Jaguar XJ von 1990 und 2013

Die englische Edellimousine schlechthin

Jaguar XJ, 1990, 2013, Generationen Foto: Beate Jeske 10 Bilder

Liebhaber hegen und pflegen ihn, und selbst unbedarften Laien zaubert sein Anblick ein verklärtes Leuchten in die Augen: Seit 1968 ist der Jaguar XJ Inbegriff einer englischen Edellimousine. Beim letzten Modellwechsel rückten die Briten zwar von der klassischen Linie ab, nicht aber von ihrem Ehrgeiz, besonderen Menschen auch etwas Besonderes zu bieten.

Sir William wäre wohl "not amused", wenn er die Frevel an seiner vorletzten Kreation noch erleben müsste. Denn erschreckend oft, wenn in Film und Fernsehen ein passendes Gefährt für Land- und Lebemänner mit tragischem Ende gesucht wird, fällt die Wahl auf einen Jaguar XJ. Der springt dann irgendwann über die Klippe oder geht nach einem Salto in Flammen auf, weil die beiden Tanks im Heck so schön Feuer fangen. Das tut weh, obwohl der wirtschaftliche Schaden bei verbrauchten Fünfthand-Exemplaren meist gering und das Angebot guter Autos noch erstaunlich groß ist.

Hoch erfreut wäre der Jaguar-Gründer William Lyons (1901 bis 1985) dagegen, wenn er den top gepflegten Daimler Double Six, das Spitzenmodell der Reihe, vor der prächtigen Kulisse des Schlosshotels Kronberg sehen könnte. Schließlich war der Patriarch zugleich ein begnadeter Gestalter, prägte alle seine Autos höchstselbst und prüfte ihr Design stets im Freien vor seinem Landsitz Wappenbury Hall. Mit dem Karosseriebauer seines Vertrauens legte er Hand an, korrigierte Proportionen und Details, bis das Ergebnis stimmte.

Zeitlose XJ-Linienführung

Wie treffsicher das Stilempfinden des Autokraten war, hat er bei der Premiere des ersten Jaguar XJ im Herbst 1968 vermutlich selbst nicht geahnt. Gerade weil er sich nie um die aktuelle Automode scherte, löste die niedrige, sinnliche Linie der neuen Limousine helle Begeisterung und eine Flut von Bestellungen aus. So blieb die Baureihe trotz zahlreicher Kinderkrankheiten und massiver Qualitätsprobleme speziell in den Siebzigern über 20 Jahre lang in Produktion und fand bis 1992 insgesamt 402.848 Käufer.

Bis heute gilt der Viertürer als Ikone britischen Automobilbaus, verwöhnt das Interieur mit einem holzgetäfelten Armaturenbrett im wahrsten Wortsinn, mit duftenden Lederpolstern sowie liebenswerten Schrullen wie der Bürsten-Kulisse des filigranen Automatik-Wählhebels und den verchromten Aschenbechern links und rechts davon. Wer Tweedsakkos, Creamtea und die heimelige Pracht des Empires liebt, wird sich speziell in den feudalen Daimler-Varianten zuhause fühlen.

Ebenso klassisch der angestaubte Reihensechszylinder mit eher ausreichender Leistung, aber derart feiner Laufkultur, dass der Jaguar XJ6 1969 als bis dato leisester Testwagen in die Annalen von auto motor und sport einging – vor Mercedes 600 und Rolls-Royce Silver Shadow. 1972 machte der 5,3-Liter-V12 den XJ12 gar zur schnellsten Serienlimousine der Welt. Der Zweiventiler gibt sich zwar selten mit weniger als 20 Liter pro 100 km zufrieden, läuft jedoch sahniger als mancher moderne Hightech-Zwölfzylinder. Überdies schluckt die langhubige Federung Unebenheiten nicht nur sanfter als die meisten Zeitgenossen, sondern auch als der aktuelle Jaguar XJ.

Neuer Jaguar XJ wandelt zwischen Klassik und Moderne

Mit ihm wurde 2009 endgültig der Classic-Look begraben, nachdem schon der Vorgänger unter seiner traditionellen Silhouette mit überraschend moderner Technik auftrumpfte. Neben Alukarosserie und Luftfederung hielt 2005 sogar erstmals ein kultivierter, ökonomischer V6-Diesel im Flaggschiff Einzug, der bei nicht mal halbem Verbrauch die Fahrleistungen des alten V12 bietet. Als Tribut an neue Märkte und Bedürfnisse ist der Jaguar XJ zudem seit kurzem mit Allradantrieb und in einigen Ländern auch mit einem aufgeladenen Zweiliter-Vierzylinder lieferbar – shocking.

Selbst im Innenraum weht nun der kühle Hauch der Neuzeit, wobei subtiler Luxus über neureiches Schickimicki-Gehabe triumphiert. Der Übergang von der Klassik zur Moderne wirkt allerdings nicht überall gelungen, wie das TFT-Display mit virtuellen Instrumenten sowie die konfuse Touchscreen-Bedienung zeigen. Und während das Fahrwerk jetzt auch ein wenig sportlich kann, blieb die einstige katzenartige Geschmeidigkeit der Federung auf der Strecke.

Doch bis heute vermitteln die hohe Gürtellinie und die breite Mittelkonsole die intime Geborgenheit früherer Modelle, das beruhigende Gefühl, stets im Auge des alltäglichen Verkehrs-Tornados zu sitzen. Vor allem schafft der aktuelle Jaguar XJ das Kunststück, ganz neu und trotzdem markentypisch aufzutreten. Beim zufälligen Halt vor einem Kindergarten zerrt jedenfalls ein Knirps seine Mutter zum metallicroten Testwagen und quengelt: "Ich will aber mit dem Jaguar fahren." In puncto Begehrlichkeit seiner Marke hätte Sir William also guten Grund, "very amused" zu sein.

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