Expo 2010 in Shanghai

Die urbane Mobilität von übermorgen

Expo 2010 in Shanghai Foto: press-inform 29 Bilder

Die Weltausstellung Expo findet alle fünf Jahre statt. Diesmal im chinesischen Shanghai. Parallel dazu gibt es in Peking mit der Auto China 2010 eine der wichtigsten Automessen des Jahres. Doch die Symbiosen sind dünn.

Eine bessere Chance hätte die internationale Autoindustrie in diesem Jahr kaum haben können. China ist der weltweit größte Automobilmarkt. An diesem Wochenende eröffnet die Expo 2010 in Shanghai unter dem Thema "Better City - Better Life". Bis zum 31. Oktober dreht sich am Ufer des Flusses Huangpu alles um die urbane Mobilität von morgen übermorgen. Doch die Autohersteller halten sich trotz zeitlicher und räumlicher Nähe zur Auto China 2010 in Peking überraschend stark zurück.

Das war bei der vergangenen Expo 2005 im japanischen Aichi noch ganz anders. Hier waren in zahlreichen Themen- und Markenpavillons die visionären Neuerungen von Toyota, Suzuki, Nissan und Honda zu bewundern. Aber auch die deutschen Hersteller - allen voran Mercedes und BMW - zeigten neue Kunststoffe, natürliche Formen und Hightech von morgen.

Bis zu 70 Millionen Besucher auf der Expo in Shanghai

Wer nach wirklich großen automobilen Neuerungen auf der diesjährigen Expo in Shanghai sucht, muss tief in den Pavillons stöbern. Im deutschen Haus ist nicht viel mehr als Abbildungen vom VW E-Up und der BMW Leichtbaustudie Gina zu bewundern. Im zentralen Themenpavillon "Urban Planet" wandelt der Besucher erst durch düstere Gänge und taucht so in die Welt der 27 internationalen Megacities ein. Nach einem Blick auf die Welt von oben zeigt eine "Road of Solutions", wohin die Reise gehen soll. Lutz Engelke hat sich in den letzten drei Jahren ganz dem Thema Expo verschrieben. Der Chef der Berliner Event- und Veranstaltungsagentur Triad hat zusammen mit seinem Team den zentralen Pavillon "Urban Planet" gestaltet.

"Auf der Weltausstellung werden bis zu 70 Millionen Besucher erwartet. Fünf Prozent davon sollen aus dem Ausland kommen", erklärt Lutz Engelke, "allein in China werden in den nächsten 30 Jahren 400 Millionen Menschen vom Land in die Städte ziehen." Die zentrale Frage dabei: wie regeln die Menschen im Alltag von morgen ihre urbane Mobilität? Im Pavillon "Urban Planet" sind jedoch keine Zukunftsautos von Mercedes, Audi und BMW bewundern. Immerhin, zwei Elektro-Smarts sollen zeigen, dass in den Megastädten mittelfristig einiges ohne fossile Brennstoffe laufen dürfte und das gelebte Carsharing-Projekt mit den beiden Vorzeigemodellen in Ulm und Austin / Texas kein Einzelfall bleiben soll.

Doch gerade mit Fokus auf die Peking Motorshow, bei der sich vieles um Elektroautos drehte, verwundert, dass derart wenig innovative Fahrzeuge und Antriebskonzepte auf der Expo um Aufmerksamkeit werben. Zwar unterstrichen nicht zuletzt die BMW-Verantwortlichen Dr. Norbert Reithofer und Entwicklungsvorstand Dr. Klaus Dräger, dass das hauseigene Megacity-Vehicle 2013 auf die internationalen Märkte kommen soll. Ähnliche Aussagen über eine elektrifizierende Zukunft gab es auch bei Herstellern wie Audi, Volkswagen, Ford, Renault-Nissan und General Motors zu vernehmen. Doch die Fragen sind und Probleme einer rasend schnell fortschreitenden Urbanisierung sind bekannt.

CO2-betriebener SAIC Leaf auf der Expo in Shanghai

Daran ändert auch der Pavillon am Südufer des Flusses Huangpu nichts. Hier hat der SAIC-GM-Konzern als einziger Autohersteller einen eigenen Auftritt. Unter dem Motto "Take a drive to 2030" wird auf 6.000 Quadratmetern gezeigt, wie die urbane Mobilität der Zukunft mit einem vernetzten Elektroauto, dem "Electric-Networked Vehicle", aussehen könnte.

Zudem gibt es das Saubermann-Doppel aus Chevrolet Volt und Chevrolet Equinox mit Brennstoffzelle zu sehen. "Wir zeigen eine Vision vom Autofahren in der Zukunft. Frei von fossilen Brennstoffen, ohne Emissionen oder Unfälle", so Kevin Wale, Präsident der GM China Group, "wir sind stolz, dass wir hierzu die Lösungen in unserem Pavillon auf der Expo 2010 zeigen können." Das ungewöhnlichste Fahrzeug auf der Weltausstellung ist der SAIC Leaf, der CO2 schluckt und ähnlich einer Brennstoffzelle in Vortrieb umwandelt. Den Rest erledigen ein Solardach und ein Propeller. Technisch erscheint das Ganze mehr unterhaltsam als zielführend. SAIC-Technik-Chef Liu Qihua: "Wir hoffen, dass Mensch und Natur so bis zum Jahr 2030 eine harmonische Koexistenz eingehen können."

Urbane Mobilität von übermorgen

Dabei müht sich die Weltausstellung darum, die urbane Mobilität von übermorgen in das Messeumfeld zu transformieren. So sind alle Fahrzeuge auf dem Messegelände rein elektrisch unterwegs. Shuttles, Busse und U-Bahnen werden ebenso von surrenden Elektromotoren bewegt wie Lieferdienste oder die Müllabfuhr. "Das Thema Elektromobilität dürfte hier in zehn Jahren Standard sein", blickt Lutz Engelke auf Chinas Straßen und befürchtet eine fast schon diktatorische Vorgaben im Herzen der riesigen Städte mit mehreren Millionen Einwohnern. Doch wie sich die Menschen von übermorgen mobil in diesen Städten fortbewegen werden, ist mehr als nebulös. Denn bereits auf der vergangenen Weltausstellung im japanischen Aichi vor fünf Jahren gab es dutzende visionärer Ideen mit elektrobetriebenen Klein- und Kleinstfahrzeugen. Außer putzigen Bildern von musizierenden Robotern oder fahrenden Eierschalen dürfte den meisten nicht viel im Gedächtnis geblieben sein.

Im cineastisch unterhaltsamen französischen Pavillon zeigt Citroen mit der Luxuslimousine Metropolis, dass die automobile Zukunft nicht allein von wenig emotionalen Ein- und Zweisitzern beherrscht werden dürfte. Der französische Maybach verfügt neben opulenter Ausstattung über Allrad- und Hybridantrieb – immerhin. Große automobile Innovationen fehlen übrigens auch für die Fahrzeuge im Umfeld der Messe. So sorgte Volkswagen, seit Jahrzehnten automobiles Schwergewicht in China dafür, dass betagte Taxis gegen neue, gelb lackierte Touran-Modelle ausgetauscht wurden. Doch die werden vorrangig mit normalen Benzinmotoren betrieben.

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