Schweden im Porsche Cayenne

Feier und Eis

Foto: Hersteller 15 Bilder

Ob pittoreskes Eishotel, Hundeschlittenfahrt oder Schneefontänen auf zugefrorenen Seen: Schweden hat nördlich des Polarkreises mehr zu bieten als nur Eisenerzminen, eisige Kälte und lange Nächte.

Still, zart, fast meditativ kitzelt sie die Nase, pirscht um den Schlafsack herum, nestelt an der Unterlage aus Rentierfell. Doch Tierpelz, Synthetikfüllung und flauschige Microfleece-Unterwäsche lassen der minus fünf Grad kalten Luft keine Chance: Sie muss draußen bleiben, weiter durch das Zimmer des Icehotel im nordschwedischen Jukkasjärvi streichen.

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Reise in Nord-Schweden Mit dem Porsche Cayenne auf dem Eis
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200 Kilometer nördlich des Polarkreises

Alles im Fluss, so könnte das Motto der eiskalten Unterkunft lauten, denn erstens stammt ihr Baumaterial aus dem Torne-Fluss, und zweitens ist es ziemlich vergänglich. Ab Ende April schmelzen Eis und Schnee wieder dahin, versickern im Boden der Provinz Norrbottens Län. Hier oben, 200 Kilometer nördlich des Polarkreises, 15 Kilometer von der Eisenerz-Hochburg Kiruna entfernt, ist außer langen Sommertagen und langen Winternächten wenig los. Na ja, abgesehen von der ebenso lukrativen wie exzessiven Erzförderung, wegen der ein Großteil der 20.000-Einwohner-Stadt bis 2023 um vier Kilometer versetzt werden muss.

Veränderung hatte auch Yngve Bergqvist im Sinn. Statt im stockdunklen Polarwinter nur in die Einsamkeit zu stieren oder aufs Nordlicht zu warten, lud man vor 18 Jahren japanische Eiskünstler ein, Skulpturen aus erstarrtem Wasser zu meißeln. Als dann ein paar von ihnen, mit Rentierfellen und Schlafsäcken gerüstet, auch gleich in den Eiswürfelbutzen schliefen, war die Idee vom Eishotel geboren. Mittlerweile eine ziemlich erfolgreich – angesichts von 30.000 Tagesgästen und 26.000 Übernachtungen in den 91 Räumen.

50 Mann arbeiten fünf Wochen, bis das Hotel steht, erklärt Icehotel-Guide Christian. Erntezeit für das Eis ist im März, dann sägt man die ein mal zwei Meter großen Blöcke aus einem abgesperrten Areal des Flusses. Sauberes Wasser und hohe Fließgeschwindigkeit garantieren Klarheit. Im April liegen 2.700 Blöcke auf Lager – Material für Hotel, Eisbars und Events. Ab Mitte November röhren dann die Schneekanonen und füllen Stahlformen mit sieben Millionen Kubikmetern so genanntem snice.

Von Künstlern individuell gestaltete Räume

Ein paar Tage durchfrieren lassen, fertig. Doch halt, ganz so einfach ist es nicht. Die Zusammensetzung des snice, einer Mischung aus Eis und Schnee, wurde ebenso wie die Statik der Gebäude in den vergangenen 18 Jahren immer weiter perfektioniert. So haben die Dächer eine spezielle Kontur, die nicht nur die Stabilität fördert, sondern auch das kontrollierte Abschmelzen im Frühjahr erleichtert. Bis dahin ist aber noch genug Zeit zu staunen. Über die von Künstlern individuell gestalteten Räume, illuminierte Eisblöcke, Skulpturen und die märchenhaft anmutende Eiskirche, in der sich gerade ein amerikanisches Paar trauen lässt.

Unter den Augen schüchtern kichernder Japanerinnen, die nach einem Besuch der Tokioter Absolut-Eisbar mal einen Blick auf das schwedische Original werfen wollten. Die verrückte Idee aus Jukkasjärvi hat es nämlich nicht nur bis nach Kopenhagen, London oder Mailand, sondern auch bis nach Japan geschafft. Hier wie dort schlürfen Szenegänger Wodka-Mix aus Eisgläsern made in Jukkasjärvi.

Hundeschlittenfahrt durchs Hinterland

Doch nirgends lässt sich dabei so stilecht schwadronieren wie oberhalb des Polarkreises. Etwa von der Hundeschlittenfahrt durchs Hinterland mit seinen flachen Kiefern und rudimentären Pisten. Zwölf Alaska-Huskys, zwischen acht Monaten und sieben Jahren alt, sind heiß. Stehen bellend und heulend am Start, zerren am Geschirr, warten aufs erlösende Kommando ihrer Führerin. Auf Kurs gehalten nur durch gegurrtes Lob oder schneidende Kommandos. Und sollte es auf Tour mal streng riechen, verdächtigen Sie nicht Ihren Vordermann auf dem Schlitten – hier fordert bloß die reichliche Fleischfütterung der Hunde ihren Tribut.

Rentiere ernähren sich zwar fleischlos, können aber trotzdem wild beschleunigen, wie eine Probefahrt beweist. Ein Ren, ein Schlitten und ein Seil: Sobald die Rentierführer das Biest freilassen, sprintet es los. Schnell zum Seil greifen und mit der anderen Hand am Schlitten festhalten – sonst ist die Reise in der ersten Kurve zu Ende. Zumindest für den Passagier. Das Gespann spurt zügig weiter.

Der Cayenne feuert das weiße Pulver in die Luft

Zügig weiter geht es auch auf dem zugefrorenen Sautusjärvi-See. Erst kommt das Grollen, dann die Fontäne. Wild pendelnd bohren sich die Lichtsäulen der Scheinwerfer durch das Schneegestöber; von herben Gasstößen gepeitscht, feuert der Cayenne das weiße Pulver in die Luft. Nur die exakte Choreografie aus Vortrieb und dosierten Lenkradbewegungen hilft durch den mit Stöcken markierten Riesenslalom auf der 50 Zentimeter dicken Eisdecke – und bewahrt vorm unbeholfenen Schneepflügen in der Auslaufzone.

Das Ziel: der saubere Schwung, die bruchlose Choreografie, der mäandernden Spur elegant zu folgen. Nie den Rhythmus verlieren, mit dem Schwung fahren und nicht dagegen. Und wenn dann alles passt, schaut man bei Vollgas im sechsten Gang lässig durchs Seitenfenster. Ein würdiger Kontrapunkt zur meditativen Stille des Eiszimmers.

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