GM

Am Ende gab der Spieler auf

Foto: dpa

Am 30. November war endgültig Schluss. An diesem Tag verkaufte der eigenwillige US-Milliardär Kirk Kerkorian sein GM-Aktienpaket und markierte damit den Schlusspunkt im  saftigten Drehbuch von mächtigen Männern und großen Auto-Allianzen, das 2006 fast ein halbes Jahr die Autowelt gefesselt hatte.

Durchatmen herrschte auf der Vorstandsetage von General Motors Anfang Dezember. Ein letztes Mal hatte Kirk Kerkorian die Schlagzeilen beherrscht und mit dem Abstoßen des Restes seines milliardenschweren Aktienpakets noch einmal für mächtig Wirbel gesorgt. Ein halbes Jahr lang hatte der 89-Jährige, der sich selbst gerne als Spieler bezeichnet, den Takt bei General Motors geschlagen, am Ende hatte er ein Einsehen, dass er im Machtkampf mit GM-Boss Rick Wagoner keine Chance mehr hatte. "Ich liebe das Spiel, aber ich höre auf zu spielen, wenn ich keine Chance mehr habe", soll Kerkorian einem Mitarbeiter gesagt haben.

Dabei war es weit mehr als ein Spiel, das sich im Ringen um die Zukunft des weltgrößten Autoherstellers seit dem Frühjahr 2006 abgespielte.

Kerkorian, über seine Investmentfirma Tracinda mit 9.9 Prozent größter Einzelaktionär bei GM, hatte über Monate die Lufthoheit über die öffentlichen Debatte wie die Sanierung des angeschlagenen Autoherstellers auszusehen habe. Kerkorian war es, der GM in die Allianzgespräche mit Renault-Nissan trieb und vor allem: Kerkorian war es auch, der ganz unverhohlen die Führungsqualitäten von GM-Boss Rick Wagoner in Frage stellte.

Wagoner, zum Ende des Jahres 2005 und bis ins Frühjahr 2006 hinein die Top-Wette auf einen Manager-Rausschmiss in den Gazetten, hätte den Machtkampf wohl auch verloren, wäre er nach publik werden der Allianz-Überlegungen offen auf Konfrontationskurs gegangen. Das tat der kühl rechnende GM-Boss aber nicht. Vordergründig unterstützte er die Allianzgespräche mit Nissan-Renault Chef Carlos Ghosn, hintergründig setzte er auf den Faktor Zeit, in der Erwartung, dass erste Sanierungserfolge des im Herbst 2005 aufgelegten Programmes seine Position stärken würden.

Damit sollte Wagoner letztlich Recht behalten. Während Ghosn sich unermüdlich als Befürworter der Groß-Allianz produzierte, gab Wagoner den Bremser. Jerry York, zur Durchsetzung von Kerkorians Absichten in den GM-Aufsichtsrat entsandt, beklagte immer wieder, dass Wagoner und der GM-Vorstand Vorteile der möglichen Allianz konseqent ignorierten und im Gegenteil alles täten, die Nachteile zu unterstreichen.

Die Zwistigkeiten gipfelten im Spätsommer darin, dass dasDuo York/Kerkorian eine unabhängige Untersuchung der Folgen einer Allianz einforderten, sich damit aber nicht durchsetzen konnte.

Der Machtkampf war im August entschieden

Damals war der Machtkampf allerdings schon zu Wagoners Gunsten entschieden. Ohnehin nicht darauf erpicht, unter die Fuchtel eines europäisch-japanischen Konzerns zu geraten, hatte sich in der US-Wirtschaftswelt die Stimmung gedreht. Beflügelt von nun wieder positiveren Zahlen, glaubte man wieder an die Richtigkeit von Wagoners Weg, die Zweifel an der Allianz wuchsen. Kekorian, der Spieler mit dem Hang zu eigenwilligem Handeln, reagierte gereizt. Er zog seinen Vertrauten Jerry York aus dem Aufsichtsratsgremium ab.

Da galt das Verhältnis zu Rick Wagoner, der zumindest in der Öffentlichkeit jede negative Äußerung über seinen renitenten Großaktionär vermied, als heillos zerrüttet. So soll Kerkorian im August ein Dinner, zu dem Wagoner geladen hatte, bereits nach der Vorspeise grußlos verlassen haben, weitere Gesprächangebote mit dem GM-Boss ließ er platzen.

Marktexperten, die nach den offiziell für beendet erklärten Gepäche zwischen GM und Renault-Nissan noch mit einer weiteren Machtprobe gerechnet hatten, wurden enttäuscht. Mit dem kompletten Ausstieg beim Autobauer, dürfte für Kirk Kerkorian das Kapitel GM endgültig geschlossen sein.

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