Sebastian Vettel

Sebastian Vettel - Porträt - Formel 1 - 2017 Foto: xpb

Sebastian Vettel hat sein Poster von Michael Schumacher schon lange abgehängt. Als vierfacher Formel-1-Weltmeister ist der Ferrari-Pilot endgültig aus dem langen Schatten des Rekordchampions gefahren. Der Youngster durchläuft eine Bilderbuch-Karriere im Eiltempo.

„Sebastian Vettel ist genauso intelligent wie Michael. Supertalentiert ist er auch. Und er ist vor allem ein verdammt netter Kerl“, meinte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone schon kurz nach dem Formel 1-Einstieg des Heppenheimers. Jung, schnell, sympathisch – einen besseren Botschafter als Vettel konnte sich der Zampano für sein PS-Spektakel kaum wünschen.

Rekordmann Sebastian Vettel

Der Zimmermannssohn aus Hessen raste schon als Formel-1-Lehrling in die Rekordbücher der Königsklasse. Jüngster Pilot auf Pole Position, jüngster Spitzenreiter in einem Grand Prix, jüngster Rennsieger und jüngster Weltmeister, jüngster Zwei-, Drei- und Vierfach-Weltmeister, die meisten Pole Positions in einer Saison – vor Vettel scheint kaum eine Bestmarke sicher. „Jung-Siegfried“, wie ihn Red-Bull-Firmenchef Dietrich Mateschitz einmal nannte, dominierte die Vollgas-Branche lange Zeit wie einst sein Vorbild Schumacher.

„Ich bin überzeugt, dass Sebastian Vettel als Kind und Jugendlicher genau jeden Schritt meiner Karriere verfolgt hat und heute davon profitiert“, sagte Schumacher schon nach dem ersten WM-Titel seines legitimen Nachfolgers und erklärte: „Sebastians Stärke ist, dass er im richtigen Moment die richtigen Fäden zieht und das Maximum aus sich herausholen kann.“

Sebastian Vettel wird erwachsen

Beatles-Fan Vettel, der traditionell auf einen Manager verzichtet, ist mittlerweile erwachsen geworden. Die Rückschläge, die den Wahl-Schweizer bis zu seinem ersten Titelgewinn 2010 immer wieder ausbremsten, haben ihn reifen lassen – auch wenn er abseits der Strecke noch immer den schlagfertigen Lausbuben gibt. „Ich habe meine Lektionen gelernt“, sagt Vettel, der auf den beißenden britischen Humor der Monty-Python-Truppe abfährt. „Sebastian macht keinen Fehler zweimal“, lobte sein Ex-Teamchef Christian Horner einmal.

Schon längst spricht auch der Boulevard nicht mehr vom „Baby Schumi“, sondern vom „Super Seb“. Mit dem Rennsport-Virus hat ihn Vater Norbert infiziert, der im VW Golf Bergrennen fuhr. Als Vierjähriger drehte Vettel auf dem Grundstück seines Elternhauses die ersten Runden im Eigenbau-Kart, bald mischte er bei den ersten Rennen mit.

Sebastian Vettel über BMW und Toro Rosso auf den Red Bull-Thron

Über Erfolge in der Formel BMW und der Formel 3 diente sich der Abiturient mit Notenschnitt 2,8 zum Formel-1-Testpiloten bei BMW-Sauber hoch. Bei seinem ersten Einsatz als Freitagsfahrer war er 2006 in der Türkei prompt der Schnellste. 2007 kam er in Indianapolis unerwartet zum F1-Renndebüt, weil Stammkraft Robert Kubica nicht einsatzbereit war. Für Platz 8 gab es im ersten Grand Prix direkt einen WM-Punkt.

Da im Team von BMW-Sauber aber alle Stammplätze besetzt waren, musste sich der Blondschopf weiter nach Optionen umschauen. Ende Juli 2008 bot sich dann die Gelegenheit: Toro Rosso trennte sich von Scott Speed und präsentierte Vettel als Nachfolger. Zum Grand Prix in Ungarn saß der ehemalige Red Bull-Junior erstmals im Cockpit des Teams von Gerhard Berger.

Die ersten 4 Rennen liefen allerdings enttäuschend. Erst im Regen von Japan konnte Vettel erstmals auf sich aufmerksam machen. Mit einer beherzten Fahrt ging es vor bis auf Rang 3, bevor er bei schlechter Sicht in einer Safety-Car Phase in das Heck des vor ihm fahrenden Mark Webber krachte. Ein Rennen später machte er den Fehler wieder wett, indem er in Shanghai – ebenfalls im Regen – auf Rang 4 über die Ziellinie rollte.

In der ersten kompletten Saison feierte Vettel in Monza mit dem unterlegenen Toro Rosso sensationell den ersten Sieg ein. Bei Red Bull hatte man genug gesehen. Vettel wurde für die Saison 2009 ins A-Team berufen. Mit 4 Siegen und WM-Platz 2 hinter Jenson Button zahlte der Youngster das Vertrauen zurück.

4 WM-Titel in Folge

2010 kam es noch besser. In einem dramatischen Finale sicherte sich der Heppenheimer im Duell mit Fernando Alonso den Titel. 2011 folgte direkt der zweite Streich – dieses Mal weniger dramatisch sondern mit elf Siegen und 15 Pole Positions in dominanter Manier.

2012 machte es der Red Bull-Pilot dann zur Freude der neutralen Fans wieder etwas spannender. Ein zögerlicher Saisonstart und zwischenzeitliche Technik-Probleme sorgten zur Sommerpause für einen scheibar unaufholbaren Rückstand. Doch mit einem unnachahmlichen Schlussspurt zog Vettel kurz vor Saisonende an Dauer-Konkurrent Alonso vorbei. In einem dramatischen Sao Paulo-Krimi, bei dem Vettel in eine Kollision verwickelt wurde, kämpfte er sich gerade so auf Rang 6 ins Ziel – genug für den Titel-Hattrick.

Titel Nummer 4 in der Saison 2014 wurde dann wieder eine klare Angelegenheit. Die größte Spannung der Saison 2013 ergab sich aus der Frage, welche Bestmarken Vettel knacken kann. Mit einer unglaublichen zweiten Saisonhälfte schnappte er sich den Rekord für die meisten Siege in Folge – 9 Mal gewann der Red Bull-Pilot von Spa bis Sao Paulo.

Für Vettel hätte es immer so weitergehen können. Doch 2014 lernte der Dauer-Champion auch die andere Seite der Medaille kennen. Mit dem neuen Motorenreglement fuhr Red Bull plötzlich nur noch hinterher. Dazu kam mit Daniel Ricciardo ein neuer, aufmüpfiger Teamkollege, der Vettel das Leben mehr als nur schwer machte. Pole Positions oder Siege gab es plötzlich nicht mehr für Vettel. Die Titelverteidigung war schnell abgehalt. Am Ende gab es nur Rang 5 im Klassement.

Vettel wechselt 2015 zu Ferrari

Vettel ergriff die Gelegenheit beim Schopf und verabschiedete sich dank Ausstiegsklausel von Red Bull. Kurz vor dem WM-Finale in Abu Dhabi wurde der Heppenheimer offiziell als neuer Ferrari-Pilot für die Saison 2015 bekanntgegeben. Auf den Spuren von Michael Schumacher wollte Vettel die Scuderia wieder zu Erfolgen führen. Dieses Vorhaben klappte schon im zweiten Rennen in Malaysia, als Vettel den ersten Sieg in Rot feierte. In der ersten Saison für das Team aus Maranello landete Vettel insgesamt 3 Erfolge – mehr als vorher erwartet. Zum Titel reichte es allerdings nicht. Am Ende musste sich der Scuderia-Pilot nur den beiden Mercedes-Fahrern geschlagen geben.

Pechsträhne bei Ferrari?

2016 bildeten Vettel und Räikkönen erneut das Ferrari-Fahrerduo. Der Saisonauftakt lies auf eine vielversprechende Saison blicken.Vettel führte das erste Rennen in Australien in der ersten Hälfte an, wurde aber leider nur Dritter. Beim folgenden „Großen Preis von Bahrain“ fiel Vettel bereits vor dem Start aus. Bei den Rennen in Kanada und Europa erzielte er jeweils den zweiten Platz. Im Ferrari-Heimrennen in Italien und beim Saisonabschluss in Abu Dhabi erreichte er mit Platz drei ebenfalls das Podest. Vettel behauptete sich am Ende der Saison mit 212 zu 186 Punkten gegenüber Räikkönen und wurde Vierter im Gesamtklassement und stand sieben Mal auf dem Podium. Für beide Ferrari-Fahrer blieb der Sieg in der Saison 2016 leider aus.

Keiner erwartete, dass es 2017 plötzlich besser würde. Doch die große Regelreform spülte die Scuderia zu Saisonbeginn auf ein Niveau mit Mercedes. Mit Siegen in Australien, Bahrain, Monaco und Ungarn konnte Vettel als Spitzenreiter in die Sommerpause gehen. Doch am Ende des Jahres ging Ferrari die Luft aus. Probleme mit der Technik und eine unnötige Kollision mit Teamkollege Räikkönen in Singapur sorgtren am Ende dafür, dass sich Hamilton locker zum vierten Mal die WM-Krone aufsetzen konnte.

(Stand: 03/2018)

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