TAG Heuer Carrera Motorsport

Gut im Rennen

TAG Heuer Carrera Panamericana 2009 Foto: Hersteller 9 Bilder

Einst war sie Innovationsträger und Vorbild für zahlreiche moderne Sportchronographen: Heute ist die Carrera von TAG Heuer schlicht ein Renner.

Die Begriffe klassisch oder Klassiker werden heute beinahe schon inflationär verwendet - und zwar leider oft für mittelmäßige Formen und Produkte. Dabei bedeutet "classicus" laut kompetenter Nachschlagewerke nichts anderes als erstklassig, vorbildhaft und überragend.

Stilikone seit 1964

Nach dieser Definition darf man die Heuer Carrera mit Fug und Recht als Klassiker bezeichnen. Sie gilt unter Kennern als Meilenstein unter den Chronographen, wirkt bis heute stilbildend und ist ein wesentlicher Teil des aktuellen Erfolgs des Hauses.

Rund ein Drittel aller in Nordeuropa verkauften Uhren der Marke TAG Heuer hören auf den Namen Carrera. Abgeleitet ist der Modellname übrigens von der Carrera Panamericana, dem legendären Langstreckenrennen. Für die Namensgebung ebenso wie für die Stilikone, die 1964 auf den Markt kam, zeichnet Jack William Heuer verantwortlich. Gleich nach Abschluss seines Studiums an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich trat der Urenkel des Firmengründers Edouard Heuer 1958 ins Familienunternehmen ein und wurde bald zum Technischen Direktor ernannt.

Ihm waren die zeitgenössischen Chronographenzifferblätter buchstäblich ein Dorn im Auge. Was war da nicht alles draufgedruckt: Tachymeter-, Telemeter- oder Pulsometerskala. "Sehr unleserlich", schimpfte der junge, gradlinige Ingenieur und schuf einen puristischen Gegenentwurf. Der bestach durch eine technische und gestalterische Innovation. Heuer nutzte den Spannring, der das Plexiglas von innen ans Gehäuse drückte und damit die Wasserdichtheit erhöhte, als Gestaltungselement. Er ließ ihn schwarz lackieren und eine Fünftelsekunden-Skala aufdrucken. Schließlich ermöglichte das Kaliber Valjoux 72 die Kurzzeitmessung auf die Fünftelsekunde genau.

"So haben wir das Zifferblatt vergrößert und die Ablesbarkeit deutlich verbessert", berichtet Jack W. Heuer. Dieser konische, bedruckte Zifferblattrand, von Kennern als Réhaut bezeichnet, ist noch heute ein beliebtes Gestaltungselement. Mit ihrem klar gezeichneten Gehäuse wurde die Carrera quasi "über Nacht zum Erfolg", wie sich Heuer erinnert. Deshalb blieb er auch in der Folge bei seiner minimalistischen Gestaltungslinie. Ein Jahr später, inzwischen leitete Jack Heuer das Unternehmen, folgte der weltweit erste Chronograph mit digitaler Datumsanzeige. "Das war eine Innovation ohne größere konstruktive Schwierigkeiten", konstatiert Heuer nüchtern.

Rennfahrer trugen Carrera

Doch da arbeiteten die Konstrukteure bereits an einem wirklich kniffligen Thema: dem automatisch aufziehenden Chronographenwerk. Dabei entwickelte sich ein Dreikampf: In Asien arbeitete Seiko mit Hochdruck an dem Thema, in der Schweiz zum einen Zenith und zum anderen eine Arbeitsgemeinschaft bestehend aus den Marken Heuer, Breitling und Hamilton/Büren sowie dem Uhrwerksspezialisten Dubois-Dépraz. Das Rennen gewann Zenith durch kommunikatives Geschick, wie Heuer heute schmunzelnd berichtet: "Zenith gab am 16. Januar 1969 eine Pressekommuniqué heraus und nannte das Uhrwerk El Primero, der Erste. Dabei hatten sie gerade mal einen funktionierenden Prototyp. Wir präsentierten unser Kaliber 11 erst am 3. März, hatten da aber schon 100 fertige Uhrwerke."

Das tat dem Erfolg keinen Abbruch. Heuer verkaufte seine Automatikchronographen Autavia, Monaco und eben die Carrera wie geschnitten Brot. Großer Beliebtheit erfreute sich die Carrera auch in Rennfahrerkreisen - besonders bei denen der Scuderia Ferrari. Die bekamen von Heuer, damals offizieller Ferrari-Zeitnehmer, einen goldenen Carrera-Chronographen. Gegenleistung: Sie mussten einen Heuer-Aufnäher am Rennanzug tragen. Ihr vorläufiges Ende erlebte die Carrera - und mit ihr der Familienbetrieb Heuer - Anfang der Achtziger durch den Erfolg der Quarzuhren und die aufkommende Dollarschwäche.

Mehr als zehn Jahre, aus Heuer war inzwischen TAG Heuer geworden, schlummerte der prestigeträchtige Name Carrera in der Versenkung. Der damalige TAG Heuer-Boss Christian Viros ließ 1996 die Carrera als exakte Replica des Urmodells nachbauen, lediglich das nicht mehr verfügbare Kaliber Valjoux 72 musste durch ein Lémania 1873 ersetzt werden.

Beginn einer neuen Ära

Der überwältigende Erfolg der Replica ist gleichsam als Startschuss für eine neue Ära bei TAG Heuer zu sehen. Seither sind Uhren, die sich an alten Erfolgsmodellen orientieren, integrativer Bestandteil der Kollektion. Sie heißen Monza, Monaco - aber vor allem Carrera. Heute hat der Kunde die Wahl unter mehr als 30 Carrera-Varianten und nochmals knapp 30 der modischeren Grand Carrera-Modelle. Ob traditionell oder modern interpretiert: Eine Carrera hat das Zeug zum Klassiker.

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