Scuderia Ferrari

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Ferrari bestreitet 2016 seine 67. Formel 1-Saison. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 908 Grand Prix Starts, 224 Siege, 16 Konstrukteurstitel und 15 Fahrer-Champions – damit sind die Roten aus Maranello der erfolgreichste Rennstall der Grand Prix-Geschichte.

Enzo Ferrari wäre stolz auf seine Erben. Als der Firmengründer im August 1988 starb, da lag der letzte WM-Titel neun Jahre zurück und keiner ahnte, dass es noch zwölf Jahre dauern würde, bis Michael Schumacher den Rennstall aus Maranello von diesem bösen Fluch erlösen wurde. Dann gab es WM-Titel satt. Kein Team hat mehr Trophäen im Schrank als Ferrari.

Alle Erfolge aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Wir picken uns deshalb nur die Meilensteine heraus. Zum Beispiel die Geburtsstunde der Formel 1 am 13. Mai 1950 in Silverstone, an der Ferrari nicht teilnahm. Das Startgeld, das der Englische Automobilclub bot, war Enzo Ferrari zu gering. Er ließ seine Autos erst beim zweiten Grand Prix, acht Tage später in Monaco antreten. Es wurde ein voller Erfolg. Obwohl die Ferrari 125 gegen die Alfa Romeo hoffnungslos untermotorisiert waren, kam Alberto Ascari als Zweiter und Raymond Sommer als Vierter ins Ziel.

Ferrari feierte den ersten Sieg in Silverstone

1951 in Silverstone feierte Ferrari seinen ersten Sieg. Der dickliche Argentinier Froilan Gonzalez setzte den ersten Meilenstein. Ein Jahr später war Ferrari zum ersten Mal Weltmeister. Nachdem Alberto Ascari 1951 den Titel im Finale gegen Juan-Manuel Fangio wegen falscher Reifenwahl noch knapp verpasst hatte, gönnte sich der Italiener mit dem Namen eines Heldentenors gleich zwei Titel in Folge. Ferrari war mit dem Tipo 500 in den Jahren 1952 und 1953 konkurrenzlos.

Kurios verlief die Titelvergabe 1956. Mit Juan-Manuel Fangio und Peter Collins konnten noch zwei Ferrari-Piloten Weltmeister werden. Als Fangios Auto ausgefallen war, hatte es Collins in der Hand selbst Weltmeister zu werden. Doch der Engländer trat sein Auto an Fangio ab, was damals noch möglich war. Collins begründete die noble Geste damit, dass er jünger als der Argentinier sei und noch viel Zeit habe, das nachzuholen. Ein grausamer Irrtum. Zwei Jahre später starb Collins beim GP Deutschland auf den Nürburgring. Für Ferrari war es eine Saison des Triumphes und der Tränen. Mike Hawthorn holte den Titel nach Maranello, doch mit Peter Collins, Luigi Musso und Eugenio Castellotti fanden drei Ferrari-Piloten auf der Rennstrecke den Tod.

Graf Berghe von Trips starb beim Entscheidungsrennen um die WM

Tragisch endete auch das WM-Duell der Ferrari-Piloten Wolfgang Graf Berghe von Trips und Phil Hill. Beim Entscheidungsrennen stürzte Trips zu Tode. Mit dem Kalifornier Hill wurde der erste Amerikaner Weltmeister. Den letzten Lauf in Watkins-Glen schenkte sich Enzo Ferrari aus Kostengründen. Einer seiner Fahrer hatte ja bereits die Krone geholt. In den 60er Jahren fehlte Ferrari bei einigen Grand Prix. Meistens waren Metallarbeiterstreiks in Italien der Grund.

Im WM-Finale 1964 in Mexiko traten die Ferrari in den Farben des NART-Teams an. Enzo Ferrari gab kurzfristig seine Bewerberlizenz ab, aus Verärgerung darüber, dass ihm der italienische Verband die Homologation für den 250LM verweigert hatte. Den Einsatz führte die amerikanische Ferrari-Dependance durch. John Surtees gewann die Weltmeisterschaft in einem weißblauen Ferrari 158 mit einem Skandal. Sein Teamkollege Lorenzo Bandini schob Graham Hill von der Strecke, der wie Surtees noch Chancen auf die Weltmeisterschaft hatte.

Durststrecke für Ferrari

Danach fiel Ferrari in ein tiefes Loch. Das gipfelte in der Saison 1973 damit, dass die roten Autos dem GP Deutschland fernblieben. Enzo Ferrari wollte sich nicht blamieren. Der vom Engländer John Thompson gebaute 312B3 war ein Flop. Der zuvor degradierte Chefingenieur Mauro Forghieri wurde aus der Verbannung geholt, und mit ihm drehte sich langsam das Bild. Clay Regazzoni verpasste 1974 knapp den Titel.

Ein Jahr später dominierte Niki Lauda fast nach Belieben. Das 312T-Modell war auch noch 1976 ein Siegerauto. Ohne seinen Feuerunfall am Nürburgring hätte Lauda seinen Titel verteidigt. So kam es zuerst in Monza zu einem der größten Comebacks der Sportgeschichte und dann im letzten Rennen in Fuji zu einer Entscheidung ohne Kampf. Lauda stieg nach drei Runden aus, sein Gegner James Hunt wurde Weltmeister.

21 Jahre kein Titel für Ferrari

Ein Jahr später holte sich der Österreicher die WM-Krone wieder zurück. Seine Kündigung hinterließ böses Blut. Enzo Ferrari schimpfte Lauda einen Verräter. Normalerweise traf er die Entscheidung über das Schicksal seiner Fahrer. Der designierte Lauda-Ersatz Carlos Reutemann fiel schon eine Saison später in Ungnade. Jetzt sollten es Jody Scheckter und Gilles Villeneuve richten. Scheckter sicherte sich 1979 den Titel mit Konstanz. Villeneuve eroberte die Herzen mit seinem wilden Fahrstil.

Mit Scheckters WM-Titel begann Ferraris längster Leidensweg. Es sollte 21 Jahre dauern, bis man in Maranello wieder jubeln durfte. 1982 lag die Weltmeisterschaft zum Greifen nah. Zwei schwere Unfälle beendeten den Traum. Villeneuve starb in Zolder. Didier Pironis Karriere endete mit einem Crash in Hockenheim. Die Konstrukteurstitel 1982, 1983 und 1999 waren nur ein schwacher Trost.

Tifosi sind leidensfähig

Doch Niederlagen schweißen zusammen. Der Mythos Ferrari begründet sich auch darin, dass Ferrari nie aufgab. Die Tifosi erwiesen sich als leidensfähig, die Geschäftsführung in Maranello weniger. Nach Enzo Ferraris Tod wurden die Rennleiter wie die Hemden gewechselt.

Erst mit Jean Todt kam wieder Konstanz in die Partie. Der Franzose heuerte am 4. Juli 1993 als neuer Capo an. Er holte Michael Schumacher, die Ingenieure Ross Brawn, Rory Byrne und Motorenkonstrukteur Gilles Simon an Bord, führte preussische Disziplin ein, stellte die politischen Ränkespiele ab und stand am 8. Oktober 2000 am Ziel seiner Wünsche. Michael Schumacher erlöste Ferrari von einem bösen Fluch. „Hätten wir es in dem Jahr nicht geschafft, wäre das Team auseinandergebrochen“, gibt Todt noch heute zu.

Mit Michael Schumacher platzt bei Ferrari der Knoten

Eine lange Durststrecke schlug in die erfolgreichste Phase des Rennstall in seiner Formel 1-Geschichte um. Schumacher gewann fünf Mal in Folge den Titel. Ein Ferrari an der Spitze war ein gewohntes Bild. Man begann sich zu fragen, wer diese Siegesmaschinerie je stoppen sollte. Die Antwort gaben die Beteiligten selbst. Das Dreamteam zerfiel. Erst gingen Michael Schumacher und Ross Brawn von Bord. Dann verabschiedeten sich Rory Byrne und Motorenchef Paolo Martinelli. 2008 übergab Jean Todt den Staffelstab an seinen langjährigen Teammanager Stefano Domenicali. Zuvor hatte er mit Kimi Räikkönen noch einen WM-Titel abgeräumt. Den bislang letzten.

Danach sollte es Fernando Alonso richten. Seit 2010 ist der Spanier der neue Messias. Viele im Team sehen in Alonso bereits die Reinkarnation von Michael Schumacher. Im ersten Jahr war der Spanier schon ganz nah am Titel dran. Im dramatischen Finale von Abu Dhabi wurde der zweifache Champion noch von Sebastian Vettel ausgebremst.

2011 folgte ein weiterer Rückschritt. Das Auto zu konservativ, die Konkurrenz von McLaren und Red Bull zu stark. Wieder nur Rang drei im Konstrukteurspokal. Vom Fahrertitel war man weiter entfernt denn je. Gegen Vettel war erneut kein Kraut gewachsen. Doch die Ferrari-Geschichte lehrt: Aufgeben gibt es in Maranello nicht.

Das zeigte sich auch 2012. Das nun radikaler gestaltete Auto fuhr zu Saisonbeginn nur hinterher. Doch die Ingenieure brachten die rote Göttin innerhalb weniger Monate wieder auf Vordermann. Fernando Alonso trug mit einer fehlerfreien Saison seinen Teil bei, dass Ferrari wieder ein Wörtchen bei der Titelvergabe mitsprechen durfte. Nach dem Rennen in Monza führte der Spanier die WM mit 37 Zählern Vorsprung an und sah bereits aus wie der sichere Weltmeister. Doch in einem spannenden Schlussspurt fing Sebastian Vettel seinen Konkurrenten erneut ab.

Nach der knappen Niederlage 2012 wurde es 2013 wieder eine deutliche Angelegenheit. Schon zu Beginn des Jahres wurde klar, dass die Italiener in Sachen Speed nicht mit der Konkurrenz mithalten können. Nur dank des schonenden Umgangs mit den sensiblen Pirelli-Reifen gab es immerhin 2 Rennsiege in China und Spanien. Die Pole Positions teitlen sich Red Bull und Mercedes auf, die auch die beiden ersten Plätze in der Teamwertung belegten. Alonso wurde dank seiner individuellen Klasse und Konstanz immerhin zum 3. Mal in 4 Jahren Vizemeister.

Ferrari-Umbruch mit Vettel-Verpflichtung

Die lange Zeit ohne Titel ließ den Druck bei der Scuderia immer weiter steigen. Als erste Konsequenz wurde Ingenieur James Allison von Lotus verpflichtet. Auch das Fahrerpersonal wurde ausgetauscht. Für Felipe Massa kam für die Saison 2014 wieder Kimi Räikkönen an Board. Doch die Maßnahmen führten nicht zu einem schnellen Erfolg. Nach schwachem Saisonstart wurde auch noch Teamchef Stefano Domenicali durch Marco Mattiacci ersetzt. Da auch der ehemalige Ferrari USA Manager das Ruder nicht rumreißen konnte, gab es nach der Saison mit Maurizio Arrivabene den dritten Teamchef in 8 Monaten.

Auch Firmen-Präsident Luca di Montezemolo musste 2014 seinen Hut nehmen. Nach der Saison, die das Team im Konstrukteurspokal auf Rang 4 abschloss, wurden zudem viele leitende Ingenieure ausgetauscht, darunter auch Technikchef Pat Fry und Motorenchef Luca Marmorini. Auch von Starpilot Fernando Alonso trennte man sich. Dafür wurde Sebastian Vettel verpflichtet.

Der Deutsche Vierfach-Weltmeister will die Scuderia wie Michael Schumacher in den 90er Jahren aus der Krise zurück an die Spitze führen. In der Saison 2015 halft der Deutsche immerhin dabei, dass eine deutliche Wende erkennbar war. Schon in seinem zweiten Rennen in Rot in Malaysia fuhr Vettel zum Sieg. In Ungarn und Singapur kamen noch 2 weitere Erfolge dazu. Das war mehr als man erwarten konnte.

In den anderen 16 Rennen blieb Ferrari aber zumeist keine Chance gegen Mercedes. In der WM-Wertung musste sich die Scuderia mit Rang 2 zufrieden geben. Nach einem enttäuschenden Jahr 2016 ohne einen einzigen Sieg schöpften die Ferrari-Fans 2017 wieder Hoffnung. Nach verheißungsvollem Beginn ging Vettel im Endspurt gegen Hamilton aber die Luft aus. Am Ende fehlten dem Vizemeister nur 46 Punkte auf Hamilton. Es geht in die richtige Richtung.

Stand: 01/2018

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