7/2019, ADAC Studie Ladesaeulen Tiefgaragen Pixabay

ADAC-Studie zur Elektromobilität

Keine Lademöglichkeiten in Tiefgaragen

Die wenigsten Menschen,die in Mehrfamilienhäusern wohnen und einen Tiefgaragenstellplatz nutzen, können dort ihr Elektroauto nachladen. Es fehlt an Stromanschlüssen und Wallboxen. Änderung ist nicht in Sicht.

In der schönen neuen Welt des Marketings laden Fahrer und Elektroautos ihre Fahrzeuge auf Reisen in einer halben Stunde an Schnellladesäule zu 80 Prozent auf, während sie einen leckeren Kaffee genießen, zu Hause erledigt die Wallbox die Stromversorgung in einigen Stunden, während das Auto in der Garage oder im Carport parkt.

Die Realität sieht anders aus, vor allem dort, wo die Marktchancen für Elektroautos am größten sind. Der Großstadtmensch als Kunde, der im Stopp-and-Go-Verkehr die Energierekuperation des Antriebs maximal ausnutzen kann und dessen tägliche Pendelstrecken keinerlei Reichweitenangst aufkommen lassen, hat meist nicht die Möglichkeit, ein Elektroauto aufzuladen.

Mangelndes Interesse

Eine aktuelle Studie des ADAC zeigt auf, dass selbst Bewohner von Mehrfamilienhäusern, die einen eigenen Tiefgaragenstellplatz benutzen können, dort nur in den wenigsten Fällen eine Lademöglichkeit vorfinden. In elf deutschen Städten – Berlin, Bremen, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München und Stuttgart – hat der Verkehrsclub 1.410 Immobilienunternehmen befragt, wie insgesamt 4.815 Tiefgaragen mit jeweils mehr als zehn Stellplätzen betreiben.

Der Studie zufolge verfügen gerademal vier Prozent der Tiefgaragen überhaupt über einen Stromanschluss. Nur die Hälfte davon bietet mindestens eine Wallbox oder Ladesäule für die Mieter oder Eigentümergemeinschaft an.

Der Grund liegt nur zum Teil im Alter der Immobilienprojekte, die zu einer Zeit entstanden, als Elektromobilität und die dazugehörige Ladeinfrastruktur noch keine Rolle bei der Planung spielten. Neben hohen Kosten, sei es für die Nachrüstung oder für die Installation beim Neubau, machen die Unternehmen auch technische Probleme, regulatorische Unsicherheiten und, als Hauptgrund, „das nicht geäußerte Interesse seitens der Mieter und Eigentürmer“ für die Situation verantwortlich.

Kaum Besserung in Sicht

7/2019, ADAC Studie Ladesäulen
7/2019, ADAC Studie Ladesäulen 7/2019, ADAC Studie Ladesäulen 7/2019, ADAC Studie Ladesäulen

„Unter diesen Umständen wird es kaum gelingen, die Elektromobilität für alle Interessierten nutzbar zu machen“, kritisieren die ADAC Vizepräsidenten für Verkehr und Technik Gerhard Hillebrand und Karsten Schulze. Sie fordern: „Es ist deshalb notwendig, die Installation von Ladeinfrastruktur in Bestandsimmobilien zu erleichtern und das Miet- und Wohneigentumsrecht anzupassen. Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz sollte noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf vorlegen“.

Eine schnelle Verbesserung der Ladeinfrastruktur scheint nicht in Sicht. Dem ADAC zufolge plant nur ein Viertel der befragten Immobilienunternehmen die Einrichtung von Lademöglichkeiten innerhalb der nächsten drei Jahre. Nur 13 Prozent haben bereits konkrete Pläne, die innerhalb der kommenden 12 Monate realisiert werden sollen.

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