Die neue Chronik des Automobils

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Von welchen Autos träumten die Deutschen mitten im Wirtschaftswunder? Und auf welche Modelle waren sie wild in den wilden Sechzigern? Die neue Chronik des Automobils gibt auch darauf alle Antworten.

Gut möglich, dass jeder Besitzer der Chronik des Automobils irgendwann sein Lieblings-Jahrzehnt entdeckt. Das können die Vierziger und Fünfziger sein, von denen der erste Band erzählt: Sonderberichterstatter reisten nach Paris, um den Aufsehen erregenden 2 CV von Citroën zu fahren.


Kleinstwagen wie der Champion nahmen die Smart-Idee einige Jahrzehnte vorweg, mit 6,8 PS aus einem Zylinder. Und nicht nur das dreirädrige Fulda-Mobil kam damals mit einem Design daher, das heutzutage nur für lustige Fahrradanhänger – die mit den schwankenden Fähnchen – taugt.

Beste Chancen in der Kategorie "Mein Lieblingsjahrzehnt“ aber haben die sechziger Jahre, also Band zwei der Chronik. Es waren witzige, verrückte, heftige, schräge Jahre – vor allem im Rückblick. Ein paar Beispiele aus den alten auto motor und sport-Texten gefällig, die jetzt zur 2.100-Seiten-Chronik mit über 3.400 Fotos gebündelt wurden:

Ein Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. Kurt Schubert widmete sich sehr ernsthaft dem Thema Blut- und Hirnalkoholkonzentration bei Autofahrern und befand 1968: "Sicherlich sind Menschen mit mehr als zwei Promille Alkohol im Blut in der Regel fahrunfähig." Und Schüler schrieben fröhliche Aufsätze über den neuen NSU Ro 80, in denen sie viel emotionale Intelligenz verrieten: "Die Ingenieure von NSU mussten sich erst erholen. Sie waren ganz fertig."

Die Ingenieure der anderen Firmen? Sie tüftelten und entwickelten und probierten an Automobilen herum, die damals für Sensationen sorgten und heute für Sentimentalität. "Ab und zu tauchen Testwagen auf, die ungewöhnlich und faszinierend sind ...", begann 1963 zum Beispiel der Testbericht über die sportliche Alfa Romeo Giulia TI.

Mini Sting Ray und Giulia

Als "Mini-Sting Ray" kam 1968 der phänomenale Opel GT auf den Markt, um den sich schon drei Jahre zuvor Menschentrauben auf dem IAA-Stand gebildet hatten. "Beim Styling war Opel keineswegs kleinlich", so der Kommentar in auto motor und sport – ein Beispiel für gekonnte Untertreibung.

Daumenkino in XXL-Format

Das Blättern in der Chronik ist Daumenkino im XXL-Format. Sie fahren alle noch mal vorbei: der Ford 17 M, die "Badewanne"; Fritz B. Busch lässt den Jaguar E-Type hochleben; Triumph TR4 und NSU Prinz, Mini Cooper S und BMW 1600-2, Ferrari Dino und Ford Capri wechseln sich locker ab, gefolgt von den großen Mercedes, kleinen Fiat und feinen Rolls-Royce. Und natürlich der Porsche 911, der anfangs noch 901 hieß – in den Sechzigern nahm die Legende ihren Anfang.

Dass sie alle da sind, die vielen Alltagshelden genauso wie die Autos zum Träumen, das ist das Schöne an diesem umfassenden Tagebuch des Automobils. Die Chronik versammelt aber auch Kuriositäten in der Rubrik "Fehlzündungen", sie protokolliert die Höhepunkte des Motorsports genauso wie die Tiefpunkte der Verkehrspolitik.

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