Das Fahren der Zukunft

Weiterentwicklung des Fahrspaß

Fahrspaß der Zukunft, Autonomes Fahren, Prototyp Foto: BMW

Werden wir auch künftig noch Spaß am Autofahren haben? Unser Autor Marcus Peters meint: Aber sicher! Doch der Fahrspaß wird durchaus ein anderer sein als heute.

Fahrspaß zu definieren, fällt mir leicht: ein agiles Auto, eine kurvige Landstraße, wenig Verkehr, schönes Wetter – mehr braucht es nicht. Heute. Und morgen oder in einigen Jahren?

Autonomer BMW auf der Nordschleife

Zukunftsforscher postulieren das Ende des Individualverkehrs. Vom selbstbestimmten Fahren nehmen wir ohnehin seit Langem Abschied: ABS war die erste von vielen elektronischen Hilfen, welche die Entscheidungsgewalt in Teilbereichen an sich genommen haben. Das autonome Auto – "automobil" bedeutet übrigens "sich selbst bewegend" – scheint kurz vor der Serienreife zu stehen. Mündet diese Entwicklung also in lange, ferngesteuerte Konvois?

Wir möchten es nicht herbeireden. Doch die unvermeidliche, weil ingenieursgetriebene Entwicklung muss nicht ausschließlich Unbehagen hervorrufen. Das autonome Fahren brachte 2009 den Track Trainer hervor; ein BMW dübelte nahe am Grenzbereich über die Nordschleife, nur gesteuert von einem Rechner. Audi kann das auch. Warum nicht einfach vom Computer die perfekte Linie auf einer Rennstrecke vorexerzieren lassen – dann selbst versuchen?

Driften in Sandgruben

Oder nehmen wir den Ferrari 458 Speciale: Er bietet eine ESP-Einstellung, die das Driften unterstützt. Ich habe es auf der Ferrari-Teststrecke in Fiorano ausprobiert und hatte tierisch Spaß. Ohnehin wird sich das schnelle Fahren noch stärker als bisher weg von der öffentlichen Straße verlagern. Neue Pisten werden konzipiert – sie müssen ja nicht gleich so nobel sein wie der Bilster Berg. Driftschulen in ausgebeuteten Sandgruben. Toll. Oder Offroad-Parcours. Prima. Eispisten in den Alpen. Was für ein Spaß.

Dabei wird nicht unbedingt das eigene Auto zum Einsatz kommen; es wird sich nicht mehr jeder eines leisten können. Sport- oder gar Rennwagen lassen sich künftig häufiger und einfacher als heute mieten – Vergnügen setzt nicht unbedingt Eigentum voraus, Besitz reicht.

Sportwagen kommt als E-Mobil

Im Sportwagen steckt noch viel Spaßpotenzial. Sei es, dass er als Drehmoment-Dragster in Form eines E-Boliden kommt – oder in seiner reinsten, rudimentärsten Ausprägung: klein, leicht, pur. Die Schere wird auseinandergehen zwischen den Technikprotzen und den Digitalverweigerern. Letztere kehren in die Zeit vor ABS zurück und kommen völlig ohne Fahrhilfen aus.

Doch wer sagt eigentlich, dass nur das Fahren im Grenzbereich Spaß macht? Haben Sie schon den Slow Drive entdeckt, das Äquivalent zum Slow Food? Im Oldtimer ist Langsamkeit kein Grund für Frust, sondern zur Freude. Das Flanieren über Concours gibt es ja längst; doch diese Veranstaltungen sind und bleiben eher elitär. Warum also nicht regelmäßig Autowanderungen ins Leben rufen? Es wäre eine Vermarktungsidee für strukturschwache Gebiete – dort, wo sich Fuchs und Hase aus Langeweile schon tagsüber gute Nacht sagen.

Rollende Kinosäle

Noch erfreuen sich Elektrowagen keiner großen Beliebtheit, und wir verbinden mit ihnen eher Mobilität als Fahrspaß. Doch das dürfte sich ändern: Mich hat das erste Mal Strom- ...? – was auch immer – geben nachhaltig beeindruckt. Kaum drückt der rechte Fuß das Pedal, schon reißt es die Fuhre nach vorne, als wollte sie die Erdanziehungskraft überwinden. Das anschließende scheinbar schwerelose Gleiten bringt mich in eine Art kontemplativen Zustand. Balsam für die stressgeplagte Seele.

Wenn es einfach darum geht, viele Kilometer möglichst angenehm hinter sich zu bringen, ist das Gefahrenwerden immer noch die angenehmste Variante. Also doch autonom? Kommt auf die Ausgestaltung an: Wenn ich dabei gut unterhalten werde, warum nicht? Rollende Kinosäle, HiFi-Studios, Playstations, was kann man sich da alles vorstellen ... Ich muss wohl Fahrspaß neu definieren.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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