Jaguar XJR, Seattle, Frontansicht Achim Hartmann
Jaguar XJR, Seattle, Frontansicht
Jaguar XJR, Seattl, Heckansicht
Jaguar XJR, Seitenansicht
Jaguar XJR, Heckansicht
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Unterwegs im Jaguar XJR

Bei Nacht sind alle Katzen wow

Skylines können sie in den USA, das muss man ihnen lassen. Auch in Seattle. In einer schlaflosen Nacht durch die nordwestlichste Metropole der Vereinigten Staaten – in Jaguars neuem Top-Modell der XJ-Reihe.

Der Skater ist überzeugt: "Der Fahrer muss berühmt sein, ein Filmstar oder so", ruft er seinem Kumpel zu, als sie am Jaguar XJR vorbeirollen. Es ist Nacht in Seattle – und offensichtlich wirkt die Luxuslimousine um diese späte Stunde in der fast menschenleeren Innenstadt so abgehoben, dass sie nur von einer bedeutenden Persönlichkeit chauffiert werden kann.

Berühmtheiten hat Seattle tatsächlich zu bieten. So wurde etwa die schwarze Gitarrenlegende Jimi Hendrix in der nordwestlichsten Großstadt der USA geboren, ebenso übrigens Kurt Cobain, der Sänger und Gitarrist der Grunge-Superstars Nirvana. Beide haben zu ihrer Zeit die Rockmusik so fundamental geprägt, dass sie danach nicht mehr dieselbe war.

Was hätten die unangepassten Musiker wohl im Jaguar angestellt, nachts in Seattle? Der überdrehte Hendrix hätte sich wahrscheinlich im fein belederten Fond mit zwei Mädels vergnügt und eine orgiastische Rücksitz-Party gefeiert. Cobain dagegen hätte möglicherweise völlig in sich gekehrt im abgeschotteten Luxus-Refugium einen die Seele sezierenden Songtext verfasst. Und wäre morgens früh um fünf völlig ausgezehrt als erster Kunde in einen Coffee-Shop geschlurft.

Jaguar XJR wird überall bewundert

Neben der gitarrenschweren Rockmusik ist Kaffee das zweite große Thema Seattles: Hier, am Public Market, also dem öffentlichen Markt, eröffnete 1971 die erste Starbucks-Filiale. Der kleine Laden ist heute auch eine Berühmtheit und Anlaufstelle für Fans der To-go-Kultur aus aller Welt; sie stehen geduldig Schlange – für einen überteuerten Pappbecher voll Cappuccino von zweifelhafter Qualität. Die Einheimischen trinken ihre Latte woanders.

Natürlich steuern sie, ganz amerikanisch, die Coffee-Shops mit dem Auto an – es ist nach wie vor Transportmittel Nummer eins. Im Vergleich zu anderen Großstädten überwiegen aber kleinere Fahrzeugklassen; V8-Trucks bilden sogar die Ausnahme. Wo immer das Topmodell der XJ-Reihe auftaucht, wird es bestaunt, der Fahrer wegen seines tollen Autos bewundert und nach Preis sowie Leistung gefragt. Es sind 550 PS, in Deutschland muss man dafür mindestens 141.310 Euro anlegen, wenn die Luxuslimousine ab Dezember ausgeliefert wird.

Ein Cop klopft an die Scheibe

Nun ist es für den Jaguar XJR einfach, begehrenswert zu erscheinen: Seine elegante, gestreckte Form mit dezent sportlichen Akzenten wie der Frontlippe, dem schwarzen Maschendraht-Kühlergrill, den Lufteinlässen in der Motorhaube, dem Heckspoiler und nicht zuletzt den 20-Zoll-Rädern sticht er aus dem amerikanischen Straßenbild heraus. Und es dauert nicht lange, bis an einer roten Ampel ein Cop ans Fenster klopft.

Allerdings will der Ordnungshüter nur wissen, wie viel Drehmoment beim Ampelstart an der Hinterachse anliegen würden. Mit der Antwort 680 Nm kann er wenig anfangen – in den USA sind Footpound, also Pfund mal Fuß als Einheit gebräuchlich. Der Officer kennt sich aber mit transatlantischer Technik aus, ihm ist sogar aufgefallen, dass der Jaguar eine Start-Stopp-Funktion besitzt. Was ist mit den Cops los?

Als die Lichtzeichen auf Grün springen, geben wir nur kurz Vollgas – so stürmisch, wie der Jaguar XJR loslegt, ist das Stadt-Limit praktisch sofort erreicht. Die Lässigkeit des Tempo-Zuwachses passt zum coolen Äußeren des Jag – nach 4,6 Sekunden stehen im besten Falle bereits 100 km/h auf dem Tacho. Es ist gut, dass die Limousine nicht zu sehr versportelt ist; so bleibt sie ihrem stilsicheren Auftreten treu.

Jaguar XJR verleiht Star-Appeal

Die um 30 Prozent strafferen Fahrwerksfedern lassen den großen Wagen jetzt noch besser einlenken als bisher und erhalten dennoch reisetauglichen Federungskomfort. Zudem verkneift es sich der Fünfliter-Kompressor-V8, das hubraumschwangere Bollern der US-Bigblocks nachahmen zu wollen. Bei Vollgas tönt er zwar arttypisch, aber nicht angeberisch laut.

Es wirkt fast schon wie ein Protest der Reichen gegen das lächerlich niedrige Highway-Tempolimit von häufig 55 Meilen (88 km/h), dass die USA weltweit der größte Markt für Sport-Modelle wie den Jaguar XJR sind. Man darf dabei allerdings den hauptsächlichen Beweggrund nicht verkennen: bigger is better – wer sich den größeren/stärkeren/teureren Wagen leisten kann, liegt im Ansehen vorn. Dass der Jaguar XJR seinem Fahrer offensichtlich auch noch einen gewissen Star-Appeal verleiht, dürfte dem Erfolg dabei noch zuträglich sein.

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