12/2021, L-Charge mobile Ladestationen für Elektroautos L-Charge / Facebook
12/2021, L-Charge mobile Ladestationen für Elektroautos
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Mobile Ladestationen von L-Charge: Kraftwerk für die Ladefläche

Mobile Ladestationen von L-Charge Kraftwerk für die Ladefläche

Das russische Start-up L-Charge hat mobile Ladestationen für Elektroautos entwickelt. Für das Konzept sind ungewöhnliche Energieträger nötig.

Die Ideen, wie Innenstädte mit der nötigen Ladeinfrastruktur für Elektroautos ausgestattet werden sollen, sind vielfältig. Doch egal, ob es sich um klassische Ladesäulen am Parkplatzrand, Wallboxen in Tiefgaragen und Parkhäusern oder Steckdosen in Straßenlaternen handelt, es gibt immer ein Manko: Die Ladepunkte sind an ihren jeweiligen Ort gebunden; das Elektroauto muss zu ihnen kommen, um mit frischer Energie versorgt werden zu können. Doch was, wenn der Bedarf an Lademöglichkeiten an einem Ort rapide steigt, an dem es zum jeweiligen Zeitpunkt an der Infrastruktur mangelt? Der Akku bleibt leer, die Reichweitenangst der Fahrerinnen und Fahrer steigt – und die E-Mobilität als Ganzes wird zurückgeworfen.

Eine Lösung für das eben beschriebene Problem nimmt nun das Start-up L-Charge in Angriff. Das Unternehmen aus dem E-Auto-Entwicklungsland Russland will die Ladeflächen von Transportern oder kleinen Lkw zu Kraftwerken umgestalten, die direkt Strom an Elektroautos abgeben können. Damit entstehen mobile Ladestationen, die sich problemlos an Orten aufstellen lassen, wo die Energie gerade benötigt wird. Und einfach wieder entfernt und zu einem Ort gebracht werden können, falls der Bedarf woanders steigt.

Innerhalb von einer Stunde am Bestimmungsort

Per App lässt sich der Standort des nächstgelegenen Transporters mit Ladestation auf der Pritsche ermitteln. Das Kraftwerk kann man aber auch zu sich rufen: Entweder zu einem vereinbarten Termin oder innerhalb der nächsten Stunde. Endkunden sind aber nicht die bevorzugte Klientel der Russen. Mit seinem Konzept wendet sich L-Charge insbesondere an Betreiber von Elektroauto-Flotten. Zum Beispiel Carsharing- und Abonnement-Anbieter, die den L-Charge-Transporter dorthin bringen können, wo sich gerade ein E-Auto mit niedrigem Akkustand befindet.

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Das mobile Kraftwerk lässt sich sowohl auf Transportern als auch auf kleinen Lkw montieren.

Eine dieser Ladestationen kann am Stück bis zu 1.440 Kilowattstunden abgeben; mit dieser Menge sollen L-Charge zufolge bis zu 48 Elektroautos pro Tag geladen werden können. Der zur Verfügung gestellte Strom kommt aber seinerseits nicht aus der Steckdose, sondern wird an Bord des Transporters oder Lastwagens generiert: Ein Kraftwerk wandelt flüssiges Ergdas (LNG), Wasserstoff oder jedes beliebige Gemisch aus den beiden Stoffen in Elektrizität um. Die Ladegeschwindigkeit ist variabel und hängt vom angehängten Auto ab: Zwischen 150 und 1.000 kW sollen L-Charge zufolge alles möglich sein. 400 Kilometer Extra-Reichweite sollen sich damit in rund zehn Minuten nachladen lassen.

Von Moskau nach London

In Moskau sind die Russen bereits aktiv. Von den derzeit etwa 1.000 Elektroautos, die in der Hauptstadt unterwegs sind, laden täglich etwa fünf bis sechs an einer mobilen L-Charge-Ladestation, sagt Gründer und CEO Dmitry Lashin der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. Ein deutlich größeres Potenzial sieht L-Charge im Ausland, weshalb das Unternehmen nun dorthin expandieren möchte. Im Herbst fand eine Präsentation in Barcelona statt, und 2022 will die Firma in London durchstarten und dort vorerst eine Ladestation betreiben. Allerdings zu üppigen Preisen: Pro Kilowattstunde will L-Charge in Großbritannien umgerechnet zwischen 71 Cent und 1,30 Euro berechnen.

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Als Alternative will L-Charge stationäre Ladeparks mit noch mehr Power anbieten.

Als zweites Standbein neben den pro Exemplar etwa 177.000 Euro teuren mobilen Ladestationen will L-Charge auch stationäre Ladeplätze mit seiner Technik aufstellen. Diese Lösung ist beispielsweise für Hotels, Supermärkte oder Tankstellen gedacht, kann aber auch an Straßen aufgestellt werden, falls es hier an der nötigen Stromversorgung für konventionelle Ladepunkte fehlt. Von diesen Kraftwerken können sogar insgesamt 7.200 Kilowattstunden an bis zu 288 Elektroautos abgegeben werden. Der Aufbau einer solchen Ladestation soll nur einen Tag in Anspruch nehmen. Zudem sei die Ladestation praktisch wartungsfrei, verspricht L-Charge.

Bis zu 2.000 Ladestationen im Jahr

L-Charge steht noch ganz am Anfang, hat aber im vergangenen Sommer immerhin ein Investment von 1,5 Millionen Dollar erhalten, um den nächsten Schritt Richtung Serienfertigung zu machen. Perspektivisch sollen pro Jahr 2.000 mobile und stationäre Ladestationen entstehen. Neben Design, Entwicklung und Produktion der Kraftwerke wollen sich die Russen übrigens auch um deren Instandhaltung kümmern.

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Fazit

Kommt in Zukunft die Ladestation zum Elektroauto statt umgekehrt? Aus Sicht von E-Auto-Nutzerinnen und -Nutzern wäre das wahrscheinlich wünschenswert, würde es doch die oft nervige Suche nach stationären Ladepunkten ersparen. Andererseits: Will man wirklich bis zu eine Stunde warten, bis das mobile Kraftwerk zu Verfügung steht? Komplett zu Ende gedacht scheint das L-Charge-Konzept nicht zu sein, zumal sich die Klimabilanz spätestens dann ins Negative verkehrt, wenn Transporter und Lkw mit Dieselantrieb für die Kraftwerke genutzt und durch Innenstädte mit an sich schon schlechten Luftwerten geschickt werden.

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