Slowenien im Twingo GT

Blaue Runde

Foto: Beate Jeske 12 Bilder

Die Einheimischen lieben Strudel, Rotwein und französische Autos. Nahezu jeder vierte Slowene kauft einen Renault. Unterwegs im neuen Twingo aus slowenischer Produktion.

Nicht alles in Slowenien entwickelt sich so rasant wie die Wirtschaft. Mit dem vom Wodka gezeichneten russischen Orchester zum Beispiel werden die wenigen Schalter am Flughafen der Hauptstadt Ljubljana nicht schnell genug fertig. Obwohl die Maschine nach Wien mal wieder zu spät abheben wird, machen die Mitarbeiter von Adria Airways in ihren grellblau-weißen Uniformen im Stil der achtziger Jahre keine Anstalten, schneller zu arbeiten. Ihre zeitraubende Genauigkeit bringt nicht nur die russischen Musiker auf die Palme.

Draußen vor der Flughalle ist von penibel und genau dagegen nichts mehr zu sehen. Auf dem Parkplatz herrscht Anarchie. Halteverbotschilder sind für Slowenen freundliche Hinweise, an die man sich hält, falls man Zeit hat. Doch am Flughafen hat niemand Zeit. Es wird gehupt, geschrieen, gestikuliert.

Wir sind eine bunte Mischung

In Slowenien treffen die Einflüsse des nördlichen Nachbarn Österreich auf die heißblütige Mentalität Italiens und des Balkan. Abends pflegen die Menschen in den Restaurants Ljubljanas die südeuropäische Leichtigkeit bei gutem einheimischen Rotwein und Gibanica, einem Strudel mit vier verschiedenen Füllungen. "Wir sind eben eine bunte Mischung. Nicht einmal auf die beste Biersorte können wir uns einigen", meint Eva, Kellnerin im "Spajza", einem urigen Restaurant im Zentrum Ljubljanas. Laško oder Union lautet die Glaubensfrage - das eine mit grünem Etikett aus der Untersteiermark, das andere mit dem roten aus Ljubljana.

Relativ große Einigkeit herrscht nur bei der Wahl der Automarke. Jeder vierte Slowene kauft ein Fahrzeug mit der Raute auf der Haube, einen Renault. "Die Leute fragen sogar, ob das Auto in Novo Mesto gebaut wurde", sagt Aleš Kalan, Renault-Händler in Ljubljana. Dort, rund 60 Kilometer südöstlich der Hauptstadt, produzieren die Franzosen schon seit Titos Zeiten Autos.

Renault ist Kult

Renault ist Kult, quasi der Volkswagen der Slowenen. Unternehmer Jani Grbac hat sogar einen Fanclub für das wohl erfolgloseste Produkt von Renault, den Avantime, gegründet. Er fährt einen der seltenen Dreiliter-Benziner, umlackiert in Braun-Perlmutt mit beigefarbener Lederausstattung. Die meisten Slowenen mögen es weniger extravagant. Früher fuhren alle den R4, später den Clio aus Novo Mesto. Jetzt soll der neue Twingo die Herzen erobern.

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