VW I.D. Buzz Cargo (2018) VWN

Investitionen in die Elektromobilität

Keiner gibt mehr Geld aus als VW

Eine Analyse zeigt: Die deutsche Autoindustrie, allen voran VW und Daimler, gibt in den kommenden Jahren mehr Geld für die Entwicklung von E-Autos aus als jede andere Nation. Das Geld fließt vor allem nach China.

Aktuell haben China und die USA bei der Elektromobilität die Führungsrolle inne, und zwar klar und deutlich. Das zeigt eine aktuelle Studie des Center of Automotive Management (CAM), über die auch auto motor und sport berichtete. Hauptgrund dafür sind jeweils die einheimischen Hersteller: 95 Prozent aller in China verkauften Elektroautos werden auch dort produziert, in den USA ist das neue Tesla Model 3 das Zugpferd. Deutschland hinkt dagegen hinterher: Der E-Auto-Markt ist klein und wächst im Vergleich langsam, und die einheimischen Hersteller haben kaum attraktive Produkte im Angebot.

Deutschland und VW sind deutlich vorne

Volvo XC60, Ladestecker T8
Alternative Antriebe

Das soll sich ändern, und zwar grundlegend. Indikator für den neuen Ansatz der deutschen Autoindustrie, massiv auf die E-Mobilität zu setzen, sind die dafür geplanten Investitionssummen. Die Nachrichtenagentur Reuters hat diese in einer Analyse verglichen und herausgefunden, dass kein Autohersteller in den nächsten fünf bis zehn Jahren so viel Geld investieren wird wie Volkswagen. Demnach stecken die 29 weltweit größten Autokonzerne in diesem Zeitraum insgesamt rund 300 Milliarden Dollar in die Entwicklung neuer Elektroautos. Fast ein Drittel, nämlich 91 Milliarden Dollar, entfällt auf den Volkswagen-Konzern. Daimler plant „nur“ 42 Milliarden Dollar ein. Zum Vergleich: General Motors, der größte US-Autokonzern, will lediglich acht Milliarden Dollar investieren.

Verglichen nach Ländern liegt Deutschland klar vorne: Die hiesigen Autohersteller planen mit einem Investitionsvolumen von 139,5 Milliarden Dollar, also fast der Hälfte der weltweiten Gesamtsumme. Nach VW und Daimler kommt allerdings lange nichts, BMW plant mit lediglich 6,5 Milliarden Dollar. Es folgen China (57 Milliarden Dollar), die USA (39), Japan (24,3) und Südkorea (20). Erst dann kommt mit Frankreich (10,8) ein weiteres europäisches Land.

Tesla investiert „nur“ zehn Milliarden Dollar

Elektrochemie der Batterien
Alternative Antriebe

In der Hersteller-Rangliste landet Hyundai-Kia mit einem Investitionsvolumen von 20 Milliarden auf Platz drei der Rangliste hinter VW und Daimler. Dahinter folgt mit Changan (15) der erste chinesische Hersteller. Toyota führt die japanische Industrie an (13,5), Ford ist mit elf Milliarden das amerikanische Zugpferd. Überraschend weit hinten landet Elektroauto-Pionier Tesla mit zehn Milliarden Dollar.

Ohne Partnerschaften untereinander wären solche Summen nicht zu stemmen. VW blickt dafür vor allem nach China, die Hälfte des niedersächsischen Geldes (45,5 Milliarden Dollar) soll in die Volksrepublik fließen. Hier werden Elektroautos vom Staat mit finanzieller Unterstützung und weiteren Anreizen stark gefördert, um die massiven Schadstoffprobleme in vielen Städten in den Griff zu bekommen. Und VW arbeitet hier bereits mit einheimischen Firmen zusammen, betreibt Joint Ventures mit den Konzernen SAIC und FAW. Auch viele andere internationale Autobauer wollen besonders in China ihr E-Auto-Geschäft vorantreiben: Allein 135 der insgesamt 300 Milliarden Dollar sollen hier investiert werden – ein Anteil von 45 Prozent.

Der politische Druck auf die Autohersteller wächst

Aber auch in Europa ändern sich die Rahmenbedingungen. In immer mehr Großstädten werden Diesel-Fahrverbote umgesetzt oder zumindest diskutiert. Immer öfter wird über City-Maut-Modelle wie in London, wo nur elektrifizierte Autos kostengünstig in die Innenstadt dürfen, nachgedacht. Und schließlich gibt es die neuen CO2-Vorgaben. Ab 2021 darf der Flottenausstoß eines Herstellers nur noch bei 95 g/km liegen, bis 2030 muss dieser Wert nochmals um 37,5 Prozent gedrückt werden. Ohne weitgehende Elektrifizierung der Modellpaletten ist das nicht zu schaffen. Auch deshalb nimmt die Industrie viel Geld in die Hand, um attraktive Modelle zu entwickeln.

Die für die Analyse herangezogenen Zahlen beziehen sich auf öffentliche Bekanntmachungen der Autohersteller aus den letzten zwei Jahren. Den Autoren der Studie zufolge dürften die tatsächlichen Ausgaben für Forschung, Entwicklung und Beschaffung allerdings deutlich höher ausfallen. Zudem habe man die Ausgaben von Zulieferern und großer Unternehmen anderer Branchen – etwa der großen Tech-Konzerne oder Batteriehersteller – nicht berücksichtigt.

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