Schrecklich schöne Autos auf dem Autosalon Paris

Autos, die im Schatten stehen

10/2014 Autosalon Paris Ugly Cars Foto: Jochen Knecht 37 Bilder

Was gibt es eigentlich links und rechts der Milliarden-Umsätze, der blankgeputzen Weltpremieren und der perfekt proportionierten Messe-Girls zu sehen? Ein Besuch in den dunklen Ecken des Pariser Autosalons.

Der Weg in die automobile Zwischenwelt in Paris ist er nicht weit. Hinter Honda in Halle zwei scharf rechts, schon ist nichts mehr übrig von der großen Messebau-Kunst. Was hier an Präsentationsfläche hergerichtet wurde, erinnert eher an einen gut gepflegten Campingplatz. Schummriger Halbschatten statt farboptimierter LED-Scheinwerfer, handgeschnitzte Multimediainstallationen, gestapelte Pappkartons und Messestände in ihrem zweiten, dritten oder vierten Frühling. Das kann man jetzt trostlos finden. Oder unterhaltsam. Weil: dazwischen stehen jede Menge … Kraftfahrzeuge. Autos zielt zu kurz. Denn im Schatten des großen Mondial de l’Automobile steht alles. Von der Elektro-Bastelbude bis zum handgefertigten Roadster mit Design-Defekt.

Kleinstwagen als Schattenwesen

Gar nicht mal so ein Nischendasein führen zum Beispiel die Leicht-Kfz von Aixam, Microcar oder Ligier. Zumindest in Frankreich. Da sind die Kleinst-Autos schlicht unter "sans permis" zusammengefasst und ziemlich begehrt. Mit dem passenden Zweirad-Führerschein dürfen die Dinger auf den Straßen der Grande Nation schon mit 16 bewegt werden, Kfz-Steuer entfällt, Versicherungskosten minimal. Die Fans der rappeligen Kisten nehmen dafür gerne die auf 45 km/h begrenzte Top-Speed, die sehr schlichte Kunststoff-Konstruktion und das echt gewöhnungsbedürftige Design in Kauf. Die Formgestalter von Aixam und Co. kopieren fleißig, was sich die echten Autobauer an Kleinwagendesign ausdenken. Liebling, ich habe den C1 geschrumpft. Schön ist das nicht.

Das gilt dann leider auch für die recht anspruchsvoll zusammenkonstruierten Roadster von PGO. Alles handgefertigt und sogar mit Vierzylinder-Motoren aus der BMW/Renault-Kooperation an Bord. Warum man vorher nicht einen Designer fragt, bevor man daraus ein Auto macht? Das wissen die PGO-Helden sicher selber nicht.

Tiefpunkt beim Gang durch die Schatten: Der Weez von Eon Motors. Nie gehört? Macht nichts, daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Ein grob verschweißter Gitterrohr-Rahmen, Radnabenmotoren (je 1 kW), zwei Sitzplätze und drumherum eine Hülle aus feinstem Parkbank-Plastik. Eine Auto, wie geschaffen für kurze Touren in der Nachbarschaft erklärt der Werbe-Aufsteller aus dem Tintenstrahldrucker. Die gute Nachricht: Noch fehlen schlappe 100.000 Euro, um die geniale Idee in Serie bauen zu können. Es gibt also berechtigten Grund zur Hoffnung, dem Weez nie auf der Straße begegnen zu müssen.

Noch mehr Akteure aus der automobilen Zwischenwelt gibt’s in der Bildergalerie.

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