Mobilitätsunterricht für Jugendliche

Die Autostadt vermittelt

Mobilitätsunterricht für Jugendliche, Autostadt Wolfsburg Foto: Autostadt Wolfsburg 10 Bilder

In der Autostadt in Wolfsburg arbeiten sage und schreibe 70 Mobilitäts-Pädagogen. Warum? Weil sie dem Nachwuchs die diesbezüglichen Erfordernisse der Zukunft nahebringen wollen.

Curriculum Mobilität. Wow, das klingt wie nach einer altehrwürdigen Universität im 19. Jahrhundert. Zugegeben, es hört sich etwas altmodisch an.

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Doch Fehlanzeige. Curriculum Mobilität ist tatsächlich ein modernes Lehrplanwerk, 2002 in Niedersachsen begonnen. In der Theorie mittlerweile über 1.000 Seiten stark, umgesetzt vom Kultusministerium in Kooperation mit – und jetzt halten Sie sich fest – der Autostadt in Wolfsburg. Dort, wo viele glauben, es drehe sich 24 Stunden am Tag alles nur um den Golf, geht es in Wirklichkeit um ganzheitliche Bildungsansätze.

Oder hätten Sie gewusst, dass der Anbau einer Banane 15 Kanister Wasser verschlingt? Und dass wir Millionen Tonnen an CO2 einsparen könnten, wenn wir weniger heizen und uns alle auf saisonale Lebensmittel konzentrieren würden? In der Autostadt erfahren Sie es.

Spielerisch lernen im Level Green

Mobilität ist eine komplexe Angelegenheit, das merkt man schnell im Gespräch mit den Jugendlichen dort: "Mobilität heißt für mich, online zu sein", erklärt Schülerin Renee Wagner (14). Auch eine Sicht der Dinge. Und ihre Freundin Svenja Stender (15) sieht den großen Trend zum Carsharing komplett entspannt: "Das macht mein Vater schon lange. Er nimmt jeden Tag Kollegen mit zur Arbeit. Das ist doch auch Carsharing, oder?" Klar, da hat sie recht.

Vom Google-Auto haben die beiden noch nichts gehört, sie wissen aber, dass zumindest ihren Müttern saisonale Produkte wichtig sind. Mit dem Begriff Fahrspaß können sie gar nichts anfangen. Dafür finden sie es "voll krass", wie sie ihren CO2-Fußabdruck verkleinern können, ohne dass es sie viel kostet – im sogenannten Level Green der Autostadt gibt es viele Exponate, mit deren Hilfe die Besucher spielerisch lernen, wie sie Umweltschutz unterstützen können.

Saisonal denken

In den Restaurants der Autostadt finden sich deshalb auch nur Lebensmittel, die nach den Prinzipien des Fair Trade gehandelt werden und zur jeweiligen Saison passen. Wenn Mini-Mobilitäts-Experten Pizza backen wollen, dann können sie einer Tafel entnehmen, was beispielsweise im November, Dezember oder Januar ein typischer Belag sein könnte. Kürbissuppe steht im Winter übrigens ganz oben auf der Speisekarte, und Kinder lernen mit ihren Eltern, dass die Erdbeere alles andere als ein passendes Wintergemüse ist.

Einige Räume weiter befindet sich die Werkstatt – in diesem Falle voll mit Erwachsenen aus Asien: "Das sind Berufsschullehrer, denen wir hier unsere Unterrichtsmethoden vorstellen", erklärt Michael Pries, der als Leiter Inszenierte Bildung in der Autostadt auch Autor vieler Bücher über Bildungskonzepte für Mobilität ist. Schülerin Renee hat hier bereits einen Mofakurs absolviert: Dabei geht es darum, nicht fahrfähige Modelle wieder fit zu machen, inklusive Sandstrahlen und Schweißen.

"Wir fassen den Begriff der Mobilität hier weiter als die klassischen Automobilunternehmen", erklärt Otto Ferdinand Wachs als Sprecher Geschäftsführung der Autostadt. VW-Schriftzüge sucht man hier so auch vergeblich. Darum geht es nicht. "Wir beschäftigen uns beispielsweise intensiv mit den Klimawechselwirkungen", erklärt Wachs, der in "Sharing and Belonging" ein Phänomen sieht, "das wir ernst nehmen sollten".

16.000 Liter Wasser für 1 kg Rindfleisch

Level Green, die Ausstellung zu nachhaltiger Mobilität, spannt sich in der Autostadt über rund 1.000 Quadratmeter mit 26 Exponaten, die netzartig zum "Erlebnisraum Nachhaltigkeit" zusammengefügt worden sind. Entworfen wurde das Ganze von Architekt Jürgen Mayer H., der in der Folge 2010 bei Audi mit seinen Visionen für städtische Mobilität den Audi Urban Future Award gewonnen hat. Den Besuchern wird dabei vor Augen geführt, wie sehr sie allein durch ihren persönlichen Lebensstil den Umweltschutz beeinflussen können: Für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch werden rund 16.000 Liter Wasser benötigt – warum also nicht lieber öfter zu Gemüse greifen?

Dem Nachwuchs Mobilität der Zukunft zu vermitteln, ist auch Marken wie Mercedes und BMW ein Anliegen, wobei sie vollkommen andere Wege gehen (siehe unten). Die Autostadt unterstützt viele Partnerschulen dabei, neue Mobilitätskonzepte zu verfolgen, bis hin zur Erarbeitung von Prospekten, denen Menschen mit Handicap entnehmen können, in welchen Läden sie barrierefrei shoppen können. Und was Otto Ferdinand Wachs dem Mobilitäts-Nachwuchs noch mitgeben möchte? "Sie sollten wissen, dass Majoran nicht aus der Tube kommt." Wisst Ihr alle? Klar, oder ;-).

GENIUS ist die junge Wissens-Community von Daimler

Mit Lernspielen, Infoseiten und Wissensartikeln sollen Kinder frühzeitig Mobilität entdecken.

Seit 2010 bündelt Daimler sein Bildungs-Engagement in Kooperation mit dem Kultusministerium Baden-Württemberg und der Klett Gruppe in der Wissens-Community Genius. Kinder sollen frühzeitig für Technik, Umwelt und Mobilität der Zukunft begeistert werden, den Lehrern werden dafür entsprechende Arbeitsblätter zur Verfügung gestellt. Und Daimler-Boss Dieter Zetsche lässt es sich nicht nehmen, den Nachwuchs selbst zu fördern. Weitere Infos unter www.genius-community.com.

JUNIOR PROGRAMM BMW bietet verschiedene Mobilitäts-Touren

Spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche in der BMW Welt in München

In der BMW Welt gibt es den Junior Campus, wo sich der Nachwuchs verschiedener Altersstufen zum Thema Mobilität bilden kann: "Alles bewegt sich", nennt sich ein Workshop für Vorschulkinder, "Anfassen erlaubt" und "TÜVtler-Geist gefragt" weitere Workshops. "Mobilität gestalten" und "Was bedeutet Nachhaltigkeit?" wenden sich an Jugendliche, die sich dabei unter anderem über Fahrzeugkonzepte für die Zukunft Gedanken machen. Infos unter www.bmw-welt.com.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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