Elektro-Harley Harley-Davidson LiveWire Serienversion Harley-Davidson

Harley-Davidson LiveWire im Fahrbericht

Elektro-Harley in der 105-PS-Serienversion

Harley-Davidson bringt mit der LiveWire sein erstes Elektromodell an den Start. Diese E-Harley überrascht mit einer Fahrdynamik, wie man sie von den Amerikanern bislang nicht kannte. Wir sind die Serienversion gefahren.

Dass gerade Harley-Davidson als erster großer Motorradhersteller ein Elektromotorrad für die Straße in Serie bringt ist schon eine kleine Sensation. Wobei: ganz überraschend kommt das nicht. Bereits 2014 startete Harley mit dem Prototypen „Projekt Livewire” einen Testballon, der um die Welt zog, um mal die allgemeine Lage in Sachen Elektro-Harley rauszufinden. Und die scheint nicht so schlecht zu sein, denn nun wurden uns in Portland die Serienversion der E-Harley LiveWire präsentiert.

Harley-Davidson Livewire - Fahrbericht
5:16 Min.

Elektro-Harley mit 105 PS und 114 Nm

Ein paar Anpassungen hatte die globale Feldstudie zur Folge: Aus 74 PS und 70 Newtonmetern sind nun derer 105 PS und 114 Nm geworden. Der Akku wurde zwar nie beziffert, hat aber mit 15,5 Kilowattstunden auch an Kapazität gewonnen. Rauf ging auch das Gewicht: Statt 210 werden nun 249 Kilogramm angegeben, was in Harley-Dimensionen immer noch als fast schlank gilt.

Harley-Davidson LiveWire Serienbike
Harley-Davidson
Schmale Linie: Sitzposi­tion und Ergonomie des Einsitzers erinnern ein wenig an die Harley-Davidson Street 750, sind also für eine Harley auf der sportlichen Seite.

Ein Wert ist aber auch kleiner geworden, und das ist höchst erfreulich: Statt 3,5 Stunden benötigt eine vollständige Strombetankung über den DCFC (DC Fast Charge)-Schnelllader nur 60 Minuten. In 40 Minuten gibt es 80 Prozent Batteriekapazität. An der heimischen Steckdose dauert es freilich etwas länger. Da gibt es pro Stunde gut 20 Kilometer Reichweite. Glücklicherweise wird es bei jedem Harley-Händler, der die LiveWire vertreibt eine Schnellladestation geben. Im ersten Jahr ist deren Nutzung sogar kostenfrei, danach wird ein Abomodell nötig.

Traktionskontrolle, Wheelie-Kontrolle, ABS und Fahrmodi

An der für Harley-Verhältnisse kompakt-gedrungenen Linie wurde nur im Detail Hand angelegt. Details, die größtenteils gefallen und immer noch einen Hauch von typischer Milwaukee-Rustikalität vermitteln, wenn man sich beispielsweise die Blinkerkabelverlegung oder die Spaltmaße der Tankverkleidung genauer ansieht. Ansonsten nur gute und hübsch anzuschauende Ware an der Elektro-Harley: Brembo Monobloc-Zangen, voll einstellbare Showa-Federelemente, hochauflösendes Farb-TFT mit Touchscreen, dazu noch modernste Elektronik mit einstellbarer Traktionskontrolle, Wheelie-Kontrolle, ABS und Fahrmodi, dank 6-Achsen-IMU sogar alles schräglagensensitiv.

Harley-Davidson LiveWire Serienbike
Harley-Davidson
Die Elektro-Harley kommt mit modernen Assistenzsystemen und einem hochaufgelösenden Farb-TFT-Display mit Touchscreen.

Kein übertriebener Aufwand, wie der erste Fahreindruck zeigt, denn dieses Schwermetall aus Milwaukee knallt so dermaßen, wie man es in der Welt der drehfaulen Schütteleisen noch nicht kannte. Der Motor schiebt mit einer Unmittelbarkeit nach vorne, wie es nun mal nur die Kraft der Elektrizität vermag, und zwar immer und überall. Drehzahl, Gangwahl, Kuppeln: Um all diese Dinge muss man sich keine Gedanken mehr machen. Wer Wind am Gasgriff sät, erntet Sturm, und zwar in feinster Darbietung. Die Gasannahme ist in jedem der vier Fahrmodi absolut störungsfrei.

Bremsen, Fahrwerk, Reifen, Ergonomie

Mangels Sound merkt der Fahrer oft nicht, wie schnell er unterwegs ist – bis die nächste Kurve wie aus dem Nichts vor einem die Biege macht. Was uns direkt zum Thema Bremsen führt, die bei der Harley-Davidson LiveWire Grund zur Freude sind: Die Brembos fangen die Fuhre zuverlässig ein, auch wenn der erste Biss etwas zahm ist, dann geht es ohne große Mühen in den Radius. Neutral, vertrauenserweckend und sehr viel einfacher, als es 249 Kilo vermuten lassen.

Harley-Davidson LiveWire im Fahrbericht: Serienversion der Elektro-Harley

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Kritik gibt es nur auf hohem Niveau: Das Fahrwerk reagiert auf kurze Unebenheiten etwas rustikal und schwingt bei ambitionierter Fahrweise leicht nach. Ein paar Drehs und Klicks an der voll einstellbaren Hardware sollten zumindest Letzteres eindämmen können. Und auch die Reifenwahl kann glücklicherweise anders ausfallen. Die Michelin Scorchers wurden zwar extra neu abgestimmt, im Kern ist das aber immer noch ein auf Laufleistung getrimmter Reifen, der sattes Anlehngefühl sowie transparentes Feedback vermissen lässt.

Die kompakte Ergonomie ist gelungen und bietet satten Vorderradbezug, leider erlaubt der stark konturierte Sattel kaum Platz für leichte Turnereien, zu denen die Harley-Davidson LiveWire durchaus ermutigt.

LiveWire ab September 2019 für 32.995 Euro

Hat man sich um diese Details gekümmert, hält man ein Fahrdynamikpaket zwischen den Händen, das nicht nur mit den jüngst aufmunitionierten Elektromotorrädern von Zero und Energica mithalten kann, sondern auch mit sportlichen Naked Bikes aus der Verbrennerwelt. Auch was die Reichweite angeht: Selbst bei der sehr flotten Ausfahrt ergaben sich etwa 100 Meilen, also gut 160 Kilometer. Harley spricht von bis zu knapp 240 Kilometern im reinen Stadtbetrieb.

Harley-Davidson LiveWire Serienbike
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Die Harley-Davidson LiveWire gibt es in Orange, gelb und Schwarz. Sie wird ab 32.995 Euro kosten und ab Herbst 2019 in Deutschland auf den Markt rollen.

Gewohnt deftig ist die Preisansage: 32.995 Euro sind auch angesichts der nicht günstigen Elektro-Konkurrenz eine Ansage. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, wird ab September 2019 beim Harley-Dealer seines Vertrauens fündig auf der Suche nach Zukunft. Weitere auf dem nun “Revelation” genannten E-Antrieb basierende Modelle sollen bald folgen.

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