Hyundai HMI Cockpit Zukunft Hyundai

Hyundai Zukunfts-Cockpit (HMI)

Keine Tasten, dafür 3D und Touchen

Asiatische Hersteller sind bekannt dafür, dass sie der Presse neue Technologien erst präsentieren, wenn sie marktreif sind. Doch Hyundai gibt auto motor und sport exklusiv einen Einblick in die Entwicklung des neuen HMI-Bediensystems.

Veitshöchheim, die Kleinstadt bei Würzburg, ist vor allem bei Karnevals- bzw. Fasenachts-Fans bekannt. Und tatsächlich erwartet uns in der fränkischen Faschingshochburg in einem Industriepark ein verkleideter Hyundai. Von außen hüllt sich der i30 in unscheinbares weiß. Doch der Kompakte hat’s in sich. Statt des bekannten Lenkrads mit Knöpfen und Wippen dominieren zwei riesige Touchfelder das Volant. Dahinter fällt der Blick auf ein digitales Kombiinstrument, dass seine Infos in 3D anzeigt. Auch der bekannte freistehende Infotainment-Bildschirm musste einem reinen Touchscreen weichen.

Hyundai HMI Cockpit Zukunft
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Zusätzliche Funktionen im Fahrzeug erfoldern skalierbare und updatefähige Bedienkonzepte.

Immer komplexere Anforderungen

Aber was soll das Ganze? Eigentlich hatten wir bisher an der Bedienung von aktuellen Hyundai-Modellen nicht viel auszusetzten. Im Gegenteil: Der übersichtlich gestaltete Mix aus Touch- und Tasten-Infotainment war recht simpel und intuitiv bedienbar. Doch einige Fahrzeugfunktionen sind im Vergleich zur Konkurrenz eher übersichtlich. Eine Sprachbedienung gibt es beispielsweise nur mit gekoppeltem Smartphone. Zudem nahm die Anzahl an Lenkradtasten in den letzten Jahren stetig zu: So musste im Hyundai i40 zuletzt auch die untere Lenkradspeiche für zusätzliche Funktionen herhalten. Im Laufe der Zeit entstanden so unzählige Lenkrad-Varianten – was hohe Kosten zur Folge hatte.

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Das Entwicklungsteam rund um Regina Kaiser testete das System bereits mit dem Würzburger Institut für Verkehrswissenschaften.

Weil auch bei den Koreanern immer mehr Features ins Auto drängen, müssen nun neue zukunftssichere Bedienlösungen her, die nicht nur Kosten sparen und updatefähig sind, sondern auch bei komplexen Aufgaben so wenig wie möglich vom Verkehrsgeschehen ablenken. Seit 2015 forscht Hyundai deshalb in Rüsselsheim in einem eigenen Entwicklungszentrum an neuen Bedienelementen. Zunächst versuchte sich das HMI-Entwicklungs-Team, um Regina Kaiser, an Steuerkreuzähnlichen Touchpads, die mit den klassischen Lenkradtasten kombiniert wurden. Zusammen mit dem WIVW (Würzburger Institut für Verkehrswissenschaften) in Veitshöchheim wurde das System an Probanden getestet – mit durchaus positiver Resonanz bezüglich intuitiver Handhabung.

Langer Entwicklungsprozess

Im nächsten Schritt entfielen alle Knöpfe am Lenkrad, die Steuerkreuze wichen größeren Touchfeldern ohne Symbole. Eine suboptimale Lösung, wie sich im Praxistest am WIVW zeigte, denn intuitiv bedienbar war das sehr reduzierte Layout nicht. „Doch Touchfelder am Lenkrad waren ein vielversprechender Ansatz, da sie sich mit mehreren Funktionen und Optionen belegen lassen“, so Regina Kaiser. An die Stelle der Pads rutschten nun Touchdisplays, die auch haptisches und akustisches „Click“-Feedback gaben. Eine Innovation die scheinbar gut bei den Probanden ankam. Denn im i30-Versuchsträger sind nun zwei gut doppelt so große Touchdisplays montiert.

Jedes Display lässt sich in vier Felder unterteilen, die beim Überstreichen mit dem Daumen ihre Farbe ändern. Erst mit erhöhtem Fingerdruck lösen die Felder aus. Der Clou dabei: Das Ganze lässt sich nach Belieben konfigurieren – von A wie Assistenzsystem bis Z wie Zieleingabe. Damit sind häufig genutzte Funktionen immer in Daumenreichweite und vor allem blind bedienbar. Ein ankommenden Anruf lässt sich ganz einfach annehmen oder ablehnen, da die Displays automatisch die Funktion einblenden. Allerdings liegt das Prototypen-Lenkrad selbst noch nicht so gut in den Händen.

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Das Layout des 3D-Kombiinstruments lässt sich vielfältig konfigurieren. Wichtige Infos bleiben aber immer im Vordergrund.

Keine Knöpfe mehr dank Touchscreen-Infotainment

Mehr als bloße Spielerei ist das 3D-Cockpit hinter dem Lenkrad. Das Zweischicht-Display reagiert zügig, löst sehr hoch auf und erzeugt auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln immer den gleichen dreidimensionalen Eindruck. So erfasst das Auge sofort, welche Funktion gerade via Touchdisplay angeklickt wird. Unwichtige Infos, wie die Tankanzeige rutschen dauerhaft in den Hintergrund, während die Geschwindigkeitsanzeige immer präsent ist. Natürlich lässt sich das Layout hier nach Belieben verändern.

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Hyundai Zukunfts-Cockpit
1:36 Min.

Beim Infotainmentdisplay auf dem Armaturenbrett setzt Hyundai künftig auf einen reinen freistehenden Touchscreen anstatt der kombinierten Bedienung aus Touchdisplay und realen Tasten sowie Drehknöpfen. Wie die Lenkraddisplays reagiert auch der große Bildschirm mit sanften Vibrationen auf die Berührung. Der erste Eindruck: Das Menü gliedert sich logisch, ist zudem übersichtlich aufgebaut. Dank der kleinen vorstehenden Fingerablage am unteren Rand gelingt Berühren und Wischen zielsicher und wackelfrei. Künftig soll der Bildschirm stärker zum Fahrer ausgerichtet werden. Nette Spielerei: Mit einer rotierenden Farbkugel können alle Displays nach Belieben eingefärbt werden.

Feldversuch unter realen Bedingungen

Klingt trotzdem etwas gewöhnungsbedürftig? Ist es aber nicht. Denn auch diese Cockpit-Variante wurde bereits in Würzburg an Probanden getestet. Die 13 Männer und Frauen mussten eine vorgegebene Route mit dem i30 fahren und dabei unterschiedliche Aufgaben bewältigen: Von vermeintlich einfachen Dingen, wie die Musiklautstärke und Titel wechseln bis hin zu komplexeren Aufgaben wie das Ändern der Naviroute oder die Vorlese-SMS-Funktion. Erfasst wurde die Ablenkung durch das HMI-System mittels einer Brille, die die Augenbewegungen erfasst (Eyetracking).

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Beim Praxis-Test trugen alle Probanden eine Brille, über die der Grad der Ablenkung bei verschiedenen Test-Aufgaben gemessen wurde.

Die vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass das Display-Lenkrad die Fahrer subjektiv kaum stört. Allerdings: Je komplexer die Aufgabe, desto größer die Bediendauer und desto länger ist der Blick nicht auf der Straße. Bei einer durchschnittlichen Ablenkungszeit von 0,8 Sekunden und Tempo 50 werden somit 11 Meter im Blindflug zurückgelegt. Das erscheint bei Stadttempo vertretbar und liegt auch unter offiziellen Anforderungen der US-National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA). Aber es gibt keine Vergleichs-Aussage darüber, wie groß die Ablenkung durch konventionelle Tasten oder Sprachbediensysteme ist.

Bleibt die Frage, wann kommt das System in Serie? Dazu gibt man sich bei Hyundai typisch asiatisch bedeckt. Vermutlich wird System schrittweise eingeführt. Zunächst wird wohl das Infotainment erneuert. Bis 2025 bestehen aber reelle Chancen, dass das ganze System in einem Hyundai sehen.

Fazit

Hyundais digitale Bedienzukunft sieht nicht nur modern aus, sondern reagiert zügig und lässt sich intuitiv steuern. Da das HMI-System updatefähig ist, wird es sich wohl auch wirtschaftlich für den Hersteller rechnen. Allerdings gehören zu einem guten Bediensystem mehrere Elemente wie eine Sprachbedienung, Dreh-Drücksteller oder auch klassische Tasten, die dem Fahrer die freie Wahl lassen. Interessanterweise hat Hyundai ein solches, gutes System im Brennstoffzellenauto Nexo.

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