CO2-Einsparpotenzial

Zielversprechend

Foto: Beate Jeske 9 Bilder

Unter dem Druck von härteren Umweltauflagen und Ölverteuerung laufen Ingenieure weltweit zur Hochform auf. Die deutschen Autohersteller verschärfen das Tempo bei der Entwicklung modernster Umwelttechnologien.

Wie hieß es noch so werbewirksam? „Wir haben verstanden“, gestand Opel nach dem Qualitätsdebakel Anfang der neunziger Jahre in Fernseh- und Rundfunkspots. Heute ist der Slogan von damals zum Credo der ganzen Branche geworden – angesichts des bedrohlichen Klimawandels, vor dessen Hintergrund die Abgasnormen verschärft und ehrgeizige Verbrauchsgrenzen eingezogen werden. Zero Emission Vehicles ist die knallharte Vorgabe aus Kalifornien. Und in Europa sind bereits Feinstaub- und Stickoxid- Grenzwerte sowie die Euro-Normen 5 und 6 in Stein gemeißelt.

Kompletten Artikel kaufen
Umwelt Klimawandel CO2-Einsparpotenzial beim Auto
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 3 Seiten)
1,49 €
Jetzt kaufen

In der Hall of Fame des EU-Umweltschutzes ist nun unter der RubrikCO2-Emissionen eine neue Zeile zu lesen: Die Autoindustrie soll bis2012 den Flottenverbrauch auf 130 Gramm CO2 pro Kilometerherunterfahren. Herstellern, die das Ziel verfehlen, drohen Strafen inMilliardenhöhe, so der Plan. Verbrauchssenkung hat derzeit also höchstePriorität im ohnehin dicken Umwelt-Lastenheft der Autobranche.

Einsparpotenzial bei Triebwerk und Antriebsstrang


„Es gibt vier Bereiche, in denen gleichzeitig angesetzt werden muss, um den größtmöglichen Effekt zu erzielen“, sagt Bernhard Geringer, Leiter des Instituts Verbrennungskraftmaschinen und Kraftfahrzeugbau an der Technischen Universität Wien. Das seien einerseits Maßnahmen am Gesamtfahrzeug wie etwa Einsatz von Leichtlaufreifen, Verbesserung der Aerodynamik und Leichtbau. Andererseits sieht er hohes CO2-Einsparpotenzial im Bereich von Triebwerk und Antriebsstrang. „Die Stellschrauben müssen aber im gleichen Maße bei Kraftstoffen und bei der Verkehrsinfrastruktur angezogen werden“, stellt Geringer klar. Dass dies alles nicht zum Nulltarif zu haben ist, versteht sich von selbst.

Aber was wäre beispielsweise zu erreichen, wenn ein Autohersteller 500 Euro pro Serienfahrzeug in die Hand nähme, um etwa einen 1,6 Tonnen schweren Mittelklasse-Wagen mit Zweiliter-Ottomotor weniger spritdurstig zu machen? Bosch hat nachgerechnet – dafür sind Benzindirekteinspritzung in Kombination mit Turboaufladung, Downsizing, optimierter Generator, variable Ventilsteuerung und Start-Stopp-System zu haben. Erzielbare CO2-Reduktion: 40 g/km – von 182 g/km auf 142 g/km. Andersherum gesagt: Der Verbrauch sinkt von 7,7 auf sechs Liter pro 100 km. Doch dies ist nur ein Aspekt, wie VW-Entwickler Martin Goede betont. So brächten beispielsweise 100 Kilogramm weniger Fahrzeuggewicht eine Verringerung des CO2-Ausstoßes um 8,5 g/km.

Renault setzt auf Elektroantrieb

„Zukünftige CO2-Reduktionsziele können nur mit ganzheitlichen Weiterentwicklungen für alle Verbrauchsparameter erreicht werden“, so Goede. Nahezu alle Hersteller erledigen unter dieser Prämisse ihre CO2-Hausaufgaben, wie eine Kurzumfrage von auto motor und sport zeigt. Nur Renault gibt an, den Elektroantrieb als sinnvollste Strategie anzusehen. Kein Wunder, weil Strom in Frankreich weitgehend aus Atomkraft erzeugt wird.

Der Energieerzeugungsmix spielt auch eine Rolle für das CO2-Minderungspotenzial beim Einsatz von zukunftsweisenden Elektroautos und Plug-in-Hybridfahrzeugen. Im Vergleich zu aktuellen Hybridmodellen könnten in Frankreich 45 Prozent, in den USA aber nur vier Prozent der CO2-Emissionen eingespart werden, weil der Strom dort meist aus Kohle produziert wird – das rechnet jedenfalls Koei Saga vor, der bei Toyota für die Hybrid-Entwicklung verantwortlich ist. Selbstbewusst beziffert Toyota seinen Elektronik-Kompetenzvorsprung bei der Hybridtechnik auf vier Jahre.

Live Abstimmnung 0 Mal abgestimmt
CO2: Unternehmen die Hersteller zu wenig?
Ja
Nein
Ist mir völlig egal

Doch nach Auffassung von Martin Winter, der an der Universität Münster Materialwissenschaften lehrt, waren die Chancen der deutschen und europäischen Hersteller "noch nie so gut wie heute", den Vorsprung aufzuholen. Winter setzt wie viele auf Lithium-Ionen- Batterien als Schlüsseltechnologie für die Zukunft. In Deutschland hat man deren Stellenwert erkannt und gehandelt: Ein Konsortium aus BASF, Bosch, Evonic LiTec und VW investiert 360 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. Das Bundesforschungsministerium beteiligt sich mit 60 Millionen an der Aufholjagd.

VW hat mit der Studie Space-Up-Blue bereits einen Prototyp auf die Räder gestellt, der den Elektroantrieb der Zukunft ausloten soll. Der 45 kW starke Elektromotor wird von einer Lithium-Ionen-Batterie gespeist, die an der Steckdose oder per Brennstoffzelle nachgeladen wird. Auch Opel setzt bei Hybridfahrzeugen auf die so genannte Plug-in-Technik, die dank größerer Batterien, die mit Strom aus der Steckdose geladen werden, höhere Reichweiten im Elektrobetrieb ermöglicht. Flextreme heißt das Konzept, das Opel zusammen mit den Batteriepartnern Compactpower, Conti Automotive und A123 entwickelt hat.

Vollhybrid-Version des Q7 noch dieses Jahr

Conti-Chef Manfred Wennemer indes hat den Serieneinsatz von Lithum-Ionen-Batterien bereits für dieses Jahr angekündigt. "Damit sind wir der erste Zulieferer weltweit", sagt er. "Und zwar vor namhaften Konkurrenten." Wohl ein diskreter Hinweis auf die japanische Konkurrenz: Toyota und Partner Panasonic haben den Serieneinsatz von Lithium- Ionen-Batterien im Prius 3 wegen technischer Probleme zunächst zurückgestellt. Audi will noch dieses Jahr eine Vollhybrid-Version des Q7 auf den Markt bringen - eine Gemeinschaftentwicklung mit VW, Porsche und Bosch.

Diese Technik soll auch im neuen Porsche Panamera zum Einsatz kommen. Doch selbst bei konventionellen Verbrennungsmotoren ist noch riesiges CO2-Einsparpotenzial vorhanden. Die Zauberformel heißt HCCI, was für Homogeneous-Charge Compression-Ignition steht - Selbstzündung eines homogenen Kraftstoff-Luftgemischs. Opel hat dieses Prinzip in einem Prototyp auf Vectra-Basis mit 2,2-Liter-Ecotec- Benziner realisiert. Ein HCCI-Motor soll 80 Prozent der Effizienz eines Dieselmotors mit nur der Hälfte von dessen Kosten schaffen. Er schluckt herkömmliches Benzin und verträgt sogar E85-Ethanol.

Ein ähnliches Prinzip namens CCS – Combined Combustion System -, das VW entwickelt hat, benötigt dagegen synthetischen Kraftstoff. Mercedes hat unter dem Stichwort "Diesotto" das Selbstzünderprinzip nach HCCI-Manier ebenfalls auf den Benziner übertragen - in der Studie F 700 jedoch mit weiteren Maßnahmen zur Verbrauchssenkung kombiniert. Mercedes-Forschungschef Herbert Kohler attestiert dem Diesotto große Sparsamkeit und ein Abgasverhalten, das mit herkömmlichen Dreiwege-Kats in den Griff zu bekommen sei.

In Entwicklung fließen mehrere Millionen

Die Autohersteller lassen sich indes nur ungern in die Karten blicken, wieviel sie in Forschung und Vorentwicklung von innovativer Umwelttechnologie investieren. BMW sagt gar nichts dazu. VW spricht von einem "dreistelligen Millionen-Euro-Betrag", der in die Abgasreinigung flösse. GM Europa gibt für die nächsten fünf Jahre 700 Millionen Euro an. Und bei Ford gehen 70 Prozent der Forschungs- und Vorentwicklungsausgaben in Europa in umweltbezogene Technologien.

Thomas Weber, Forschungs- und Entwicklungsvorstand bei Daimler, spricht von 1,4 Milliarden Euro pro Jahr, die allein in Europa für Umwelt, Verbrauch und Emissionen für die gesamte Modellpalette vom Smart bis zum schweren Lkw ausgegeben würden. "Diesen Betrag werden wir nochmals deutlich steigern", verspricht er. Das ist ein Wort.

Die neue Ausgabe als PDF
SUV 01/2019, Shibata R31 Roadhouse Suzuki Jimny Suzuki Jimny Tuning Monster Truck, G-Klasse-Kopie oder Land-Rover-Klon Kia Telluride Detroit Motor Show 2019 Kia Telluride SUV (2019) Neuer großer Korea-SUV mit acht Sitzen
Promobil
Ein Tag auf dem Stellplatz So geht Stellplatz Hinter den Kulissen in Bad Dürrheim Truma adv. Gasregler/-filter Truma Neuheiten Neue Gasregler und Gasfilter
CARAVANING
Hero Camper Ranger Seite Hero-Camper von Kronings Zwei neue Modelle aus Dänemark Camping Tiroler Zugspitze Campingplatz-Tipp Zugspitze Camping an der Zugspitze
Anzeige
Alle Autos von A-Z
BMW oder doch VW?
Gebrauchtwagen Angebote