Ford Fiesta Produktion

In 13 Stunden zum Kleinwagen

Ford Fiesta, Produktion, Stahlrolle Foto: Beate Jeske 15 Bilder

Ford produziert in Köln-Niehl den Fiesta – im Mai läuft dort der einmillionste Kleinwagen der siebten Generation vom Band. In der Rekordzeit von nur 13 Stunden entsteht ein komplettes Fahrzeug, ausgehend von einer Rolle Stahlblech. Wir begleitete einen Auszubildenden von Ford während der Produktion seines eigenen Traumautos.

Langsam schwebt die riesige Rolle Stahlblech durch die Halle des Ford-Werkes in Köln-Niehl. Über 26 Tonnen wiegt der Koloss, mehr als drei Kilometer Stahlblech sind aufgerollt. Maik Dehn ist sichtlich beeindruckt. Der Azubi im zweiten Lehrjahr lernt Groß- und Außenhandelskaufmann bei einem großen Ford-Händler in Köln und erlebt an diesem Tag live, wie sein Auto gebaut wird. "Ich wollte mir schon lange einen Fiesta kaufen, und jetzt hat das Geld endlich gereicht", sagt der 23-Jährige.

Ab ins Schlachthaus mit der Seitenwand

Die vorherige Blechrolle ist nahezu aufgebraucht, höchste Zeit für Nachschub. Schließlich spuckt die Presse alle paar Sekunden ein neues Teil aus. Nur fünf Arbeitsschritte braucht es, um aus dem Rohmaterial eine Seitenwand für einen Fiesta zu fertigen. Wenn die Seitenteile aus der Presse kommen, sind sie leicht ölig. "Die Bleche würden regelrecht zerreißen, wenn wir kein Öl benutzen", ruft Karosseriebau-Gruppenleiter René Zimmermann. Es ist sehr laut, alle tragen Gehörschutz. Kollege Fuat Güller prüft die Seitenwände auf eventuelle Fehlstellen – alles okay. Die Teile dürfen weiter ins so genannte Schlachthaus.

Wie Rinderhälften hängen die Seitenwände hochkant in einem Gestell. Maik Dehn wundert sich, warum in der weitläufigen, schummrigen Halle kaum Mitarbeiter zu sehen sind. "Im Karosseriebau laufen 98 Prozent der Arbeiten voll automatisiert ab", sagt René Zimmermann, "mehr als 1.000 Roboter sind hier im Einsatz." Menschen werden lediglich zum Beschicken der Anlagen und zur Qualitätssicherung benötigt.

In Köln produziert Ford für die ganze Welt

Während der Abwrackprämie produzierte das Werk am Limit. "Über 2.000 Autos sind damals täglich vom Band gerollt. Momentan sind es rund 1.750, je nach Auftragslage", sagt Zimmermann. Bestellungen kommen sogar aus Tahiti und Neukaledonien – den am weitesten entfernten Exportländern.

Nachdem die beiden Seitenteile und das Dach mit dem Unterboden verschweißt sind, kommen die Türen an Maiks Fiesta. Drei Industrieroboter arbeiten perfekt zusammen: Der erste greift sich eine Tür vom Förderband, der zweite befestigt die Scharniere, und der dritte Roboterarm schraubt die Tür passend an die Karosserie.

Menschen überprüfen Roboter

Nicole Schneppensiefen prüft, ob die Maschinen exakt arbeiten. In der Qualitätssicherung nimmt sie zwei bis drei Karosserien am Tag sprichwörtlich unter die Lupe. "Ich sehe hier unter anderem nach, ob die Schweißpunkte richtig sitzen und ob der Kleber auch da ist, wo er sein soll", sagt die gelernte Werkzeugmechanikerin. Mit weißen Handschuhen gleitet sie über das nackte Blech. Kleine Beanstandungen werden ausgebessert, dann geht die Karosse wieder aufs Band.

In der Lackiererei kommt Farbe ins Spiel. "Als Erstes wird die Rohkarosse in vier Tauchbädern entfettet, weil auf dem öligen Blech kein Lack hält", sagt Jörg Stapel aus der Lackiererei. Es folgen eine Zink-Nickel-Mangan-Beschichtung gegen Durchrostung und der so genannte Primer. Der sorgt für eine glatte Oberfläche, auf der später der Lack hält.

Ford Fiesta kleidet sich in Frozen White

In der eigentlichen Lackierstraße bekommt der Fiesta schließlich seine Farbe. Maik Dehn hat sich für "Frozen White" entschieden. Damit liegt er voll im Trend, immerhin waren im vergangenen Jahr 19,5 Prozent aller im Werk produzierten Autos weiß. Mehrere Lackierroboter spritzen insgesamt rund neun Kilogramm Primer, Basislack und Klarlack auf jedes Fahrzeug. Schwer zugängliche Stellen wie die Türeinstiege lackieren einige Mitarbeiter noch von Hand.

Nach einer weiteren Qualitätskontrolle gelangt die Rohkarosse in den "Karossenturm" – eine Art Pufferspeicher. Maximal 360 Auto-Skelette lagern hier und versorgen die Endmontage, sollte es im Karosseriebau oder der Lackiererei Verzögerungen geben.

Der weiße Fiesta darf in die Endmontagehalle. An den folgenden 120 Stationen erhält er von der Antenne bis zum Zündschloss alles, was ihn zum kompletten Auto macht. Doch zunächst werden die Türen wieder abgebaut. In einem externen Industriepark erhalten sie Verkleidung, Schlösser, Scheiben und Lautsprecher.

Sind die Türen da, wird Hochzeit gefeiert

Dreieinhalb Stunden später kommen die Türen zu Maiks Fiesta zurück. Eine logistische Meisterleistung. Jedes Teil muss zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein, auch bei der so genannten "Hochzeit". Hier schwebt die Karosserie herab auf das Fahrgestell, bestehend aus Vorder- und Hinterachse, Motor und Auspuff.

Nach und nach wird das Auto komplettiert – Sitze, Räder, Scheinwerfer kommen hinzu, der Fiesta-Schriftzug findet seinen Platz auf der Heckklappe. In der Endmontage erledigen 1.280 Mitarbeiter vieles noch von Hand. Azubi Maik Dehn staunt: "Ich hätte nicht gedacht, aus wie vielen Teilen so ein Auto besteht und durch wie viele Hände es geht." Die Zielgerade ist in Sicht, doch drei Hürden stehen noch an.

In einem Container wird jedes Fahrzeug stark beregnet und auf Dichtheit überprüft. In einem weiteren Schritt misst ein Laser die Spaltmaße. Wenn alles im grünen Bereich ist, geht es zum Rütteltest. Auf einer kurzen Teststrecke holpert der Fiesta über grobe Feldsteine und Straßenpflaster. Knarzt und knackt nichts im Innenraum? Dann rauf auf den Lkw und schnell zum Händler. Schließlich wartet Maik Dehn schon sehnsüchtig auf die erste Spritztour mit seinem Traumauto.

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