Cadillac CTS

Toys are US

Foto: Walter Tillmann 15 Bilder

Frischer US-Wind in der Oberklasse. Cadillac bringt die Neuauflage des CTS wieder im typischen Bügelfalten-Look und mit 311 PS starkem V6-Motor. Nur ein Spielzeug für Individualisten oder ein Konkurrent für Mercedes & Co.?

Auch die zweite Generation des Cadillac CTS ist ein Charaktertyp mit Ecken und Kanten, der nicht an jeder Straßenecke steht und seinen Fahrer als nicht angepassten Individualisten ausweist. Bereits der 2002 präsentierte erste CTS verblüffte durch ein Design, das Cadillac als „bold and edgy“, als „kühl und messerscharf“ bezeichnete. Der neue CTS wich davon keinen Millimeter ab – das ist auch gut so, denn dadurch blieb eine markante Erscheinung auf unseren Straßen erhalten.

Hebt sich wohltuend von der Masse ab

Wir rollen im kantigen Caddy mitten hinein in die brodelnde City von Lissabon, die auch nachts noch voller Leben ist. Unser Auto schiebt sich an der quietschenden Uralt-Tram vorbei. Deren Fahrgäste stecken neugierig ihre Köpfe zu den Fenstern heraus, denn der Luxusliner hebt sich von der automobilen Blechmasse auf den Straßen wohltuend ab. Ein Allerweltsauto ist dieser Hingucker aus den USA nun wirklich nicht im alten Europa. Aber das könnte sich ändern. Denn Cadillac, die amerikanische Kult- und Nobelmarke, wagt einen zweiten Anlauf.

„Wer hier erfolgreich ist“, hat Markenchef James Taylor zuvor versichert, „der hat es geschafft – und mehrt zugleich das Image der Marke.“ Und das hat Cadillac bitter nötig, weil das Durchschnittsalter der Käufer zu hoch und deren Zahl letztendlich zu klein ist. Darum hat General Motors eine Menge Geld in die Hand genommen. Wenn schon, denn schon: GM will künftig in der Liga von Mercedes, BMW und Audi mitspielen. Spielentscheidend sind vor allem Design, Technik und Preis – hier kann der Ami tatsächlich punkten.

Bei der Formgebung zeigt der CTS einen völlig eigenständigen Charakter, selbstbewusst und entschlossen. Es muss ja nicht immer Audi sein, um Dominanz, technische Kompetenz und beruflichen Erfolg zu demonstrieren. Und beim Budget liegt man deutlich unter dem Niveau von Mercedes & Co. Der neue, wieder heckgetriebene CTS, das gegen E-Klasse, Fünfer und A6 positionierte Oberklassemodell aus den USA, kostet bei vergleichbarer Ausstattung 6.000 bis 7.000 Euro weniger. Der Basispreis liegt bei 36.690 Euro für das 2,8-Liter-Modell mit 211 PS, während der 311 PS starke 3.6-V6- Direkteinspritzer mit 44.490 Euro zu Buche schlägt.

500 PS-Variante in Planung

Dazu gibt es eine traumhafte Rundum-Sorglos-Ausstattung, die von der Klimaautomatik über Tempomat und Bose-Soundsystem bis zu Xenonlicht und LED-Rückleuchten reicht. Die 3,6-Liter-Version ist auch mit Allradantrieb erhältlich. Geplant sind zudem wieder eine 500-PS-Power-Variante sowie ein 2,9-Liter-Diesel mit 250 PS. In Größe und Ausstattung muss, nein: kann sich der Cadillac CTS gar nicht verstecken. Mit 4,87 Meter Außenlänge zählt er in den USA noch zu den Einstiegsmodellen, hier zu Lande liegt der CTS im Bereich der Business-Limousinen.

Kleine Details wie die seitlichen verchromten Luftauslässe oberhalb der Vorderräder oder eine in die B-Säule verlängerte Kotflügel-Lichtkante zeugen vom erfolgreichen Bemühen um Stil und Authentizität der Karosserie. Innen gibt sich der Amerikaner weder plüschig noch kunststoffbeladen, wie man gemeinhin annehmen möchte: Feinstes, handverarbeitetes Leder ziert Türverkleidungen und Sitze, Holz- und Alu-Applikationen verteilen sich über Lenkrad und Instrumententräger. Die Oberflächen sind stimmig und schmeicheln allen Sinnen – in puncto „handcrafting“ (Handwerksarbeit) wollte Cadillac-Chefdesigner John Manoogianc mal zeigen, was die US-Boys können.

Ein besonderes Merkmal ist das Navigationssystem, das viel mehr kann als andere Pfadfinderausrüstungen: Es speichert Daten auf eine 40-Gigabyte- Festplatte, rechnet rasend schnell und kann Songs aus dem Radio oder der Audio-Anlage aufzeichnen. Die Lautsprechereinheiten von Bose klingen exquisit und kommen einem Konzertsaalklang erstaunlich nahe. Das kantige Außendesign – mit der starken Betonung vertikaler Linien, angelehnt an frühere Cadillac-Modelle -, findet sich auch innen wieder.

Erfreulich fahrdynamisch

Und wie sieht es mit der Technik und der Fahrdynamik aus? Unsere auf 18-Zöllern stehende Stealth-Limousine ist mit dem kraftvollen 311-PS-Motor ausgestattet – einem neu entwickelten Benzin-Direkteinspritzer. Der harmoniert bestens mit dem optionalen, sanft schaltenden Sechsstufen-Automatikgetriebe (plus 2.000 Euro). Hier kam zusammen, was zusammengehört. Der Paradesprint von null auf hundert soll binnen 6,3 Sekunden absolviert sein, 241 km/h Spitze gibt der Hersteller an.

Mindestens ebenso überzeugend wie der Antrieb ist das adaptiv agierende Fahrwerk, das einerseits nicht mit Caddy-mäßigem Komfort geizt, andererseits relativ straff daherkommt und mit einer tollen Präzision überrascht. Auch Lenkung und Bremsen wirken überaus gelungen: Die komplette Fahrdynamik des Neuen gerät zu einer höchst erfreulichen Angelegenheit. Kein Wunder, der CTS wurde auf dem Nürburgring abgestimmt.

Unsere Tour durch Lissabon geht zu Ende, leider. Der moderne Caddy hat uns rundum positiv überrascht, er dürfte seinen Weg machen. Wenn auch in geringer Stückzahl, was bei seinem außergewöhnlichen, aber schlüssigen Design nicht weiter erstaunen dürfte: Ist es zu stark, bist du zu schwach.

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Kann der CTS-V der europäischen Konkurrenz das Wasser reichen?
Wahrscheinlich nur beim Preis.
Kraft allein reicht nicht.
Ist mit Sicherheit eine Alternative.
Keine Chance gegen E63 und M5.
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