Mini Panamericana 2018

Im Hybrid-Mini von Texas bis Panama

MINI, Cooper S E Countryman, MINI Panamericana 2018 Foto: Dario Manns 30 Bilder

Die legendäre Panamericana abzufahren, zählt zu jener Sorte Abenteuer, das man live erleben sollte, wenn sich die Chance bietet. Wir haben sie genutzt, zumindest von Texas bis nach Feuerland, in einem Mini Cooper SE Countryman.

Wie zum Teufel kommt jemand heutzutage noch auf die Idee, die Panamericana, also den Pan-American Highway runterzubrettern? Jedenfalls von Texas bis nach Feuerland (eigentlich beginnt das Ding in Alaska und zieht sich 48.000 Kilometer weit). Wo doch irgendwie jede Straße gefahren, jede Story erzählt, jedes Abenteuer erlebt und samt Fotostory bei Insta oder sonstwo gepostet wurde? Nun, weil man noch so viel posten und im Netz sozialisieren kann, doch an das richtige Leben kommt nur das richtige Leben ran. Riechen, hören, fühlen, schmecken halt. Und in das haben wir uns reingestürzt. Mini Panamericana 2018. Der komplette Trip reicht von Dallas/Texas bis Ushuaia/Feuerland, doch wir fragten nicht lange, stiegen in Guatemala in einen der drei Mini Cooper SE Countryman und in Panama (vorläufig) wieder aus. Doch lesen sie selbst!

Da kannst du noch so abgebrüht und aufgeklärt, kosmopolit und digital sein – wenn sich die Sonne abends in den Dschungel zurückzieht und die seltsamen Laute aus den Bäumen drängender werden – dann geht dir einfach die Düse. Weniger wegen der metallisch zirpenden oder vernehmlich schreienden Vögel. Nein es ist dieses, ja was eigentlich? Schaben, rasselndes Atmen, Strömungsgeräusche etwas intensiv Luftholenden, Fauchenden. Wenn es nicht in vermuteten zehn Meter Höhe in den Bäumen hing, könnte es ein V8-LKW-Diesel mit Riesenturbo sein. Und offenem Auspuff. Es röhrt jedenfalls in regelmäßigen Abständen, baut Druck auf und lässt ihn seufzend wieder ab. Da ist man froh, wenn zwischendurch das Zikadenorchester für etwas Normalität sorgt. Zumal am anderen Ende des kleinen Sees vor unseren Augen ein Echo rüberkommt. Genauso schaurig.

MINI, Cooper S E Countryman, MINI Panamericana 2018 Foto: Dario Manns
Hier staubt’s: In Guatemala sind nicht alle Pisten premium.

Baden verboten? Aber hallo!

Schaurig wie der kleine See der hier friedlich im Dschungel herumliegt. Bis zu zehn Fuß lang sollen die Krokodile darin sein, wie ein Schild warnt. Ja, ne is klar. Sechs Meter, deine Mudder. Bis irgendwann tatsächlich was langes Welle macht und sich sich mit weit aufgerissenem langzahnigen Maul ein paar Äpfel schnappt, die auf dem Wasser dümpeln. Nichts mit Baden also.

Schade, bei 34 Grad wäre etwas Abkühlung nett. Andererseits, um bei 34 Grad zu schwitzen, muss man 2018 nicht nach Mittelamerika reisen. Die gibt es auch an der Ostsee, der Leine oder am Aasee. Nicht aber die Panamericana, jene Verbindung von Alaska nach Feuerland, die so richtig erst an der mexikanischen Grenze beginnt. Weiter geht es durch Mexico und Guatemala.

Mini? Nö, Maxi. Und mit Hybrid!

Hier klinken wir uns ein in den Mini-Express mit drei Cooper S E Countryman All4. Also die großen Mini mit Dreizylinder-Hybrid und Allradantrieb. Ein bisschen Platz muss sein, schließlich tragen die Countryman das Gepäck des Mini-Personals ebenso wie das ihrer Gäste. In jedem Auto drei Menschen plus Gerödel. Kein Wunder, dass Hartschalenkoffer tabu sind. Weiche Taschen lassen sich platzsparender quetschen. Die Autos selbst bleiben ohne besondere technische Modifikationen. Zusatzscheinwerfer und ein Dachträger für die Ersatzkanister, das war es eigentlich schon. Ersatzkanister? Nun, in manchen Gegenden Mittel- uns Südamerikas lauert halt nicht an jder Ecke eine Aral, Shell oder Jet. Und fragen sie mal den Mann mit dem Begleit-VW-Bus. TDI. Er muss reichlich Adblue mitschleppen, denn das kennt hier unten wirklich niemand. Und der Tross soll ja bis Ushuaia rollen, also quasi ans Ende der Welt.

MINI, Cooper S E Countryman, MINI Panamericana 2018 Foto: Dario Manns
Angesichts des teils losen Tankstellennetzes sollte man jede Gelegenheit zum Refill nutzen. Und Ersatzkanister auf dem Dach mitnehmen.

Lebendige Geschichte: Tikal/Guatemala

Vorher geht’s aber erstmal vorbei an den Ruinen von Tikal, wo einst die Maya das zeitliche Ende der Welt prognostizierten. Zu Unrecht wie wir heute wissen. Und wir uns die gewonnene Lebenszeit mit einem kurzen Rundgang bei kuschligen 38 Grad versüßen. Ganz oben auf Nummer vier, der höchsten Pyramide am Platz stehend und schweigend über die endlose grüne Baumfläche gucken. Das ist magisch. Ganz gleich ob man über die versunkene Hochkultur oder das Risiko einer Wiederholung grübelt. Dieser Platz ist Meditation. Konzentration auf die Schweißrinnsale, die zu Boden rollern. So oder so: Nach ein paar Minuten hält das Gedankenkarussel. Toll.

Immer in Bewegung bleiben: Honduras

Am nächsten Tag dreht es sich umso schneller. Wir müssen durch Honduras. Gefährlichstes Land der Welt. Heißt es. Messgröße ist die Mordrate. Hat in Deutschland nur jeder 0,6te von 100.000 das Risiko gemeuchelt zu werden, sind es in Honduras über 84. Also nageln wir die ersten 40 Kilometer zügig durch. Klare Ansage. Fenster rauf, nicht anhalten, nicht pinkeln, nicht knipsen. Sollte jemand die Straße blockieren, U-Turn und mit Vollgas zurück. Immer in Bewegung bleiben, kein Ziel sein. Auch wenn sie jetzt beim gemütlichen Lesen vielleicht schmunzeln, in dem Moment prickelt es schon ein wenig. Was auch am Kaffee liegen mag, der so lange in der Blase bleiben muss, bis es einfach nicht mehr geht und ein Zwangsstopp her muss.

Aber schön ist es hier trotzdem. Links das Karibische Meer, rechts dichtes Grün durchzogen von kleinen Siedlungen. Es ist wie so oft, Du liest die wildesten Sachen über einen Ort und wenn du dort bist, sieht es ganz normal aus. Plantagen säumen den. Bananen und Palmen wechseln sich ab. Hier kommen sie her, die Chiquitas und das Palmöl. Wir sausen gen Süden in Richtung der Hauptstadt Tecucigalpa. 550 Kilometer noch. Es wirkt nicht ganz so grün und lieblich wie Guatemala, dafür gibt es eine vierspurige Autobahn. Maut am Start: 30 Cent. Links und rechts dicht besiedelt. Händler, Werkstätten, Schrott-, Holz- und Früchteverkäufer.

Es wird hügelig. Erschien Guatemala teils dicht und oft regelrecht dschungelig, wirkt Honduras offener. Wir haben Spaß auf den gut ausgebauten Pisten. Berg- und Talbahnen ohne hartes Tempolimit dafür mit überschaubarer Verkehrsdichte und verführerischen Kurvenradien. Nordschleifen-Feeling. Dem Mini gefällt es, endlich muss er nicht stundenlang an Grenzen warten oder hinter langsamen LKW herkriechen, sondern kann mal aus sich raus kommen, Verbenner und E-Maschine parallel rannehmen. Okay, in schnellen Kurven merkt man den Dachgepäckträger mit seiner Spritladung. Aber sonst – hui. Saubere Linien fahren und wenig bremsen. Yes! Die paar langsamen Pickups nehmen wir als anspornende Hindernisse.

MINI, Cooper S E Countryman, MINI Panamericana 2018 Foto: Dario Manns
Eine der seltenen Pausen. In der Regel fuhren wie zehn bis 12 Stunden pro Tag. Auch wegen der zähen Grenzkontrollen.

So geht es bis Choluteca. Die stundenlange Grenzkontrolle bei der Einreise heute morgen zerstörte den Plan, hier noch im Hellen anzukommen. Ergo: es ist stockdunkel und etwas dubios als sich das Tor zum Hotelparkplatz hinter uns schließt. Doch Hauptsache angekommen. Schnell ins Bett, morgen geht es um sechs los.

Echt grenzwertig, die Grenzerfahrungen. Hier: Honduras-Nicaragua

Erstes Zwischenziel wird die Grenze in Guasaule. Das bedeutet – Überraschung! – Warten an der Ausreise aus Honduras und Warten auf die Einreise nach Nicaragua. Damit uns nicht langweilig wird, brauchen die beiden mitreisenden russischen Journalisten plötzlich doch ein Visum. Oder etwas Geld im Reisepass. Und sonst so? Nun, vibrierendes Gewusel aus röhrenden Sattelschleppern, Bussen, Menschen aller Art, dem schweren Grenzparfüm in der Luft, jenem Mix aus dem Rauch feucht qualmenden Holzes, Grilldunst, Dieselruß, Schweiß.

Na, schon Fernweh? Es hupt, es brummt, es ruft, es pfeift. Fliegende Händlerinnen, Blechbutzen, Matschwege. Überall helfende Hände, die dem Grenzübertritt etwas Schmiere verpassen möchten. Irgendwie ist es hier an jeder Grenze das gleiche und doch immer wieder anders. Zum Beispiel unterscheiden sich die Rassen der unvermeidlichen Grenzhunde. Meist liegen sie träge herum, scharwenzeln nur gelegentlich zwischen die Reisenden umher. Diesmal haben wir viel Zeit, das Schauspiel wirken zu lassen. Die Grenzer möchten hier noch eine Extra-Kopie und da noch eine unerwartete Bescheinigung.

Geduld, Schmiergeld, Kreativität und fünf Stunden Geduld. Und hupps, schon bist Du durch

Man hörte ja schon von mobilen Fälscherwerkstätten zum geschmeidigen Grenzübertritt, komplett mit Stempelbaukasten, Scanner und Drucker, um auf die ständig wechselnden Schikanen zu reagieren. Lohnen würde es sich, denn an manchen Grenzen geht ohne vierstelliges Schmiermittel nichts mehr. Oder du reihst dich wieder ganz hinten in die LKW-Schlange ein. Ungefähr bei Kilometer vier, um zwei Tage später wieder an der Kontrolle zu stehen. Erstmal durchleuchten sie aber das Gepäck und gefallen sich darin, in den Kameras entweder konspirative Putschwerkzeuge oder kommerzielle Zollumgeher zu sehen.

Um ganz sicherzugehen, gibt man uns einen Aufpasser bis zur Ausreise nach Costa Rica mit. Mit ihm an Bord entdecken wir Nicaragua, wo Herr Ortega gerade ein kleines Problem mit seinem Volk hat. Immerhin: wenn er abends mit seiner Frau bei einer Portion Gallo Pinto (Reis mit Bohnen) sitzt, muss er ihr nicht viel von seinem Arbeitstag erzählen – sie ist die Vizepräsidentin, dürfte also bestens Bescheid wissen. Sei’s drum: zäher Start, aber schönes Land. Etwas trockener als bisher, weniger grün, dafür Ebenen mit geduckten Bäumen und Vulkanbergen im Hintergrund.

Nicaragua-Costa Rica: wäre es einfach, dann könnte es ja jeder...

Vorbei an Leon und Managua erreichen wir die Grenze Nicaragua – Costa Rica: es ist halb neun, um zehn machen sie dicht. Jeder will Geld. Die Gepäck-Röntgenfrau, der Grenzhelfer, die Versicherungsmaklerin ( obwohl wir eine gültige deutsche Versicherung haben), jeder weitere eingetragene Fahrer 550 $. Klogang ein $ – bevor wir kamen. Jetzt: fünf. Und für alle: acht $ Ausreisesteuer. Mal sind wir Studenten, mal Touristen, mal ist unser Ziel Costa Rica, mal Panama. Immer so, wie es an der nächsten Hürde Erfolg verspricht. Sie wissen: es ist dunkel und wir müssen weiter. So holen sie ganz locker ein paar Monatslöhne aus uns raus.

MINI, Cooper S E Countryman, MINI Panamericana 2018 Foto: Dario Manns
Das Team bei einem kurzen Stopp in Costa Rica.

Zollunion? Eigentlich schon, aber... Korruption lebt. So wie die räudigen Hunde, die grinsenden Typen mit Uniform und ohne. Plötzliche Gebühren, Verbote und strenge Regeln. Dass sie bei der ganzen Kontrolliererei die echten Verstecke gar nicht finden – geschenkt. Und eigentlich ist es schade, denn Honduras, Nicaragua und Costa Rica sind reizvolle Länder. Vor allem Costa Rica. Karibisches Feeling zwischen grünen Hügeln und grünblauem Meer. Wir sausen Richtung Liberia auf zunächst vierspurigen Betonplattenautobahnen mit wenig Verkehr, dann über Landstraßen durch intensiv grüne, bewaldete Flächen.

Stets im Hintergrund: die Vulkane. Und immer öfter im Vordergrund: Farmen mit akkuraten weißen Zäunen. Weniger schrammelig als in den Ländern zuvor. Große Traktoren statt Handarbeit. Die Panamericana streift den Pazifik, was die Luft mild und salzig macht. Noch 76 Kilometer bis San José. Küste, Wellen, Urlaubsatmosphäre auf palmengesäumten Straßen. Palmölplantagen, nun ja. Irgendwann, so gegen zehn Uhr abends erreichen wir die Grenze zu Panama. Helfer, Hunde, Schikanen.

Nach zwei Stunden sind wir durch, müde und hungrig, nach einem systemgastronomischen Burgermahl plus Kaffee-Doppelpack jedoch gestärkt genug für den Abschlussstint nach Panama City. 540 Kilometer Dunkelheit. Immerhin auf ganz ordentlichen Straßen, teils mit reflektierenden Markierungen auf dem Asphalt, was das Anpeilen der Linie im Regen erleichtert. Erleichtert, das sind wir spätestens um drei Uhr nachts, als die Motoren – vorerst – verstummen.

Übermorgen gehen die Autos aufs Schiff, von Panama nach Kolumbien gibt es keinen Landweg. Und dann geht es weiter, Richtung Feuerland. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte...

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