BMW 330d

Schaltstellen

Foto: Achim Hartmann 6 Bilder

Automatik oder lieber Schalter? Selten drängt sich die Frage so auf wie beim BMW 330d, denn verlockend sind beide Varianten. Ein Vergleich.

Nichts pflegt sich leichter als Vorurteile. Gerade das Auto erweist sich immer wieder als dankbares Objekt für vorgefasste Meinungen. Es liegt in der Natur der Sache – wo Emotionen dominieren, fallen die Tatsachen leicht unter den Tisch.

Thema Diesel zum Beispiel: stinkt, nagelt und verpestet die Umwelt. Sicher, dass Ölmotoren inzwischen Muskeln haben, hat sich herumgesprochen. Aber das Munitionslager der Gegner ist nach wie vor gut gefüllt. Immer wieder gern verteufelt wird auch die Automatik: macht lahm und durstig, der klassische Stimmungskiller für sportliche Fahrer. Dabei bietet gerade Deutschlands beliebtester Dynamiker in der Mittelklasse ein Paradebeispiel dafür, wie man sich irren kann: Der 330d, die Variante mit dem Sechszylinder-Diesel, widerlegt gleich beide Stammtischparolen. Unter der Haube geht es so zivilisiert zu wie in einer Morgenandacht, und aus dem Auspuff entfleuchen nur noch rußgefilterte Euro 4-Wölkchen. Ein Besen macht wahrscheinlich mehr Feinstaub.

Aber auch die auf Wunsch lieferbare Sechsgangautomatik ist in der Lage, allseits gehegte Vorurteile zu zertrümmern. Einen entsprechenden Verdacht schürt schon der Blick auf die Prospektwerte. Mit manuellem Schaltgetriebe verspricht BMW für den 330d flotte 6,7 Sekunden für den Spurt von null auf 100 km/h. Jetzt die Überraschung: Der Automatikmalus ist angeblich nahe Null (6,8 Sekunden) – die Zeiten haben sich offensichtlich geändert. Und die Wahrheit? Sie liegt, wie die Nachprüfung im Test zeigt, bei sieben Sekunden, und zwar für beide Varianten.

Tatsache ist, dass der Automatik-Fahrer nicht weniger dynamisch vorankommt als der Selbstschalter, unter realen Bedingungen wahrscheinlich sogar dynamischer. Die Annahme, der Mensch in seiner Unvollkommenheit würde zu jedem Zeitpunkt immer den idealen Gang parat haben, wäre jedenfalls reichlich optimistisch. Dem Automatikgetriebe des BMW gelingt diese Meisterleistung indessen erstaunlich gut. Es wechselt die Übersetzung meist genau dann, wenn es sein muss – nicht weniger, aber Gott sei Dank auch nicht mehr. Übertriebenes Hin- und Herschalten, was einem früher bei der Automatik den Nerv töten konnte, verkneift sich dieses Sechsganggetriebe. Wenn möglich, nutzt sie das Drehmoment und lässt den Diesel niedertourig ziehen. Störende Schaltrucke sind ebenfalls kein Thema mehr, und selbst im Sportmodus, wo die Getriebesteuerung spontaner runterschaltet und die Gänge weiter ausdreht, kommt kaum noch Unruhe auf. Da lohnt es sich auch nicht mehr, von Hand einzugreifen und die Steptronic-Option zu nutzen, wozu freilich die außergewöhnlichen Qualitäten des Dreiliter-Triebwerks entscheidend beitragen.

500 Nm machen es der Automatik leicht


500 Newtonmeter schon bei 1.750/min – das ist ein Wert, der es der Automatik bei ihrer Arbeit leicht macht. Je mehr Drehmoment, desto gelassener kann sie zu Werke gehen – zumindest diese Weisheit ist bei allem Fortschritt nach wie vor gültig.

Die Vollendung, mit der sie der 330d umsetzt, beeindruckt deshalb aber nicht weniger. Was spricht da noch für das Schaltgetriebe? Im Fall des 330d vor allem die Erkenntnis, dass der Umgang mit dem Schalthebel nicht nur Mitdenken erfordert, sondern auch Freude machen kann – vorausgesetzt, man weiß die mechanische Präzision, mit der sich die Gangwechsel im BMW vollziehen, zu schätzen. Ansonsten gehen einem im vorliegenden Fall spätestens dann die Argumente aus, wenn man sich die Verbrauchswerte der beiden Varianten vor Augen führt.

Auch wenn der 330d Automatik im Normverbrauch ein paar Zehntel Liter mehr benötigen sollte: Im Test löste sich dieser Nachteil in Luft auf. Tendenziell verhilft die Automatik dem BMW sogar zu günstigeren Werten – 8,4 L/100 km verzeichnete der Schalter, 8,2 der Automat. Der prinzipielle Nachteil des Drehmomentwandlers in puncto Verbrauch wird offenbar durch häufiges Aktivieren der mechanischen Wandlerüberbrückung, kombiniert mit einer sparfreundlichen Schaltlogik, wettgemacht.

Bleibt als handfester Grund, die Automatik zu verschmähen, nur noch der Preis. Für das Vergnügen verlangt BMW immerhin 2.100 Euro. Das wären schon mal 30 Tankfüllungen à 61 Liter. Oder knapp 22.000 Kilometer Strecke.

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