"Sonntagsauto"

Alfa Romeo Montreal, italienischer Männertraum

Alfa-romeo-Montreal-Heck Foto: auto motor und sport

„Es gibt noch Männerträume für 35.000 Mark“, titelte 1971 die Alfa-Werbung. Gemeint war der Alfa Romeo Montreal, der mit seinem V8 damals die Italiener zu neuen Höhen trieb.

Der Alfa Romeo Montreal startete seine Karriere als Bertone-Studie auf der Weltausstellung in Montreal. Von Marcello Gandini, der auch den Miura, den Countach und den Stratos in Form brachte, gezeichnet, trat der GT seinerzeit noch als Mittelmotorsportler an. Als man sich dann aber bei Alfa zur Serienfertigung entschloss, musste das Package umgebaut werden. Selbst für einen Straßensportler schränkte die Mittelmotorbauweise die Alltagstauglichkeit zu weit ein. Die Grundform des Montreal blieb erhalten, der V8-Motor aus dem T33 Stradale wurde aber im Hubraum auf 2,6 Liter aufgestockt, auf 200 PS und 240 Nm limitiert und unter die lange Fronthaube gepackt. Zeigte der kleine V8 noch echte Renntalente, so Griff man beim Fahrwerk auf bewährte, einfache Komponenten von der Giulia und dem Bertone-Coupé zurück, die dem 2+2-Sitzer schlechten Fahrkomfort und unbefriedigende Fahreigenschaften bescherten. Entsprechend stufte auto motor und sport den Monteral 1972 im Einzeltest als das „wohl älteste neue Auto ein, das je auf den Markt kam.“

Schön oder nicht schön?

Für rund 35.000 Mark bekam man 1972 so ein umfangreich ausgestattetes Sportcoupé mit knappem Raumangebot, kleinem Kofferraum, mäßiger Verarbeitung, fadingempfindlichen Bremsen, hohem Verbrauch und unpraktischer Bedienung. Auf der Habenseite standen der drehfreudige V8, die gute ZF-5-Gang-Schaltung und die guten Fahrleistungen. 100 km/h schaffte der Alfa Romeo Montreal in 7,6 Sekunden. Die im Test ermittelte Höchstgeschwindigkeit lag bei 224 km/h, der Testverbrauch bei 20,7 Liter.

1974er Alfa Romeo Montreal Coupé  Foto: Bonhams
Mancher stört sich an den Proportionen des Montreal, denn der Alfa Romeo Montreal ist nur 4,22 Meter lang.

Auch die Schönheit des Alfa Montreal liegt im Auge des Betrachters. Für die einen bietet die 4,22 Meter lange Karosserie genügend Reize um das Coupé interessant und augenfällig zu machen. Andere stören sich an den unglücklichen Proportionen. Er ist zu breit und zu kurz, nur 2,35 Meter Radstand verhindern, dass Länge läuft. Doch der Montreal ist aufregend und exotisch. Die abgerundete Frontpartie mit den integrierten Stoßstangenhälften, vom Scudetto stilvoll geteilt, formt ein Gesicht in der Menge. Hinzu kommen die teilabgedeckten Scheinwerfer, deren Jalousien sich unterdruckgesteuert zurückziehen. Eine C-Säule hat er nicht, dafür ist der B-Pfosten überbreit und mit markanten kiemenartigen Lüftungsschlitzen dekoriert – ein Überbleibsel der Mittelmotorhistorie des Gandini-Entwurfs. Das Heck mit flacher Scheibe scharf abgeschnitten und von Chromzier umrahmt. Funktionalität spielte beim Montreal offensichtlich keine Rolle.

Alfa Romeo Montreal mit kleiner Auflage

Insgesamt wurden vom Alfa Romeo Montreal 3.925 Exemplare gebaut, wobei die damals übliche, bescheidene Rostvorsorge mittlerweile für die meisten Modelle den vorzeitigen Korrosionstod bedeutet hat. Der Gilb haust in den Sicken, in den Schwellern und in den hinteren Radläufen. Ebenso an den Türböden, den Längstraversen am Wagenboden und im Bereich der Vorderkotflügel. Sogar die Querlenkeraufnahmen nagt er vom Motorraum aus an. Die hochkarätige Technik selbst zeigt sich bei regelmäßiger Wartung und guter Behandlung standfest. Die Achillesferse des Montreal sind die raren und teuren Ersatzteile.

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