Kleines 24h-Rennen

Großes Sport-Spektakel

Foto: Stefan Baldauf 64 Bilder

Spektakulärer kann Motorsport nicht sein. Im Minutentakt flogen die Tourenwagen aus der Bahn - ein Crash reihte sich an den nächsten. Und  trotzdem ging das Rennen ohne Unterbrechung weiter, rund um die Uhr. "Alles Verrückte", so der Veranstalter des 24 Stunden-Rennens für ferngesteuerte Elektroautos im Maßstab 1:10.

Und die "Verrückten", das waren 150 Fahrer aus ganz Deutschland, Luxemburg und der Schweiz, die dem Aufruf der Sportgemeinschaft DJK 1909 Andernach folgten, ganze vierundzwanzig Stunden mit "ferngesteuerten Spielzeugautos im Kreis zu fahren", wie die Piloten die Veranstaltung etwas herablassend charakterisierten. Am 8. September jedoch war von Spiel auf der Strecke nichts mehr zu sehen. Verbissene Zweikämpfe lieferten sich die 22 Mannschaften, absolvierten rasante Boxenstopps und produzierten spektakuläre Unfälle.

Von acht bis 58 Jahren war alles dabei

"Ein Hobby für die ganze Familie," betont der Veranstalter und Vereinsvorsitzende Uwe Reinhard gerne. Mehrere Generationen bildeten das Teilnehmerfeld, was intern auch zu so manchem  Problemchen führen konnte. Zum Beispiel beim Team Father & Son: "Obwohl die Kinder ausnahmsweise bis 22 Uhr aufbleiben durften, beschwerten sie sich am Morgen über die inzwischen verlorenen Plätze der Väter," gab der Organisator preis. Anders die Piloten aus Luxemburg, die ein zusätzliches Junior-Team meldeten. Im Fahrerstand drängten sich Anfänger und Profis nebeneinander und mit Ronald Völker nahm sogar ein Weltmeister teil.

Neben dem Fahrerstand war natürlich die "Boxengasse" das Epi-Zentrum des 24 Stundenrennens. Auf umfunktionierten Biertischen wurde mal mehr und mal weniger professionell gewerkelt. Hilfsbereitschaft unter den einzelnen Teams glich die Unterschiede aber etwas aus, nicht aber ohne einen passenden Spruch mitzugeben: "Nur Ex-Champions im Team und kein gescheites Werkzeug dabei!"

Fahrzeuge wurden vom Veranstalter gestellt

Im Gegensatz zur unterschiedlichen Boxenausrüstung lagen die Fahrzeuge auf einem Niveau, da die 100-Euro-Einheitsbausätze vom Veranstalter zusammengebaut und versiegelt wurden. Nur die Elektronik und die Karosserie durfte von den Teams selbst eingebaut werden. Schon die ersten Übungsrunden auf der im Mai 2007 eröffnete RC-Bahn versprachen attraktive Fahrmanöver, da die 1,5 Kilogramm leichten Flitzer bei jedem Kontakt mit den Curbes die Bodenhaftung verloren haben.

Kurz vor dem Start stieg die Anspannung wie bei einem großen Rennen. Einsetzender Regen ließ zusätzliche Hektik aufkommen - Elektroautos und Wasser vertragen sich nunmal nicht. Es wurde improvisiert und versucht, das Innere vor dem nassen Element zu schützen. Meist mit Klebeband - Sicherungsfaktor ungewiss.

Der Start erfolgte fliegend hinter dem Safetycar - einem neon-pink leuchtenden Mini-Cooper. Statt wohlgeordnet hinter ihm herzufahren sausten die Tourenwagen auf der Strecke herum, ohne Rücksicht auf die anderen. Hauptsache dicht hinter dem Safetycar bleiben, schien die Devise zu lauten, auch wenn dafür geschubst, ausgebremst und abgedrängt werden musste. Beim richtigen Rennen hätte jedes einzelne Manöver zum Rennabbruch geführt, hier war das Ergebnis ein großes Gewimmel von Fahrzeugen, von dem nur eine Handvoll ideal in die erste Runde startete.

Die Nasenspitze weist den Weg

"Die Nasenspitze der Fahrer zeigt immer auf das eigene Fahrzeug, weil sie es nie aus den Augen lassen dürfen," sagt der ehemalige Europameister Stefan Baldauf, ohne seine Augen und seine Nasenspitze von dem auto motor und sport-Opel Astra zu wenden. Die Fahrer standen beim Rennen am Rande der Strecke im erhöhten Kommandostand, aufgereiht wie Hühner auf der Stange und mussten von dort aus die 1.600 Quadratmeter Asphaltfläche überblicken. "Wenn man nur einen Augenblick nicht aufpasst, hängt man sofort an der Bande. Im echten Auto schaut man ja auch immer nach vorn," erklärte er weiter. Bis zu 40 km/h schnell sind die 46 Zentimeter langen Autos im Maßstab 1:10. Für eine Runde des 250 Meter langen Parcours brauchen sie keine 30 Sekunden, wenn sie nicht von der Ideallinie abweichen.

Mit der Dunkelheit wird das Ganze noch etwas schwieriger. Zwar musste jedes Fahrzeug mit Leuchten ausgestattet sein, aber wirklich viel erkennt man auf der Strecke nicht, wie die Erfahrung eines Piloten beweist: "Nach einem Crash standen beide Fahrzeuge mit dem Heck zum Fahrerstand, so dass nur die roten Rücklichter zu erkennen waren. Dann fuhr der eine weiter und erst zwei Kurven später merkte ich, das unser Auto noch immer an der Bande klebte und ich dem falschen nachschaute."

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