IAA 1951

Erste Nachkriegs-IAA - "Wir sind wieder wer!"

Foto: Archiv 16 Bilder

Der bekannte Satz, der Ludwig Erhardt zugeschrieben wird, hätte über dem Eingang der IAA 1951 hängen können. Denn das war es, was die Automobilhersteller vermitteln wollten. Und das war es auch, was die Besucher hören, sehen und fühlen wollten.

Die Produktionszahlen erholten sich (1947 waren 9.500 Fahrzeuge gefertigt worden, 1949 bereits 100.000) und näherten sich dem Vorkriegsniveau (1938 280.000 Automobile, 1950 waren es 216.000).

IAA 1951 mit zwei Premieren

Die erste IAA (hier alle Infos zur aktuellen IAA) nach dem Krieg fand zum ersten Mal in 15 Hallen auf dem Frankfurter Messegelände statt. Von 1897 bis 1939, der letzten Automobilausstellung vor dem Zweiten Weltkrieg, war der Veranstaltungsort der Automobilausstellung meist Berlin. Bei der ersten, 1897 im Hotel Bristol in Berlin, wurden acht Motorwagen ausgestellt. 1951 waren dagegen 500 Aussteller gekommen, um ihre Fahrzeuge und Entwicklungen vorzustellen.

Nun also Frankfurt. Das Messegelände wurde von den Besuchern fast gestürmt, so groß war der Andrang. Rund 570.000 Besucher wollten sehen, wie die Automobilindustrie unter den Nachkriegsbedingungen Mittel und Wege findet, die Motorisierung im Nachkriegsdeutschland voranzutreiben. Bundespräsident Theodor Heuss eröffnete die Ausstellung, die soviel für die Deutschen bedeutete. Nach den Entbehrungen der Kriegsjahre ging es nun mit äußersten Anstrengungen daran, aus den Trümmern eine neue Hoffnung zu bauen. Die Automobilindustrie wurde als Spiegel des Wirtschaftswunders gesehen. Nach Reparationsleistungen und Demontagen zeigten sich die Ingenieure und Unternehmenslenker von ungeheurem Tatendrang und entwickelten, was das Zeug hielt.

Weg vom Langhuber

Im Motorenbau ist weltweit eine Abkehr vom Langhuber festzustellen. Der Trend geht hin zu einem quadratischem Layout (Bohrung = Hub). Dadurch werden die Pleuel kürzer, größere Ventile können eingesetzt werden, das Gewicht wird reduziert und niedrigere Kolbengeschwindigkeiten wirken sich positiv auf Drehzahlniveau und Langlebigkeit aus. Die Erkenntnisse der letzten Jahre weisen auf kurzhubige Vier- und Sechszylinder mit größerem Hubraum und kopfgesteuerten Ventilen hin. Die Motoren werden leichter und sparsamer.

Hansa 1500 Sportwagen von Carl F.W. Borgward

Das herausragendste Beispiel zeigt einmal mehr Borgward (Borgward auf der IAA 2015): Sein Hansa 1500 Sportwagen besitzt alle Merkmale noch jahrzehntelang später gültiger Motorenkonstruktionen: zwei obenliegende Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder und Fünfganggetriebe. Bei einem Leergewicht von nur 680 Kilogramm und 100 PS wird eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h angegeben. Neben dem Sportwagen zeigt Borgward den Hansa 1800 mit kopfgesteuertem 55-PS-Vierzylinder und selbsttragender Ganzstahlkarosserie.

Miserabler Kraftstoff

Mit welchen Problemen die deutsche Automobilwirtschaft aber noch kämpfen musste, zeigte auch das Beispiel Porsche. Wegen der miserablen Kraftstoffqualität muss bei dem von 1,1- auf 1,3-Liter-Hubraum vergrößerten Vierzylinderboxer die Verdichtung von 1:7 auf 1:6,5 herabgesetzt werden. Der Leistungszuwachs fällt entsprechend relativ moderat aus: 44 statt 40 PS.

Übersicht: IAA 1951
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