VW Sharan nach Kasachstan (16)

Im Reichtum, in der Steppe

VW Sharan, Kasachstan Tag 16 Foto: Karsten Schöne 7 Bilder

Der Verkauf des VW Sharan ist eingefädelt, aber nicht unproblematisch, offensichtlich illegal uns aber mittlerweile egal.

Atyrau, eine Stadt in der Steppe nahe des Kaspischen Meeres. Eine Ölstadt. Viele SUVs auf den breiten Straßen, teure Autos. Schicke Restaurants, Boutiquen mit mir bekannten französischen und italienischen Markennamen. Überall protzige Denkmale. Hochhäuser in seltsamen Formen, Architektenträume mit Marmor und Glas, denen beim zweiten Blick eine Portion Stil fehlt. Eine Las-Vegas-Protz-Show, die sagt: Hier ist viel Geld.

8 Euro-Zimmer inklusive Ungeziefer

Im Renaissance Hotel das aussieht wie ein Raumschiff kostet die Nacht im billigsten Zimmer 340 US Dollar. Wir finden Unterkunft in einer Fernfahrerherberge weit draußen am Kreisverkehr nach Uralsk. 8 Euro. Haben Ungeziefer im Bad und auch sonst Probleme. Die Piste hierher war so schlecht, dass wir sie nicht zurück fahren werden. Plan B funktioniert einfach nicht. Das Fenster auf der Fahrerseite vibriert inzwischen selbst wenn die Straße mal glatt ist. Das Handschuhfach rechts oben springt ständig auf. Die Radkappen fallen gerne mal ab. Der Flat-Screen des Routenfinders, den wir nicht einmal benutzt haben, stellt sich nicht mehr auf. An der Front fehlt ein kleines Teil der Verkleidung. Die hinten hängt schon wieder herunter, lässt sich zum Glück festdrücken.

Der Sharan hat sein Ziel erreicht

Aber: Das Auto ist am Ende seiner Reise. Und die Südroute nach Almaty soll noch schlimmer sein, hören wir von allen, mit denen wir irgendwie kommunizieren können. Wir geben auf. Lass uns das Auto hier verkaufen und mit dem Zug zurück fahren! Nur wie? Ich rufe den deutschen Honorarkonsul in Uralsk an. Der sagt: Verkaufen? Geht nicht, wäre illegal. Ich sage: Mist, ich habe das Auto schon verkauft. Er: Sie sind ein Kleinkrimineller. Ich: Ich war dumm, habe jetzt ein Problem. Wie komme ich da raus? Er: Ich gebe ihnen eine Nummer, rufen sie die in einer halben Stunde an. Die Frau kann vielleicht helfen. Sie arbeitet bei einer Ölbohrfirma und kennt sich wegen der Bohrköpfe, die diese Firma ständig ins Land holt mit Zollfragen aus. In ihrem Büro telefoniert sie, befragt Kollegen, Freunde, Experten, sagt am Ende, das Auto ist zu alt, darf man hier gar nicht mehr verkaufen. Ohne Euro-4-Norm geht nichts in Kasachstan. Ach ja? Wenn ihr das doch verkauft, kommt ihr vielleicht noch aus dem Land, aber nie wieder rein. Egal, sag ich. Gut, das gilt auch für Weißrussland. Auch Egal. Auch für Russland, die drei sind eine Zollunion. Mh, schade, aber auch egal. Ihr könntet auf eine Fahndungsliste kommen. Hoppahhhhh! Genau, sagt sie, es geht um 40 Prozent des Neuwertes des Autos. Ich: Das Auto ist alt, Baujahr 2001. Sie: Egal, der Neuwert zählt. Gibt es andere Wege? Kasachische? Halblegale? Kann ich ein Dokument kaufen? Einen Stempel? Sie telefoniert mit Leuten beim Zoll, in Ministerien, in Firmen, bei der Polizei. Fünf, sechs lange Gespräche. Sagt dann: Wenn das Auto neuer wäre, ginge was hintenrum. Aber das hier? Da ist nicht mal ein illegaler Weg für euch. Ihr müsst heimfahren. Keine andere Chance. Am Abend verkaufe ich das Auto in einer Kneipe namens Guns and Roses auf der asiatischen Seite des Urals mit Hilfe des Barkeepers …

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