Restaurierungslexikon (185)

Schraubenfedern - Bruchware

Wenn es geschieht, geschieht es tief im Verborgenen. Und kaum jemand achtet darauf. Gebrochene Schraubenfedern bleiben oft lange unentdeckt. Das mag daran liegen, dass sich meist das Fahrverhalten nur unwesentlich ändert; im besten Fall erspüren allein wahre Kenner den Unterschied.

Wie andere Fahrwerksteile sind auch Schraubenfedern permanent Feuchtigkeit und Temperaturdifferenzen ausgesetzt, doch dabei kaum gegen Korrosion geschützt. Das Material steht zudem permanent unter hoher Belastung. Es sollte also nicht überraschen, wenn der Stahl irgendwann nachgibt. Meist geschieht das im unteren Bereich. Nicht selten wird das abgebrochene Ende im unteren Federteller eingeklemmt und verbleibt dort.

Obwohl man beim Fahren vom Bruch meist nichts mitbekommt, hat sich die Geometrie der Achse geändert. Ein einseitiger Reifenverschleiß ist nicht auszuschließen, ebenso besteht bei McPherson-Federbeinen die Gefahr, dass das scharfkantige Ende der Feder den Reifen beschädigt.

Nicht alle Modelle gleichermaßen von Federbrüchen betroffen

"Bei Mercedes W 124-Modellen haben wir es häufig beobachet, auch beim W 140", sagt Kfz-Meister Bernd Wagner, der mit seiner Werkstatt in Ludwigshafen auf Mercedes-Benz-Modelle spezialisiert ist. Seiner Wahrnehmung zufolge hat die Anzahl an Federbrüchen zugenommen: "Heute passiert das oft bereits bei vier Jahre alten Autos."

Für den Ein- und Ausbau einer Schraubenfeder sind passende Federspanner das einzige geeignete Hilfsmittel. Fahrzeugmodelle, bei denen Feder und Stoßdämpfer getrennt montiert sind, erfordern dabei eine andere Art Werkzeug als Typen mit Federbeinen, also der Kombination aus Schraubenfeder und innenliegendem Stoßdämpfer. Während hier die Federspanner von außen in die Windungen greifen, besteht das Werkzeug bei einer separat montierten Schraubenfeder aus zwei Tellern und einer Stange. Sie lässt sich durch eine Öffnung des unteren Achsträgers einführen. Von Hand wird die Feder dann per Knarre gespannt - Schlagschrauber verbieten die Werkzeughersteller.

Mit dem richtigen Werkzeug ist der Wechsel problemlos

Wenn der Federspanner an der richtigen Stelle angesetzt wird, funktioniert der Ein- und Ausbau meist problemlos. Die Feder selbst ist an der Achse nicht befestigt, sie presst sich allein durch ihre Spannung gegen oberen und unteren Teller. Allerdings kann es nötig sein, den Stabilisator zuvor aus seiner Halterung zu lösen. Auch der Stoßdämpfer kann stören, wenn er der Achse nicht genügend Weg nach unten freigibt. Doch in diesem Fall genügt meist das Losschrauben seiner oberen Befestigung.

Wer so die Möglichkeit hat, eine Vorderachse ohne Federlast untersuchen zu können, sollte diese Chance nutzen. Denn ohne Druck offenbaren sich Verschleiß und Spiel in Traggelenken und Buchsen viel deutlicher als im Normalzustand.

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