Hell" singt. Und bei Brian Johnson darf man das fast schon wörtlich nehmen: Die lebende Rock-Legende ist ein echter Autonarr. Erst jüngst fuhr er übrigens die Mille Miglia mit.

"Ich habe mich schon als Kind infiziert. Für mich waren Rennfahrer wie Stirling Moss echte Helden, Ritter in glänzenden Rüstungen. Dabei hatten sie einfach nur einen Helm auf. Es war unglaublich dramatisch, sich das anzusehen. Und wie jedes Kind wollte ich Rennfahrer werden." Tatsächlich wurde es der heute 66-Jährige erst vor 16 Jahren. Brian Johnson machte die internationale Rennlizenz in Sears Point, Kalifornien – dann gab es kein Zurück mehr. Der Kauf des ersten Rennwagens war nur logisch: ein Lotus Cortina Mark 1.

"Er vermoderte in Florida auf einer Wiese. Da hatte ihn sein Besitzer einfach abgestellt. Ich gab ihm 200 Dollar dafür. Da ist der Typ fast ausgerastet – er hatte gedacht, er müsse mir stattdessen einen Zwanziger fürs Entsorgen geben", scherzt Johnson. Der Lotus wurde zunächst aufgepäppelt, dann mehr schlecht als recht zum Rennwagen aufgerüstet. "Wir hatten für die verdammte Kiste keine Regenreifen und nicht einmal Scheibenwischer! Aber die hätten wir beim ersten Rennen dringend gebraucht. Es war in Georgia; wenn es hier mal runterhaut, dann kübelt es aus Eimern. Bei uns war es richtig fies. Du hast die Hand vor den Augen kaum gesehen, geschweige denn die Piste. Natürlich sind wir abgeflogen! Das war mir eine Lehre."

Etwas Neues musste her

Doch wer bei AC/DC singt, ist nicht gerade zimperlich. Also ging Johnson gleich wieder auf die Suche nach einem Rennwagen. Der Nächste war ein Royale RP-4. "Den besitze ich heute noch. Mit ihm habe ich jede Menge Rennen gewonnen. Später kamen noch ein Lola T70 Mark 1, ein Pilbeam und ein paar andere Schönheiten dazu.

Der Unfall in Georgia hat den stämmigen Rocker natürlich nicht wirklich verschreckt. "In Georgia ist sogar meine Lieblingsstrecke, Road Atlanta. Außerdem liebe ich Sebring." Wie oft er fährt? "So oft es geht. On the road hat für mich zwei Bedeutungen: die eine mit AC/DC auf Tour, die andere im Rennwagen auf der Piste."

"Ich brauche die Straße", sagt er und rückt seine legendäre Schiebermütze zurecht, bevor wir die Anspielung auf die Doppeldeutigkeit seines "Life on the road" zu Ende bringen können. "Ob ich so eine Art Nomade bin? Ha ha ha, vermutlich schon."

Und mit seiner weltberühmten rauen Stimme fährt er fort: "Ich mag alle meine Wagen und behandle sie wie Freunde. Es liegt wohl daran, dass Autos in meiner Kindheit so selten waren. Damals wohnten wir im Beech Drive, und in der ganzen Straße gab es gerade mal zwei Wagen – zwei! Die Besitzer waren Handwerksmeister. Einfache Leute wie Sie und ich hatten keine Autos. Alle gingen zu Fuß zur Arbeit. Autos waren viel zu teuer. Und außerdem war Benzin in den Fünfzigern rationiert."

Im Alter von sechs Jahren sprang der Funke über

Nach der Erinnerung an die Autos seiner Kindheit gefragt, meint Johnson: "Die meisten Wagen stammten aus der Vorkriegszeit und sahen aus, als kämen sie direkt aus dem Mittelalter angefahren: Riley, Austin, Morris …, solche Marken. Sie fuhren, aber man wollte darin nicht unbedingt gesehen werden."

Die Weichen zum Motoristen stellte sein Onkel Bill. "Er hatte einen alten Vauxhall, schwarz, wie sie damals alle waren. Er nahm uns in den ersten Camping-Urlaub mit. Wir krochen dahin und brauchten für die 35 Kilometer bis zur Ankunft bestimmt sieben Stunden oder so. Na ja, vielleicht nicht ganz. Aber die Wagen waren damals wirklich unerträglich langsam." Und trotzdem hat ihn, den damals Sechsjährigen, dieses neue Gefühl der Fortbewegung magisch angezogen: "Obwohl nichts vorwärtsging, war alles so neu und aufregend. Der Geruch von Motoren und Benzin. Das war einfach herrlich – es prägt mich bis heute."

Als Johnson an sein erstes eigenes Auto, einen Ford Popular, zurückdenkt, leuchten seine Augen. Er bekam ihn zum 17. Geburtstag von seinem Vater, einem englischen Kohlekumpel. "Er war ein einfacher Mann. Keine langen Reden oder so. Ein fester Händedruck, und damit war die Sache für ihn gelaufen. Er sagte schlicht: ,Los geht’s‘, und warf mir einen Schlüsselbund zu. Kein ,Alles Gute zum Geburtstag!‘ oder so was, einfach nur ‚Los geht’s‘ – wie ein Feldwebel. Und ich konnte es nicht fassen: Das Auto hatte von allen Farben die hässlichsten – außen Beige und innen Lachsrosa. Grauenhaft. Egal! Für mich bedeutete es Freiheit. Mann, was war ich stolz auf die Karre."

Das Lieblingsauto ist ein Austin Mini Cooper S

Auf die Frage nach seinem Lieblingsauto dreht er sich um und zeigt auf den Austin Mini Cooper S hinter sich: "Im Moment bin ich nach diesem hier verrückt! Ich habe ihn erst letztes Jahr gekauft, aber er macht mir unheimlich Freude. Ich ging zu einem Typen hin und sagte: ‚Den muss ich haben.‘ Er sagte: ‚Nein!‘, aber er hatte zwei davon, und schließlich einigten wir uns doch. Im letzten Jahr bin ich damit in ganz Europa fünf Rennen gefahren. Mannomann, was für ein Spaß. Er bringt mich derartig zum Grinsen, dass mir die Kiefer schmerzen, wenn ich aussteige."

Und mit der gleichen kindlichen Begeisterung, die ihm ins Gesicht geschrieben stand, als er vor rund 60 Jahren erstmals ein Auto anstaunte, steigt Johnson in den Kleinwagen. Mit dem einzigen Ziel, das Letzte aus der Karre rauszuholen, wie er sich ausdrückt. Brian Johnson ist einfach ein Mann der klaren Worte: als Rocker auf der Bühne genau wie beim Autofahren.

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