Porträt

Auf Wiedersehen im Jahr 2022

Foto: Reinhard Schmid 22 Bilder

Irgendwann ist es Zeit, seinen Lebenstraum zu verwirklichen. Lange genug hat Hans Belger gewartet. Jetzt, mit 62 Jahren, startet der Bautechniker mit seiner Lebensgefährtin Johanna Mauer zur Weltumrundung. Auf Wiedersehen im Jahr 2022.

Keine Frage. Der Mann ist ein Spinner. Und zwar einer aus der 1a-Kategorie. So einen, wie es braucht, um besonders ausgefallene Träume in die Realität hinüber zu transportieren. Oder was sonst als spinnert ist es, wenn einer mit 62 Jahren eine Weltreise startet, von der er im Jahr 2022 zurückkehren wird? Hans Belger ist so einer. Das graue Haar zum Pferdeschwanz gebunden, den Körper schon mal in Klamotten gesteckt wie er sich in den nächsten Jahren sieht und wovon er seit Jahrzehnten träumt: Cargohosen, in deren Taschen sich alle für das Überleben notwendigen Gerätschaften unterbringen lassen, wüstensandfarbenes Hemd, auf dem Kopf ein Hut Modell Großwildjäger.

Letzte Vorbereitungen vor der Abreise

Noch steht Belger aber nicht im Tibesti Gebirge im Tschad und nicht im westlichen Teil der Taklamakan Wüste in China was für Juli 2014 (der Tschad) respektive August 2021 (die Wüste) vorgesehen ist, sondern auf dem Windhof in Straubenhardt Conweiler, ein paar Kilometer von Pforzheim entfernt. Belgers Hände sind von den Spuren handwerklicher Arbeit gezeichnet. Seine Stimmung schwankt zwischen Euphorie und leichter Anspannung.

So ist das wohl, wenn man ein so gewaltiges Projekt wie eine auf 15 Jahre angelegte Reise seit sechs Jahren plant, seit zwei Jahren tiefer als bis nur hinter die Ellenbogen in der Umrüstung des Fahrzeugs steckt, das Belger und seine Lebensgefährtin Johanna Mauer um die Welt bringen soll. Bam-Bus haben sie den Chevrolet -Pickup M1010 CUCV getauft, der 1984 als Ambulanz-Fahrzeug bei der US-Armee seinen Dienst antrat und später dann zum Wohnmobil umgebastelt wurde.

Der Chevy steht wie ein exotisches Tier auf dem Hof 

Wie ein exotisches Tier ragt der Aufbau hinter Stapeln frisch gesägtem Holz auf, was daran liegt, dass über das mattlackrot des Chevy Zebramuster verläuft. In der Werkstatt nebenan wird ein massiver Dachträger geschweißt. Die letzte große Arbeit vor der Abreise, wie Belger hofft. Die bestehende Konstruktion hat sich bei den letzten Feldversuchen als untauglich herausgestellt: Durch Neigungen des 3,20 Meter hohen Buschmobils und den daraus resultierenden Druck auf den Dachträger, sind Schweißpunkte an der B-Säule leicht ausgerissen.

Für den gelernten Bautechniker und Statiker zu riskant. Also kommt der bestehende Aufbau runter und wird durch einen neuen ersetzt, der ohne direkte Verankerung an die Karosserie auskommt. Ob ihn so etwas fuchst, wenn auf dem letzten Meter noch Änderungen notwendig werden. Belger zuckt die Achseln und lächelt: "Besser jetzt als später auf der Tour."

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