Neue Geely-Fabrik in China

Weg frei für den Lotus-SUV

Lotus Exige Cup 380, Exterieur Foto: Hans-Dieter Seufert 29 Bilder

Der chinesische Autobauer Geely will in Wuhan City ein neues Werk errichten. Dort sollen auch Autos von Tochterfirma Lotus gebaut werden. Es ist der nächste Schritt auf dem Weg zu einem SUV von Lotus. Zudem gibt es eine Kooperation mit Williams.

In der Automobilbranche gehört Lotus zu den kleinen Fischen. Im Vorjahr verkaufte der englische Sportwagenbauer 1.630 Exemplare seiner Baureihen Elise, Exige und Evora. Zum Vergleich mal ein Seitenblick auf andere Sportwagenhersteller: McLaren verkaufte im Vorjahr 4.806 Sportwagen, Lamborghini 5.750. Davon allein 1.761 Stück vom Urus. Und das in nur einem halben Verkaufsjahr. Lamborghini liefert den Performance-SUV seit Juli 2018 aus.

Das Geschäft mit dem Sport Utility Vehicle ist lukrativ. Selbst für klassische Sportwagenbauer. Porsche hatte es mit Cayenne vorgemacht, inzwischen haben die meisten nachgezogen. Lotus wird einer der nächsten sein. Das ist spätestens seit der Machtübernahme durch den chinesischen Konzern Geely klar. Es fehlt nur die offizielle Bestätigung.

Wiederaufstieg mit Geely

Ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters legt nahe, dass die Weichen für den Bau des Lotus-SUV bereits gestellt sind. Geely baue für 9 Billionen Yuan, das sind nach derzeitigem Wechselkurs mehr als 1,16 Milliarden Euro, eine neue Fabrik in Wuhan City. Dort sollen Elektroautos, Hybride und Verbrenner vom Band rollen. Darunter auch Lotus-Modelle. Es seien bereits 20 Stellen ausgeschrieben für Fachkräfte, die sich rein mit der britischen Traditionsmarke beschäftigen werden, heißt es im Reuters-Bericht.

In einer Stellungnahme dazu äußert sich Lotus: „Mit der Unterstützung von Geely erlebt Lotus Cars einen aufregenden Wiederaufstieg. Die weltweite Erweiterung der Markenpräsenz ist ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie. Die Heimat von Lotus Sportscar Manufacturing and Engineering ist der Hauptsitz des Unternehmens in Hethel in Norfolk, Großbritannien. Details zu weiteren Standorten und Modellen werden zu gegebener Zeit bestätigt.“

Lotus Exige Cup 430 - Sportwagen - Mittelmotor - V6 - Fahrbericht Foto: Jarowan Power / Lotus
Klassische Lotus-Sportwagen werden weiterhin in Hethel bei Norwich gebaut.

Lotus soll Premium werden

Da muss man nicht einmal zwischen den Zeilen lesen: Die Lotus-Produktion wird expandieren, das Werk in Wuhan City gebaut. In China zu produzieren, davon hatte bereits Ex-Geschäftsführer Jean-Marc Gales gesprochen, den Geely mittlerweile gegen CEO Phil Popham ausgetauscht hat. Geely will mit Lotus raus aus der Nische, und die britische Traditionsmarke moderner und edler machen. Ein bisschen so, wie man es mit Volvo in einem anderen Segment getan hat. Lotus soll sich zu einer Premium-Sportwagenmarke entwickeln. Man orientiert sich an Porsche. Auf der anderen Seite will Geely selbst durch das neue Werk einen Qualitätssprung machen.

Die Stückzahlen sollen und müssen hochgefahren werden bei Lotus. Das Zugpferd soll ein SUV sein. „Leicht, breit, schnell, aerodynamisch ausgefeilt“, soll der sein, hatte Jean-Marc Gales bereits gesagt. Für ein solches Projekt braucht Lotus Platz. Das Werk in Hethel, indem Elise, Exige und Evora gebaut werden, müsste dafür umgebaut und erweitert werden. So wie es Lotus 1966 von Cheshunt nach Hethel zog, um Platz für den Mittelmotorsportwagen Europa zu haben, zieht es die Marke jetzt nach Asien. Konzernsynergien nutzen, Kosten sparen. So viel ist klar: Die reinen Sportwagen wird Lotus weiterhin in Hethel, nahe Norwich bauen. Dafür gibt es auch ein klares Bekenntnis von Geely.

Erst offenlegen, wenn spruchreif

Die Chinesen investieren. 2018 wurden bei Lotus 289 offene Stellen besetzt. In allen Firmenbereichen, also auch mit Ingenieuren. 2019 sollen weitere 182 Personen eingestellt werden. Es soll ein neues Museum auf dem Werksgelände entstehen. Dazu ein Erlebniszentrum für Kunden. Man hört, die Chinesen verfolgen die Strategie, mit Lotus die Traditionskarte zu spielen. Man will an die Erfolge der Vergangenheit erinnern, an das Erbe von Colin Chapman. Das gilt für den Motorsport wie für die Straßensportwagen, an Charaktere wie zum Beispiel Seven, Elite, Elan, Esprit, Eclat und Elise.

Lotus Museum & Heritage Center - Hethel Foto: Lotus
So soll das Museum & Heritage Center in Hethel aussehen.

Die Marke Lotus soll gestärkt werden durch die Vergangenheit. Und mit einem SUV will man die Brücke in die Zukunft schlagen. Man munkelt, dass es bei dem einen Modell nicht bleiben bleiben soll. Denkbar wäre zum Beispiel ein Hybridsportwagen oder reiner Elektrosportwagen „made in China“. Ein Link wäre bereits vorhanden mit Volvos Elektro-Performance-Marke Polestar. Der Polestar 1 mit zwei E-Motoren und einem Vierzylinder (Systemleistung von 600 PS) soll noch in diesem Jahr produziert werden. Da sind Knowhow und Bausteine vorhanden, auf denen Lotus aufbauen könnte. Nichts, was im Werk Wuhan City sofort angegangen werden würde, aber in drei bis vier Jahren vielleicht.

In die gleiche Kerbe schlägt auch die neue strategische Partnerschaft mit Williams Advanced Engineering. Die Briten sollen Lotus mit ihrem Konstruktions-Know-How, aber vor allem mit ihrer Expertise im Bereich Elektroantriebe unterstützen.Williams stellt unter anderem die Batterien für die Elektroautorennserie Formel E.

Bislang arbeiten sie bei Lotus hinter verschlossenen Türen am Fahrplan der nächsten Jahre. Wenig bis gar nichts dringt nach außen. Das dürfte vor allem der neuen Firmenkultur durch die chinesischen Eigner geschuldet sein. Nach dem Motto: erst offenlegen, wenn es wirklich spruchreif ist. Das traf die letzten 70 Jahre, in denen Lotus Sportwagen gebaut hat, nicht immer zu.

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