Kurz-Trip im Porsche 911 Turbo

Auf den Routen der Paul Pietsch Classic

Kaiserstuhl, René Olma, Paul-Peter Pietsch Foto: Dino Eisele 11 Bilder

Arbeiten in Schwaben – leben in Baden. Motor-Presse-Gründer Paul Pietsch genoss seine Freizeit im Südwesten Deutschlands. Im Porsche 911 Turbo seines Vaters erkundet Peter-Paul Pietsch die Route der diesjährigen Paul Pietsch Classic.

"Mittlerweile gefällt mir sogar die Farbe ausgesprochen gut", sagt Peter-Paul Pietsch und blickt auf den goldfarbenen – offiziell: platin-diamantenen – Lack des Porsche 911 Turbo. "Der Testwagen in auto motor und sport hatte damals die gleiche Farbe, und so entschied sich mein Vater dafür, genau so einen zu kaufen." Paul Pietsch, Rennfahrer und Mitbegründer von auto motor und sport sowie der Motor Presse Stuttgart, nutzte den Turbo Baujahr 1976 seinerzeit sogar als Alltagsauto. "Im Winter mit schmalen 5.5-14- Zoll-Rädern. Das sah schon skurril aus", schmunzelt der 60-jährige Pietsch junior. Rund 85.000 Kilometer absolvierte sein Vater hinter dem Steuer des Porsche, der heute 107.000 km auf dem Tacho hat und seit den 80er-Jahren vom Sohn gehegt wird.

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Dieser spielte bei einer anstehenden Neulackierung des Porsche 911 Turbo kurz mit dem Gedanken, statt der Originalfarbe British Racing Green zu verwenden. Eine Idee, die er schnell verwarf: "Die Neulackierung an sich war schon schlimm genug, da wollte ich zumindest die originale Farbe erhalten." Allzu penibel geht er mit dem Porsche aber nicht um: "Ich möchte den Turbo aktiv fahren und nicht als Ausstellungsstück aufs Podest stellen oder Angst haben, ihn nachts vor dem Hotel zu parken." Deshalb verzichtet er bei der Übernachtung im "Hotel Ritter Durbach" auf den Tiefgaragenplatz für das gepflegte Erbstück.

Heute gilt es, die Strecke für die dritte Paul Pietsch Classic zu erkunden. Die Voraussetzungen könnten nicht besser sein: An diesem Morgen trübt fast kein Wölkchen den Himmel, und die Natur lockt mit frischem, sattem Grün.

Porsche 911 Turbo mit 260 PS starkem Sechszylinder

Das Ziel liegt in der südwestlichsten Ecke Deutschlands: Es ist der Kaiserstuhl, übrigens gleichzeitig die wärmste Region des Landes. Das und die fruchtbaren Lössböden machen die Gegend zu einem idealen Biotop für Reben. Und so wechseln sich kleine Waldgebiete und Weinberge ab, durchzogen von zahlreichen schmalen Straßen. Das verspricht doppelten Genuss.

Die Anreise zum Kaiserstuhl von Durbach aus kürzen wir allerdings ein wenig ab und fahren einige Kilometer über die A5 gen Süden. Der 38 Jahre alte Porsche 911 Turbo präsentiert sich von seiner kultivierten Seite. Der 260 PS starke Sechszylinder-Boxer verrichtet sein Werk akustisch zurückhaltend, demonstriert beim Beschleunigen aber eindrucksvoll seine Kraft. "Wichtig ist, immer eine gehörige Portion Respekt zu haben. Gerade bei Nässe liefert er oftmals genau dann so viel Leistung, wie man gerade nicht abrufen wollte", grinst Pietsch. Ab 4.000 Umdrehungen sorgt der Turbo für jene Extraportion Schub, die einst die Konkurrenz der Sportwagenhersteller, gerade in Italien, zur Verzweiflung trieb.

Doch Pietsch ist ein Routinier hinter dem Volant des Porsche 911 Turbo und verfügt über eine gehörige Portion Renn-Erfahrung: Er fuhr über viele Jahre erfolgreich Ferrari-Challenge, Porsche-GTP-Meisterschaft und von 2003 bis 2010 VLN sowie das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring.

Am Porsche 911 Turbo seines Vaters reizt ihn die Ursprünglichkeit. Bremse und Lenkung kommen ohne Servounterstützung aus, und beim zügigen Fahren muss man eben alle Sinne beisammenhalten. Gleichzeitig erlaubt er aber auch entspanntes Reisen.

Vorbei am Europa-Park Rust mit seinen spektakulären Achterbahnen geht es mit Peter-Paul Pietsch und dem Porsche 911 Turbo nun hinein in die Weinberge des Kaiserstuhls. Ganz wie einst mit seinem Vater. Der trennte noch strikt zwischen Beruf und Privatleben: "Arbeiten in Schwaben, leben in Baden", lautete seine Devise. Die Woche über lebte Paul Pietsch in Stuttgart ganz für den Verlag, am Wochenende in seinem Haus in Titisee-Neustadt war er ganz für seine Familie da. Fahrten ins Blaue gehörten da mit zum Programm – gerne auch in den Kaiserstuhl.

Mit dem Porsche 911 Turbo durch Baden

Die Route führt durch idyllische Orte wie Burkheim mit mittelalterlichen Fachwerkhäuschen, reichlich Blumenschmuck und einladenden Cafés. Hinter Breisach erklimmt der Porsche 911 Turbo den 385 Meter hohen Texaspass, der zumindest für die tapfer strampelnden Radsportler eine echte Herausforderung zu sein scheint. Woher er seinen Namen hat, ist umstritten: Die einen mutmaßen, dieser entstamme dem Alemannischen und heiße so viel wie "auf dem Eck" – eine Anspielung auf die zahlreichen Kehren?

Andere behaupten, der Texaspass habe seinen Namen, da hier ein gewisser Lance Armstrong auf einer Trainingsrunde Parallelen zum US-Staat gezogen habe. Wie auch immer. Die Kurven der kleinen Passstraße heben die Laune an Bord des Porsche 911 Turbo. Dass es gleich eine weitere Spezialität der Region zu genießen gibt, sorgt zusätzlich für gute Stimmung an Bord. Pietsch parkt den Elfer in Vogtsburg-Oberbergen. Hier hat die Weinkellerei Franz Keller ihren Stammsitz und betreibt zwei Restaurants: den mit einem Stern ausgezeichneten "Schwarzen Adler" und unser Ziel, das "Winzerhaus Rebstock". Auch wenn sich eine ausgiebige Weinverkostung angesichts des Transportmittels verbietet, so bleibt immerhin der Spargel.

Ein Abstecher zum Neubau des Weinguts ist danach aber dennoch Pflicht. Die Auswahl ist beeindruckend. Heute regt sich auch kein Nachbar mehr darüber auf, dass es bei Franz Keller Bordeaux-Weine gibt. Einst machte ihn dieses Angebot zu einem Rebellen im Kaiserstuhl. Doch manchmal zahlt es sich eben aus, einer Vision trotz Widerständen zu folgen. Sonst hätte Paul Pietsch 1946 kaum ein Automagazin gegründet – und womöglich auch keinen Porsche 911 Turbo gekauft.

Reise-Tipps Schwarzwald

Mercure: In der Nähe der Messe liegt das "Mercure Offenburg". Das Business-Hotel verfügt über einen Wellness-Bereich sowie ein Panorama- Schwimmbad in der fünften Etage. Das angeschlossene Restaurant "Hofkammer" serviert Spezialitäten der Region. (www.mercure.com)

Hotel Sonne Offenburg: Im historischen Zentrum von Offenburg befindet sich das "Hotel Sonne". Mit einer 700 Jahre alten Geschichte übrigens eines der ältesten Gasthäuser Deutschlands. Im Restaurant kann man stilvoll tafeln. (www.hotel-sonne-offenburg.de)

Schöllmanns: Schon allein die Lage über den Dächern von Offenburg ist einzigartig. Vom "Schöllmanns" aus blickt man weit ins Umland. Bekannt ist die Bar aber nicht nur wegen der Dachterrasse, sondern auch für ihre Cocktails. Zudem serviert die Küche leckere Speisen. (www.schoellmanns.de)

Rebstock Durbach: Eine Herberge mit eigener Brennerei und Backhaus: Das "Hotel Rebstock" in Durbach wartet mit ungewöhnlichen Details auf. Außerdem gibt es eine ausgezeichnete Küche, Wellness-Angebote und einen eigenen Park. (www.rebstock-durbach.de)

Hotel Ritter Durbach: Im "Hotel Ritter Durbach" sind Oldtimer-Fans besonders gut aufgehoben: Chef und Auto-Fan Dominic Müller hat sogar eine Werkstatt im Haus. Weitere Highlights: der 600 Quadratmeter große Spa-Bereich und das Gourmet-Restaurant "Wilder Ritter". (www.ritter-durbach.de)

Europa-Park: Direkt an der Strecke befindet sich mit dem Europa-Park Rust der größte Vergnügungspark im deutschsprachigen Raum. Ein Highlight ist die "Silverstar", eine der höchsten und schnellsten Achterbahnen der Welt. (www.europapark.de)

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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