Volvo XC70

Polar-Express

Foto: Torbjörn Lundgren 12 Bilder

Die Fahrt von Nordschweden hinunter an die norwegische Fjordküste bis nach Narvik gleicht einer kleinen Polar-Expedition, die im Frühling endet. Der neue Volvo XC70 erwies sich dabei als souveräner und komfortabler Reisewagen.

Jeden Morgen um sieben, mitten in stockdunkler Nacht, kommt der Radlader und ersetzt den Weckdienst. Wenn er leicht bergauf den feinen Pulverschnee vor sich herschiebt, leuchten seine vier Halogen-Dachscheinwerfer direkt in das Bett von Nummer zehn der Meteorologen Ski Lodge. Trotz des Namens übernachten hier meistens nur Urlauber und natürlich Skifahrer.

Die Zimmernummer ist eine schlichte, schwarze Zehn auf einer kreisrunden Emailplakette an der grauen Lacktür. Mit Ausnahme des wohnlich-familiär eingerichteten Restaurants und der gemütlichen Bar erinnert fast alles an eine richtige Wetterstation. Und würde nicht jeden Morgen der fleißige, gelbe Volvo-Radlader Tonnen von Schnee irgendwohin schaffen, wären die Hotelgäste bald eingeschneit – wie richtige Meteorologen eben. Riksgränsen heißt der Ort, zu deutsch: Reichgrenze. Es ist Schwedens und wohl auch Europas nördlichstes Skigebiet und liegt an der Grenze zu Norwegen.

Skandinavische Märchenwelt

Google Map veranschlagt für die Anreise ab München 2.991 Kilometer beziehungsweise 58 Stunden Nonstop. Per Flugzeug ist Riksgränsen von Kiruna aus zu erreichen. Ab hier fährt man mit dem Auto knappe zwei Stunden weiter in Richtung Norden und taucht in eine skandinavische Märchenwelt ein. Auch wenn die Skisaison, die von Anfang Februar bis Mitte Juni reicht, noch nicht begonnen hat, und hier nördlich des Polarkreises gerade mal 60 Menschen leben und Schnee räumen, lohnt es sich, die Gegend einmal genauer zu erkunden. Ganz besonders in einem Volvo XC70, der hier praktisch zu Hause ist.

Der neue XC70 ist die Polar-Express-Variante der im Herbst vergangenen Jahres eingeführten dritten Generation des Kombi-Klassikers V 70. Gemeinsam mit diesem besitzt der XC70 einen laufruhigen 3,2-Liter-Reihensechszylinder sowie den permanenten Allradantrieb, der beim V 70 nur optional erhältlich ist. Außerdem verfügt der XC70 über eine um 66 auf 209 Millimeter erhöhte Bodenfreiheit, Dachreling, Unterfahrschutz, Seitenschutzleisten, die Bergabfahrhilfe Descent Control und eine Sechsgang-Automatik.

Wagenheizung sorgt für Wärme

Erfreulich ist das relativ niedrige Fahrzeuggewicht von rund 1,7 Tonnen, das dem 238 PS starken Benziner keine Mühe bereitet: Der Sprint von Null auf 100 km/h erfolgt in 8,8 Sekunden, bis zu 215 km/h sind machbar. So gerüstet starten wir zu einer Fahrt von Riksgränsen an die norwegische Nordseeküste nach Bjerkvik und Narvik. Vor der Lodge wartet bereits der Volvo auf seine Besatzung, die ihn zunächst von Schnee und Eis befreien muss. Die Außentemperatur liegt bei moderaten fünf Grad Minus, sodass die Wagenheizung bereits nach wenigen Minuten für angenehme Wärme sorgt.

Das Cockpit ist komplett von der Nobel-Limousine S 80 übernommen und gefällt durch seine sanfte Eleganz. An der nur wenige Kilometer entfernten norwegischen Grenze herrscht dichtes Schneetreiben. Ein Lastwagen-Konvoi parkt auf der rechten Spur. Die Felgen, Kotflügel und Heckfronten der Kastenauflieger sind mit einer dicken, hellbraunen Schnee- und Eisschicht überzogen. Zollbeamte in knallorangenen Overalls regeln den Verkehr. Sie stemmen sich gegen die Windböen und den feinen Schnee in Wüstensand-Qualität. Er wird auf ebenen Flächen sofort vom Wind verweht; nur in Senken und an Hindernissen wächst er zu liegenden, kegelförmigen Skulpturen heran.

Wir fahren langsam an der sturmgepeitschten Wand der Lastwagen vorbei und halten Kurs in Richtung Narvik. Einzeln in der Landschaft stehende, kleine und kleinste Häuschen – zum Teil nicht größer als ein Dixie-Klo, aber viel hübscher und aus buntem Holz – trotzen stoisch den weißen Sturmschleiern. Die Ebenen sind mit kantigen Felsbrocken übersät, zwischen denen zwei bis drei Meter hohe Bonsai-Birken ihr kümmerliches Dasein fristen.

Der Zustand der Straße wechselt ständig zwischen blank geblasenem Asphalt, verstecktem Eis und gut 30 Zentimeter hohen Verwehungen. Der Volvo XC70 meistert dank seiner Spikesbereifung alle Fahrsituationen souverän und gleichmütig wie ein satter Eisbär. Die Fahrstabilitätskontrolle sorgt für optimale Traktion des leicht untersteuernd ausgelegten Allradsystems. Die nebelartigen Schneeböen lassen nach, und wir erkennen vor uns das felsige Bergmassiv der norwegischen Fjorde.

Grüne Wiesen an der Küste

Mit jedem Bergab-Kilometer zur Küste, die wir bequem auf sanft geschwungenen Kurven absolvieren, wird der Schnee weniger. Am Meer, vom Golfstrom erwärmt, scheint der Frühling schon Einzug zu halten. Der windgeschützt an einer flachen Bucht gelegene Küstenort Bjerkvik begrüßt uns sogar mit einer grünen Wiese. Wer nach Narvik will, muss über die 41 Meter hohe und 765 Meter lange Rombaksbruo, die Lastwagen nur im Schritttempo überqueren – so stark weht der schneelose Wind durch den Rombaken-Fjord.

Unseren Volvo lässt das kalt, sodass wir von hier aus in 15 Minuten Narvik erreichen. Narvik ist der Verladehafen für das Eisenerz, das in Kiruna gewonnen und auf einer spektakulären Eisenbahnlinie ans Meer gebracht wird. Der Hafenbetrieb widmet sich fast ausschließlich dem Eisenerz. Riesige, von den Waggons herangeschaffte Bergkegel warten auf ihre Verladung in rostige Schiffsbäuche.

Lange Abende im Winte

Wir sind wieder nach Riksgränsen zurückgekehrt. Es ist nun 16 Uhr, es dämmert bereits. Die Abende sind lang, aber die Bar im Meteorologen von Patrik Strömsten bietet erstaunliche Genüsse. Patrik ist Sommelier und unterhält sogar eine offizielle Vertretung der australischen Penfold’s- Weine. Manchmal kommt auch Robert Lindtstedt, der Direktor des benachbarten Riksgränsen Hotel, vorbei. Heute berichtet er, was sich hier im Frühjahr abspielt. Wenn es fast den ganzen Tag hell und draußen zehn bis 15 Grad warm ist – und man in Shorts und Bikini auf die Piste geht.

Höhepunkt bildet das Sonnwendfest, das an jenem Wochenende stattfindet, das dem 21. Juni am nächsten liegt. „Hunderte von Menschen“, sagt Lindtstedt, „stürmen um zehn Uhr abends im Schein der Mitternachtssonne den Berg und freuen sich über den längsten Tag im Jahr.“ Man tankt hier in Nordschweden die Sonne auf Vorrat, denn der nächste, lange Winter kommt bestimmt.

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