Ford Granada Turnier 2.3 GLS

Mit 1.000 Euro Budget zum Traum-Granada

Ford Granada Turnier 2.3 GLS Foto: Hardy Mutschler 16 Bilder

Der Ford Granada Turnier besticht durch seine Geräumigkeit und eignet sich daher besonders gut als Familienauto. Ein Granada-Fan aus Bayern brachte ein Modell der MK I-Ära mit geringstmöglichem Aufwand wieder auf die Straße.

"Wenn ich am Auto arbeite, steht er gleich daneben und schraubt an seinem Kinderfahrzeug", schmunzelt Tom Gütter und deutet auf seinen Sohn. Der vierjährige Alexander eifert seinen Vorbildern nach: dem Opa, der als Kraftfahrzeugmeister in einem Ford-Autohaus war, und dem Vater, der ein engagierter Hobby-Schrauber ist und sein Herz an die Ford Granada der ersten Serie verloren hat.

Granada-Sozialisation von Kindesbeinen an

Toms Granada-Euphorie begann mit der Übernahme jener zweitürigen Limousine, auf dessen Rückbank er als Kind durch die Lande geschaukelt wurde. Das morsch gewordene Stück hat er unter Anleitung seines Vaters restauriert, dann folgte ein Granada nach dem anderen.

Zunächst suchte er nur einen Ersatzmotor. "Ich habe einen, aber der steckt noch in einem Granada drin", lautete die Auskunft eines Anrufers. So kam Tom zu einem schönen Coupé, das derzeit die Garage mit zwei weiteren Ford Granada teilt, die allerdings eher der Kategorie Teileträger beziehungsweise Restaurierungsobjekt angehören. Den einen hat er seinem Besitzer während einer Tankpause abgeschwatzt, und den anderen hat er bei Ebay ersteigert. "Startgebot war ein Euro, und dafür habe ich ihn bekommen", erzählt Tom. Von drei weiteren Exemplaren, die er ergattert hat, zeugt heute sein Teilelager: Auf 30 Quadratmetern drängen sich die brauchbaren Reste der Schlachtfahrzeuge.

Tja, und dann gab es noch diesen daytonagelben, angeblich gut erhaltenen Turnier eines verstorbenen Großbauern bei Starnberg. Ein Bekannter, der mit Teilen handelt, brachte Tom auf die Spur dieses Autos und verschaffte ihm die Kontaktdaten. Der Enkel des einstigen Besitzers zeigte sich zunächst verkaufswillig, machte dann aber plötzlich einen Rückzieher und unterstellte Tom, ihm den Wagen zum Dumpingpreis aus den Händen reißen zu wollen.

Die Ausstattung war entscheidend für den Kauf

Das klang nicht nach einem Happyend, und so nahm Tom wieder Kontakt zu seinem Bekannten auf. Dem gelang es nach einem Jahr, den Granada zu kaufen, aber nun zeigte eine Dame großes Interesse an diesem Auto. Erst als sie sich nach einigen Monaten anders entschied, kam Tom endlich zum Zug. 2.000 Euro sollte der Wagen kosten.

Erst kurz zuvor hatten die Gütters ein Haus gebaut, Tom hatte das Geld eigentlich nicht übrig. Doch als er den Turnier sah, wurde er sofort schwach. "Wo bekommt man einen Kombi mit dieser Ausstattung und in diesem Zustand?", fragte er sich. Laut Service-Heft war der Erstbesitzer ein Vielfahrer, vermutlich ein Vertreter, der sich seine Touren so angenehm wie möglich gestalten wollte. Er wählte die Version GL, die ein Schiebedach beinhaltete, gönnte sich das sportliche S-Paket mit den schicken Aluminium-Rädern und garnierte den Turnier mit weiteren Annehmlichkeiten wie Automatikgetriebe und Servolenkung.

Da er gewisse Lasten beförderte, orderte er außerdem eine Niveauregulierung. Bei der Ladung muss es sich um saubere, glatte Gegenstände gehandelt haben. Die Schlingen des originalen Teppichbodens zeigen bis heute kaum Abnutzung, was auch ein Verdienst des Zweitbesitzers ist. Der hütete den Turnier mit größter Sorgfalt, und selbst als er aus Altersgründen nicht mehr am Steuer sitzen konnte, sorgte er dafür, dass sein Granada stets frisch gewartet und fahrbereit in der Garage stand.

Technik gut gewartet, übersichtliche Rostschäden

Angesichts dieses traumhaften Zustands reden wir hier weniger von einer Total- als von einer Teil-Restaurierung, die dafür belegt, mit welch geringem finanziellen Aufwand man zu einem tollen Youngtimer kommen kann. Lediglich einen Bremssattel musste Tom wieder gängig machen, ansonsten erwies sich die gut gewartete Technik als gesund. Demnächst will er aber die Ventilschaftdichtungen im Zylinderkopf erneuern. Ach ja, eine Leitung der Niveauregulierung ersetzte er noch. Der passende Ersatz stammte von einer Melkmaschine.

Um die wenigen Roststellen an der Karosserie zu beseitigen, bedurfte es eines größeren Aufwands. Tom zerlegte den Wagen und stellte beim Wegschrauben der Vorderkotflügel fest, dass es sich noch um die ersten handelte. "Das ist eine Besonderheit", bekundet er mit Stolz. Oberflächenrost entfernte er vorsichtig mit der Sandstrahlpistole, die kleinen Löcher wie etwa am Schweller schweißte er zu, schließlich hatte er schon an anderen Granada genug geübt. Etwas tragischer sah die untere Partie der Fahrertür aus, hier bat er einen befreundeten Spengler um Hilfe.

Mit 1.000 Euro Budget zum Traum-Granada

Das Fenster in der Heckklappe musste er ausbauen, um den Rost unter dem Scheibengummi restlos entfernen zu können. Die spätere Montage der Scheibe erwies sich wegen der im Dichtgummi sitzenden Zierleiste als qualvolle Fummelei, an der sich auch Vater und Schwager beteiligten. Was für ein Ärger, als dann die Heckscheibenheizung nicht funktionierte. Das Problem ließ sich nur durch die Montage eines anderen Fensters lösen. Also das Ganze noch einmal.

Das Lackieren des Turnier hatte Tom natürlich einem Fachmann überlassen, unter dessen Anleitung er in seinem Urlaub die Karosserie geschliffen hatte. Letztlich gelang es ihm, mit einem Budget von knapp 1.000 Euro auszukommen. Das kann sich sogar ein Familienvater leisten. Über die Zukunft seines Fuhrparks muss er sich übrigens keine Sorgen machen. Es kann nicht mehr lange dauern, bis Alexander statt an Kinderautos an Granadas schraubt.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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