Im Alfa Spider an die Riviera

Schatz an der Sonne

Foto: Beate Jeske 21 Bilder

Im Winter auf der Suche nach Cabriowetter: Mit dem Alfa Romeo Spider unterwegs an der sonnenverwöhnten Riviera di Levante von Portofino nach Portovenere.

Regen kann so unerbittlich sein. Seit der Abfahrt von Stuttgart an die italienische Riviera trommelt er auf dem Stoffverdeck des Alfa-Youngtimers herum und zwingt die Wischerblätter zu Akkordarbeit. Nein, dieses Wetter, diese Temperaturen knapp über null Grad mag der Spider nicht. Es zieht wie Hechtsuppe unter dem ungefütterten Textiltuch, die Heizung bullert auf Hochtouren.

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Reise Mit dem Alfa Romeo Spider an die ligurische Küste
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Doch mit jedem Millimeter, den das Quecksilber im Thermometer klettert, verblassen die Strapazen der Anreise gen Süden. Im Hafen von Portofino scheint es dann so, als sei nichts gewesen – längst ist das Verdeck unter der Persenning verstaut. Von Osten lugt langsam die Sonne herein. In ihrem Licht strahlt das Meer türkisblau, wiegen kleine Wellen die letzten Boote sanft hin und her. Stück für Stück kriecht sie über das Kopfsteinpflaster der Piazzetta, nimmt den kleinen Platz immer mehr in Besitz und trocknet die letzten Tropfen auf dem roten Spider. Endlich angekommen.

Von Petrus begünstigt

Die ligurische Riviera ist von Petrus begünstigt. Sie öffnet sich zum Süden – und zum Meer. Kein Ort ist hier mehr als 35 Kilometer von der Küste entfernt. Die Berge im Rücken halten Schlechtwetter-Wolken zurück, und auch die Wintermonate sind sonnig mit Durchschnittstemperaturen von weit über zehn Grad Celsius – davon können Cabriofahrer hierzulande während der dunklen Jahreszeit nur träumen.

Ein Schrei durchbricht die morgendliche Idylle. „Bella“, schallt es von den bunten Fassaden der umliegenden Häuser, so dass die Tauben unter lautem Gegurre und wildem Flügelschlagen fluchtartig in die Luft steigen. Ugo Repeto ist gerade dabei, die letzten Tische und Stühle vor seiner Bar Morena da Ugo zurechtzurücken, als er den Spider erblickt. Der 65-Jährige ist ein Bilderbuch-Italiener: silbernes Haar, dunkler Teint, grauer Pullover mit weißem Kragen, braune Hose und italienische Lederschuhe. „Fantastisches Auto, tolles Design“, strahlt er über das ganze Gesicht und übersieht beinahe seine ersten Gäste. Stattdessen prüft er die Lenkung des Alfa, bewegt das Steuer von rechts nach links. „Ah, wenig Spiel. Sehr gut, sonst wird die Fahrt nach Portovenere zur Schwerstarbeit“, sagt er und verabschiedet sich an seine Kaffeemaschine, um in seiner winzigen Bar den ersten Cappuccino des Tages für 1,30 Euro zuzubereiten.

Der Spider zeigt, aus welchem Land er kommt

Auf der kurvigen Küstenstraße Richtung Rapallo und weiter an Sestri Levante vorbei zeigt der Spider, aus welchem Land er kommt. Jede Kurve, und windet sie sich noch so eng um die steilen Hänge, nimmt er mit der Agilität eines Hecktrieblers – klar, was Ugo Repeto gemeint hat. In Rechtsbiegungen schwappt der Sprit im Tank, so dass die Warnlampe im Cockpit flackert. Die zwei Liter Hubraum machen Schalten dafür zur Nebensache. Was für ein Genuss, mit der Sonne im Blick und dem Fahrtwind im Haar, der einen bekannten Geruch in die Nase trägt. Es brennt.

Über den Häusern steigen schwarze Rauchsäulen auf. Feinstaub-Alarm. Die Riviera putzt sich dieser Tage heraus für die neue Saison, Anwohner verbrennen ihre Gartenabfälle. Verwelkte Blätter sind darunter, Äste von Olivenbäumen, Palmen und Zypressen. Ein öliger Duft liegt in der Luft, der erst an der Grenze zum Nationalpark Cinque Terre verschwindet. Zuvor jedoch geht es ab Deiva Marina serpentinenartig ins Hinterland.

Häuser klettern in allen Farben an den Klippen empor

Die malerischen fünf Örtchen der Cinque Terre bieten einen Ausblick für Romantiker. Eines ist schöner als das andere, und doch sind sich Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore irgendwie ähnlich – und sei es nur in ihrem morbidem Charme. Über schmalen Buchten klettern Häuser in allen Farben an den Klippen empor. Rote, gelbe, orangefarbene. Allerdings nagt an ihnen der Zahn der Zeit. Der Putz platzt ab, ein tristes Grau tritt hervor.

Monterosso al Mare ist die größte Ansiedlung der Cinque Terre. Im Zentrum wimmelt es nur so von kleinen Gassen, die von der Via Roma abgehen. An ihrem Ende liegt links die Enoteca Ciak von Francesca Ballabio, die sich hinterm Tresen über den „Corriere della Sera“ beugt und die Wetterkarte auf der vorletzten Seite studiert. Über Stuttgart ist eine graue Wolke eingezeichnet, darunter drei diagonale Striche und die Ziffer drei. „Nix gute Wetter in Deutschland“, sagt sie. „Besser bleibe hier.“ Doch ein Andenken muss reichen: eine Halbliterflasche Olivenöl für acht Euro aus dem Regal – das flüssige Gold Liguriens. Dann geht die Reise weiter zum Ziel in Portovenere.

Malerische Kulisse von Portovenere

Von La Spezia aus sind es gerade noch elf Kilometer. Die riesigen Zerstörer, die im Marinehafen vor Anker liegen, sind kaum aus dem Rückspiegel des Spider verschwunden, da baut sich im Blick voraus schon die malerische Kulisse von Portovenere auf. Von einer großen Burg überragt, kleben die Häuser am steil abfallenden Hang. Sie sind schmal, teilweise kaum breiter, als der Alfa lang ist, aber tief, und von den Balkonen wehen Bettlaken und Herrenunterwäsche Marke Feinripp zum Trocknen.

Am Fuße der Häuserkette liegt der Bootshafen. Vor Ankerplatz drei dümpelt das Boot mit der Kennung 8SP288 vor sich hin. Es gehört Franco Vigna, der es Squalo (italienisch für Hai) getauft und ihm eine Haifischflosse aufs Dach gesetzt hat. Der ehemalige Seemann schippert mehrmals täglich Touristen von Portovenere aus zur vorgelagerten Isola Palmaria oder den Cinque Terre. Nur nicht heute. „Der Wind ist zu stark, da würden meine Passagiere seekrank werden“, sagt er und fährt sich mit der Hand durch den grauen Vollbart. Wie zum Beweis raut das Meer auf, Wind treibt das Wasser in den Hafen. Wellen schwappen gegen die Kaimauer, Gischt spritzt hoch, und der Alfa wird nass. Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen für die Heimfahrt.

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