Südafrika im Jaguar E-Type

Katzen-Sprung

Foto: Reinhard Schmid

Nur wenige Kilometer hinter Kapstadt beginnt ein Traumrevier für Cabrio-Fans. Wer den Genuss toppen möchte, erkundet die gewundenen Strecken in einem Klassiker wie dem Jaguar E-Type.

Der Eintritt ins Paradies ist nicht umsonst, rund 2,70 Euro verlangt der Streckenposten pro Auto. Dann liegt sie vor der langgezogenen roten Schnauze des Jaguar E-Type: eine der schönsten Küstenstraßen der Welt, der Chapmans Peak Drive im Südwesten Südafrikas. Eine Straße, direkt in den Steilhang gemeißelt, mit Blick auf den Atlantik.

Selbst wer die üblichen Superlative der Tourismus-Werber mit Skepsis betrachtet, merkt nach den ersten Metern: Vergleichbares lässt sich weltweit nicht so leicht finden. Der Asphalt ist fast makellos, die Route schlängelt an der Steilwand entlang, der Himmel ist blau, und die Sonne scheint. Was will man mehr?

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Auch der 4,2-Liter-Sechszylinder brummt zufrieden vor sich hin. Viel Verkehr ist nicht. Die Hektik, die Straßen entlang des Mittelmeers oft verbreiten, scheint hier gänzlich unbekannt. Halsbrecherische Überholmanöver, Drängeln – alles kein Thema. Der Jaguar gleitet elegant um die Kurven.

Auf dem Weg zum Kap

Der Weg führt zum Kap der Guten Hoffnung. Jene Landzunge, die oft fälschlicherweise als südlichster Punkt des schwarzen Kontinents bezeichnet wird. Dabei markiert sie nur den südwestlichsten Ausläufer. Ganz im Süden ragt das weniger bekannte Kap Agulhas. Das tut den Anziehungskräften als Touristenmagnet aber keinen Abbruch. Die Busse voll Touristen werden glücklicherweise nicht über die Küstenstraße zum Besucherzentrum gekarrt.

Zu sehen gibt es Felsen, stürmische See und Paviane. Die Affen sind clever und haben gelernt, dass Touristen immer gut für einen kleinen Snack sind. Selbst wenn die alle Warnungen beherzigen und freiwillig nichts rausrücken: Die Paviane bedienen sich selbst. Wer Obst, Kekse oder seinen Rucksack offen liegen lässt, muss sich nicht wundern, wenn der Proviant schnell einen neuen Besitzer findet.

Ulli Walter, Chef des Oldtimer-Vermieters Motor Classic, ermahnt seine Kunden daher eindringlich, den Affen keine Chance zu lassen, und schiebt gleich eine passende Anekdote hinterher: „Wir hatten mal einen Kunden, der auf dem Parkplatz noch im Auto rumkramte und seine Frau auf dem Beifahrersitz um Hilfe bat. Als sie nicht antwortete, schaute er auf und direkt in die Augen eines Pavians.“ Wenn man lauten Radau mache, beruhigt Ulli, könne man die Affen aber leicht vertreiben. Die Parkplatzwächter am Kap versuchen jedenfalls ihr Bestes.

Diebe bevorzugen Mercedes

Das Thema Sicherheit ist in Südafrika aber eigentlich ein ernstes Kapitel: Geschichten über Raubüberfälle sind mit dem Land fest verwoben. Ist da eine Tour im teuren Klassiker kein Risiko? Ulli beruhigt: „Wir hatten bisher keine schlechten Erfahrungen. Wichtig ist, keine Wertsachen im Auto zu lassen oder offen zu zeigen.“ Das provoziere angesichts der hohen Arbeitslosigkeit. Den Wagen solle man nie abschließen: „Wenn jemand Probe sitzen möchte, soll er das tun. Geklaut wird ein Oldtimer nicht. Er stellt für die Kriminellen keinen Wert dar. Die bevorzugen neue BMW oder Mercedes, die sie auf Bestellung stehlen.“

Ein Klassiker wie der E-Type falle für die Diebe in die Kategorie alter Gebrauchtwagen. Zudem gebe es überall bewachte Parkplätze in der Kapregion. Wir folgen der Küstenstraße weg vom Kap gen Osten. Ein Rudel AC Cobra kommt entgegen. Der brüllende Sound aus den Sidepipes würde vermutlich jeden deutschen TÜV-Ingenieur hyperventilieren lassen. Dagegen ist die Geräuschentwicklung unseres Sechszylinders dezent, geradezu kultiviert, wenn auch nicht so gedämmt wie bei modernen Autos. Man hört den Motor mit all seiner Mechanik nahezu ungefiltert.

Genusstour statt Rallye

Hinter dem filigranen Holzlenkrad mit dem Raubkatzenkopf in Lenkradmitte macht sich Gelassenheit breit. Der 265 PS starke 4,2-Liter-Motor ist wie geschaffen für die Landstraße: Kräftig zieht er schon aus niedrigen Drehzahlen an, lädt ein zum gemütlichen Cruisen. Trotz seines Alters von 38 Jahren wirkt er nicht antiquiert. Zumindest, solange man nicht aus hohem Tempo abrupt verzögern muss. Dann offenbaren sich schlagartig die Fortschritte im Autobau: Der flache, frontlastige Sportwagen gerät ins Schwänzeln und mahnt zum besonneneren Umgang. Warum auch nicht, dies soll schließlich eine Genusstour werden und keine Rallye.

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