Renaissance der englischen Marken

Alles andere als Durchschnitt

Lotus Elise Foto: Reinhard Schmid 27 Bilder

Jörn Thomas ist begeistert von dem Mix englischer Marken: Edel-Limo Jaguar XF, Mittelmotor-Hexer Lotus Elise oder SUV-Knaller Range Rover Evoque. Englische Marken sind bei den Emotionen Champions League.

Ich gebe es ja zu: Englische Autos waren für mich lange Zeit so verführerisch wie ein lauschiger Abend mit Camilla hinter klammen Schlossmauern vor einer Portion Plumpudding. Gut, die Geschmäcker sind verschieden, doch ich würde mich lieber an Pippa halten, die wohl gelungenste Prinzessinnenschwester auf Erden.

Gelungen - da sind wir direkt im Thema: die aktuellen britischen Autos, besser gesagt, die mit britischen Ahnen. Deren Motto lautete mal: Grace, pace and value for money. Zwischenzeitlich in einem virtuellen Verlies gefangengehalten, haben es Deutsche, Inder, Malayen und natürlich auch Briten befreit und umgesetzt. Mal ehrlich, interessiert Sie, wem eine Firma gehört, wenn das Produkt überzeugt?

Range Rover Evoque Fahrerlebnis 1:15 Min.

Heck-Knick des Porsche 911 nach Aston-Vorbild

Fakt ist: Nachdem Aston Martin, Jaguar und Land Rover über Jahre fast Ford zum Opfer fielen, zeigen sie jetzt dem Rest der Autowelt, wie man Image pflegt. Beweise gefällig? Selbst der neue Porsche 911 als deutscher Schäferhund unter den Sportwagen bekommt einen Heck-Knick nach Aston-Vorbild. Designer Marek Reichman wird sich eins feixen und weiter an der Evolution der grandiosen Grundform feilen.

Und während ein Mittelmotor-Flitzer bei VW in endlosen Entscheidungsstufen verendet, über Leichtbau lamentiert wird, haben die Lotus-Jungs aus Hethel mit Elise und Co. schon Tausende mit der unglaublichen Leichtigkeit des Seins infiziert. Anfangs fuhren die doch tatsächlich mit Aluminiumbremsscheiben herum, bereiteten trotz der – sagen wir mal – zurückhaltenden Rover-Motoren und Fetzenverdeck diebisches Vergnügen.

Durchschnitt ist nichts für britische Marken

Ach Gott Rover: Daran verhub sich erst Honda mit umgestrickten Accord und Co., danach BMW. Woran lag‘s? Keine Linie, kein Konzept, Durchschnitt eben. Und wenn die britischen Marken eines nicht vertragen, dann Durchschnitt. Wie Mini mit seiner Erfolgsgeschichte beweist. Daran ändern selbst die Horror-Storys von Oxford-Bandarbeitern nichts, die aus verletztem Nationalstolz Butterbrote und Bierflaschen in die Mini-Karosserien einarbeiteten, absichtlich schlechte Qualität ablieferten. Das ist vorbei, der Mini rockt. Weil er anders ist, ein Typ, einer mit Variationen – selbst der pummelige Countryman brummt.

Und der nächste Brit-Popper scharrt schon mit den Reifen. Der Range Rover Evoque, der heißeste UK-Export seit Pippa. Vermutlich wird der VW Tiguan den besseren Normsitzraum, das feinere Handling und Preis-Leistungs-Verhältnis mitbringen. Aber der Range hat etwas Unbezahlbares: Haben-wollen-Drang. Herzklopfen. Stil. Gekonnt heruntergebrochen von der Stil-Ikone Range Rover, die einst das Segment der Edel-Geländewagen begründete.

Jaguar ist wieder vorne mit dabei

Überhaupt finden sich hier einige Segmentgründer: Mini, Lotus, Land Rover. Deren nunmehr als Defender firmierender Alu-Kraxler ist schon seit 63 Jahren im Einsatz – ohne allzu charakterschwächende Eingriffe. Womit wir bei Jaguar wären. Zeitweise auf dem Retro-Totenbett festgetackert, ist die Marke inzwischen wieder vorn dabei. Trockene Triebe wie den Mondeo-Klon X-Type abgeschnitten, den Rest gehegt, teils neu erfunden. So kann sich der Jaguar XF technisch sogar gegen harte deutsche Konkurrenz behaupten – optisch sowieso.

Selbst einen Vierzylinder-Diesel nimmt man ihm gern ab. Und ein lasziv gestreckt schwarz glänzender XK als Visitenkarte zieht perfekt. Lass doch die anderen mit schlüssigeren Infotainment-Menüs oder feinerem Handling auftrumpfen – wenn der 5.000-Kubik-V8 den Horizont schnupft, fragt keiner mehr danach. Ist es nicht schön, dass die Zeiten des Britisch Elend vorbei sind?

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