Hyundai Nexo, Motor Dino Eisele

Koreaner ködern Konkurrenz

Hyundai will Brennstoffzellen verkaufen

Hyundai will ganze Brennstoffzellen-Aggregate auch an Konkurrenten verkaufen, um die hohen Investitionen mit entsprechenden Stückzahlen zu hinterlegen, anstatt seinen Entwicklungsvorsprung allein zu nutzen. Das soll helfen, die Verbreitung des Wasserstoffantriebs zu steigern.

Die hohen Entwicklungskosten für alternative Antriebe zwingen Autohersteller dazu, ihre Technik mit der Konkurrenz zu teilen. Der Volkswagen-Konzern bekundete im Februar 2019, seinen Modularen Elektrobaukasten (MEB) auch Konkurrenten als Plattform zur Verfügung stellen zu wollen. Jetzt sagte Sae Hoon Kim, Chef von Hyundai Fuel Cell, der Financial Times, dass man andere Hersteller brauche, die Hyundai-Brennstoffzellen kaufen. Der koranische Autobauer hat rund 6 Milliarden Euro in die Entwicklung des Wasserstoffantriebs gesteckt. VW dürfte sogar noch etwas mehr in den MEB investiert haben. Der Konzern hatte im November 2018 bekanntgegeben, man werde bis 2023 rund 44 Milliarden Euro für die Weiterentwicklung von Elektromobilität, autonomem Fahren, Digitalisierung und neuen Mobilitätsdiensten ausgeben.

Solche Investitionen rentieren nur, wenn die Technik schnell in sehr hohen Stückzahlen verwendet wird. Diese glauben die Konzerne allenfalls zu erreichen, wenn auch andere Hersteller die Technik verwenden. VW will trotz des hohen Stückzahlenpotenzials bei den vielen eigenen Marken (Audi, Seat, Skoda) den MEB anderen Autobauer zur Verfügung stellen. Volkswagen-Vorstandschef Herbert Diess sagte im März 2019 dazu: „Mit der MEB-Plattform übertragen wir dieses Erfolgskonzept (der Plattformtechnik, Anm. d. R.) in das Elektrozeitalter und öffnen uns Dritten. Der MEB soll als Standard der E-Mobilität etabliert werden.“ Dazu ist VW mit Ford in Gesprächen, als erster Partner soll aber das Aachener Startup e.GO Mobile AG die Elektroauto-Architektur nutzen. Ein konkretes Fahrzeugprojekt werde derzeit geplant.

Nexo-Technik für alle?

Hyundai will ganze Brennstoffzellen, die in Fahrzeugen wie dem Nexo Verwendung finden, auch an die Konkurrenz verkaufen. Auch um die Verbreitung von Brennstoffzellenautos zu steigern, die ohne einen Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur keine Erfolgsaussichten auf dem Massenmarkt haben. „Wenn wir nicht auf dem Weltmarkt aktiv werden, sind wir vom Absatz unserer eigenen Marken abhängig. Das mag heutzutage noch konkurrenzfähig sein, aber so können wir in Zukunft nicht wachsen“, so Sae Hoon Kim zur Financial Times.

Die Brennstoffzellen-Technik des Nexo ist durchaus attraktiv – in Tests machte der Wagen eine gute Figur; sein größter Minuspunkt ist in der Tat sein hoher Preis (69.000 Euro) – und natürlich das dünne Netz an Wasserstoffzellen. Sicher auch die Gründe, warum Mercedes den GLC F-Cell nur in homöopathischen Stückzahlen in einem Leasingprogramm auf den Markt bringt. Mit der Eigenentwicklung mag für Daimler der Kauf von Hyundai-Brennstoffzellen wenig attraktiv sein. Für andere Autobauer käme es vermutlich auf den Preis an, denn der Investitionsbedarf in die Wasserstoffinfrastruktur bliebe ja bestehen.

Fazit

Hohe Investitionen in neue, umweltfreundliche Antriebstechnik versuchen die Autokonzerne über hohe Stückzahlen rentabel zu machen. Wenn der eigene Absatz dazu nicht reicht, geht der Blick zur Konkurrenz. Das dürfte auf Dauer zu mehr Kooperationen i der Branche führen. Bei der Brennstoffzellentechnik bekommt eine nennswerte Verbreitung wegen der ausbaubedürftigen Infrastruktur noch zusätzliche Bedeutung: Je mehr Autos Wasserstoff tanken, desto größer der Druck, Tankstellen zu bauen.

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