Nachrüstung Einparkhilfe

Kostet 500 Euro und viel Motivation

VW Sharan, Einparken Foto: Dino Eisele 13 Bilder

Einparkhilfen stehen heutzutage auf jeder Ausstattungsliste beim Neuwagenkauf. Wer seinen Gebrauchten nachrüsten möchte, muss zu Anbauteilen greifen. Doch wie schwierig ist der Einbau?

Beim Einparken mit einem modernen Fahrzeug hat man es oft nicht leicht. Früher konnte man das Ende der Motorhaube gut überschauen - und auch nach hinten gab es meist reichlich Panorama. Diese Übersichtlichkeit ist in den vergangenen 20 Jahren dem Unfallschutz und Design geopfert worden.

Besonders bei SUV oder Großraum-Vans wie unserem Redaktions-Sharan ist man oft auf Gefühl beim Rangieren in Lücken angewiesen. Hat man das nicht, kann es teuer werden. Viele Neuwagenkäufer machen also gleich ein Häkchen bei "Einparkhilfe" auf der Ausstattungsliste. Weil der Vorbesitzer unseres VW das versäumt hat, trägt der Wagen die Narben seiner schlechten Übersichtlichkeit.

Ein Tag wird für Selbsteinbau angepeilt

Wir beschließen, dass eine Einparkhilfe her muss, und bestellen bei Waeco mobile solutions das Modell "Magic-Watch". Zukünftig sollen unserem treuen Begleiter weitere Macken und uns peinliche Langzeit-Parkversuche erspart bleiben. Weil die kleine Hilfe nicht sicherheitsrelevant ist, versuchen wir uns selbst am Einbau. Viel schiefgehen kann ja nicht. Zudem verspricht der Hersteller auf seiner Internetseite (www.waeco.com): "MagicWatch Einparkhilfen beweisen, wie unkompliziert hochmoderne Technik montiert werden kann. Alle Komponenten sind steckfertig vorbereitet, zwei Adern zur Spannungsversorgung bilden die einzige Verbindung zur Fahrzeugelektrik."

Dass es einen knappen Tag dauern könnte, bis der magische Blick funktioniert, war im Vorhinein klar. Einparkhilfen gibt es übrigens schon seit den sechziger Jahren. Nicht wie heute entweder über Radar oder Ultraschall, sondern in Form von Stäben. Diese wurden bei großen Autos wie der Mercedes S-Klasse oder vielen US-Modellen unterhalb der Kotflügel montiert. Wenn es am Bordstein kratzte, hörte der Fahrer, dass er nicht mehr viel Platz hatte. Heute piept und blinkt es - teilweise werden Hindernisse auch über das Touchscreen-Display angezeigt.

So viel Luxus brauchen wir nicht. Ein Piep-piep-piep als Warnsignal soll völlig ausreichen. Allerdings stellt sich die erste Hürde schon beim Markieren der Einbaupositionen. Für die Sensoren müssen Löcher in die Stoßstangen gebohrt werden - die beiden äußeren maximal 30 Millimeter von der Außenkante entfernt und in der Höhe zwischen 40 und 60 Zentimeter platziert. Alleine für das Anzeichnen und Ausmessen mit einem Zollstock benötigt man eine zweite Person, die mit Kollege Conny schnell gefunden ist.

Stoßstange muss für Montage entfernt werden

Danach geht es ans Bohren. Glücklicherweise gehört das passende Spezialwerkzeug zum Lieferumfang. Jetzt braucht man nur noch einen Akku-Schrauber oder eine Bohrmaschine, um dieses einzuspannen. Schnell stellen wir fest, dass die Stoßstange zur Montage der Sensoren für die Abstandsmessung demontiert werden muss. Darauf hatten wir uns nicht eingestellt, sind vorerst mit der Organisation von Torx- und Inbus-Werkzeug beschäftigt, bevor es weitergehen kann.

Ärgerlicherweise passen zwar die Sensoren durch die Löcher, die Montagehalter aber nicht. Wieder müssen wir Werkzeug organisieren, wieder rennt uns die Zeit davon. Bis die kleinen Helfer verbaut sind, vergehen drei Stunden. Zweifel kommen auf: Schaffen wir den Einbau am heutigen Tage noch?

Nach den Außenarbeiten geht es innen weiter. Die DIN A3 große, auf zwei Seiten bedruckte Einbauanleitung gibt vor, dass ein schwarzes Steuergerät-Kästchen im hinteren und eines im vorderen Bereich des Autos verbaut werden muss. Wir beginnen am Heck. Die Strippen mit vier Kabeln für die Sensoren, eines für den Masseanschluss und eines für das Kabel zum Rückfahrscheinwerfer, müssen nun einen Platz finden. Ordentlich klebe ich die kleine Kiste im unsichtbaren Bereich fest. Dummerweise stellt sich anschließend heraus, dass das Sensoren-Kabel für den hinteren linken Fühler viel zu kurz ist.

Hohe Motivationseinbuße bei Kabelverlegung

Wir müssen die Stromversorgung ummontieren und mit einer unschönen Verlegung der Stromstrippen leben. Damit man beim Öffnen der Türen und der Heckklappe nichts vom Kabelgewirr sieht, wird die hintere Seitenverkleidung gelöst, um das Datenkabel, das vom hinteren zum vorderen Kästchen führt, zu verstecken. Wir verlegen den braun-grünen Strang unter dem Teppichboden und erreichen unser Ziel: den Sicherungskasten. Von dort aus planen wir die restliche Montage.

Dabei bleibt es auch, denn die Stecker müssen teilweise selbst belegt werden. Eine Einbauanleitung für die Steckerpositionen liegt dem Paket leider nicht bei, dafür eine sehr einfach gehaltene Übersicht der Anschlüsse, die am Tacho montiert werden müssen - oder am Radio. Aber wo nur? Demotiviert kleben wir den kleinen Lautsprecher unter das Armaturenbrett und ziehen das letzte Kabel zum Sicherungskasten.

Natürlich könnte man noch etliche Stunden mit Details verbringen, doch die Lust ist uns vergangen. Nach sechs Stunden Mühe brummt der Magen. Conny winkt mich in eine Parklücke vor der Imbissbude. Wir rufen in der Werkstatt an: "Die Hälfte haben wir schon geschafft", geben wir zu, als wir einen Termin ausmachen und diesen Selbstversuch als misslungen erklären. Fazit: Zu den 499 Euro Anschaffungspreis kommen nun noch Einbaukosten.

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