Bram Schot Kati Ebner

Interview mit Audi-Chef Bram Schot

Verzichtet Audi auf den Verbrenner? Auf den TT? Auf den R8?

Als Audi-Chef Rupert Stadler wegen des Diesel-Skandals gehen musste, übernahm der niederländische Vertriebsexperte Bram Schot den Job. Ein Interview über E-Autos, Kooperationen und seinen großen Plan.

Was glauben Sie: Ab welchem Jahr wird Audi nur noch elektrisch unterwegs sein?

Unsere Entscheidungen wirken ja immer mindestens zehn Jahre in die Zukunft. Also werden wir 2025 entscheiden, ob wir noch mal einen Verbrenner machen. Und falls ja, wirkt das dann bis über 2035 hinaus nach. Aber ganz ehrlich, ich stehe eigentlich vor einer anderen Frage.

Vor welcher?

Verzichten wir in einer einzelnen Baureihe mal komplett auf Verbrenner?

In welcher Klasse würden Sie das gerne tun? Vermutlich ganz oben, oder?

Das sage ich noch nicht.

Wie gehen Sie an diese Entscheidung heran?

Ich schaue mir an, wie sich das Segment der Limousinen weiterentwickelt. Und wie schnell Kunden in bestimmten Klassen von der Elektrifizierung begeistert sind. Und ich schaue mir an, wer am ehesten bereit ist, dafür auch etwas mehr zu zahlen. Wer kann sich das am ehesten leisten?

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E-Auto
Wäre es Ihnen wichtig, vor BMW und Mercedes zu verkünden, dass Sie diesen Schritt hin zu einer Baureihe ohne jeden Verbrenner machen?

Nein. Mich interessiert nicht, der Erste zu sein. Ich will immer der Beste sein. Wir Holländer sind ja auch beim Fußball gewohnt, nie Erster zu werden, aber den besten Fußball zu spielen. Doch wir von Audi sind auf jeden Fall in der Champions League dabei: In den nächsten 24 Monaten werden wir zwölf neue elektrifizierte Modelle auf die Straße bringen – reine E-Autos und Plug-in-Hybride. Und bis 2025 sind es 30 neue Modelle.

Vor anderthalb Jahren waren ja Erdgas-Autos ein großes Thema für Audi. Werden Sie das weiterverfolgen?

Endgültig ist das im Konzern noch nicht diskutiert. Aber ich sehe das als schwierig an, da die Verbreitung auf wenige Länder beschränkt ist und die Credits für e-gas fehlen. Gleichzeitig finde ich es schade, weil wir gute technische Lösungen haben.

Wie wollen Sie mit Quattro künftig umgehen? Wäre ein eigenes Quattro-Modell wieder denkbar, so wie früher der Audi Quattro?

Ich glaube, Quattro als Allradantrieb gehört zur DNA der Marke. Und ein eigenes Modell? Hmm ...

„Hmm ...“ heißt: „Ich denk gerade darüber nach“?

Audi war immer schon geprägt von bestimmten Ikonen: dem Ur-Quattro, dem TT, dem R8.

Und ausgerechnet TT und R8 bekommen angeblich keine Nachfolger. Korrekt?

Na ja, sagen wir mal so: Wir überlegen uns das sehr genau angesichts der Zahlen. Der R8 pendelt zwischen 2.000 und 3.000 verkauften Autos jährlich. Und vom TT machen wir pro Jahr etwas über 20.000 Autos. Doch ob es davon jetzt direkte Nachfolger gibt oder nicht: Wir brauchen auf jeden Fall Ikonen.

Was könnte das sein?

Vielleicht was ganz anderes, was zur Marke passt. Aber was gleichzeitig mehr Zukunft verkörpert.

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Audi
Weltpremiere des e-tron in San Francisco. Damals war Bram Schot noch kommissarischer Chef von Audi.
Sie sind ein Vertriebsprofi. Wenn alles immer mehr in Richtung SUV geht: Ist das gut oder schlecht?

In Ländern wie den USA liegen wir jetzt bei fast 60 Prozent SUV-Anteil, in Europa wird es auch so kommen. Doch die ganz großen SUV zu elektrifizieren, schafft Gewichtsprobleme. Deshalb macht mich unser Q4 so glücklich. Wer den fährt, der spürt: Das ist ein idealer Einstieg.

Das heißt konkret?

Es wird nicht weniger SUV geben. Aber das große Wachstum sehe ich dort eher in der Mittelklasse.

Wird Mobilität insgesamt teurer werden?

Definitiv. Die Elektrifizierung wird teurer. Benziner und Diesel werden aber auch mehr kosten.

Werden Koalitionen – wie jetzt zwischen BMW und Mercedes – zum Allheilmittel?

Durch unseren großen VW-Konzern haben wir eine glückliche Ausgangslage. Wir sind gerade dabei, mit Porsche die Elektrifizierungs-Architektur PPE zu machen. Da kommen superschöne Autos raus. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass gerade die deutsche Autoindustrie bei vielen Themen zusammenarbeitet: Elektrifizierung, autonomes Fahren, Connectivity, Sharing. Denn das alles kostet uns extrem viel Geld.

Was will der Kunde?

Schauen Sie nach China: Connectivity ist dort der Kaufgrund Nummer eins. Das kommt in Europa auch. Motor und Getriebe werden hingegen weniger wichtig. Deshalb kann man auch dort prinzipiell zusammenarbeiten und Dinge vereinheitlichen.

Wie viele Audi werden in Zukunft an Privatleute verkauft und wie viele gehen in Flotten, auch von Anbietern wie Uber?

Das sogenannte Sharing wird immer mehr kommen. Ich sehe das bei meinen Kindern. Die sind 22 und 25 Jahre alt. Die sind viel weiter entfernt von Eigentum und Besitzen, die sehen auch die Welt ganz anders. Das ist eine andere Mentalität, und sie sind die Entscheider der Zukunft. Dazu kommt aber noch etwas anderes.

Was?

Die Tatsache, dass in Zukunft 60 bis 70 Prozent der Weltbevölkerung in der Stadt leben werden. Es gibt dort nicht genügend Fläche für immer mehr Autos. Wenn ich in Zukunft ein seriöser Partner sein will, dann muss ich unter der Marke Audi die Autos teilen. Sharing wird selbstverständlich werden. Aber ob das bei uns dann 30 bis 40 Prozent sein werden, wird man sehen.

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Fühlen Sie sich mit dem Slogan „Vorsprung durch Technik“ noch wohl?

Ja, sehr. Denn Digitalisierung und autonomes Fahren haben ja immer mit Technik zu tun. Das passt also auch in Zukunft. Wir von Audi wollen im Konzern die führende Marke sein, was Technologie betrifft.

Sie müssen 15 Milliarden sparen, 14 Milliarden stecken Sie in die neue Mobilität, und drei Milliarden hat der Diesel-Skandal bisher gekostet. Kriegen Sie das finanziell alles hin?

Wir haben einen ganz klaren Plan, der aus sieben Modulen besteht, von Kapitaleinsatz, Marktdurchdringung und Materialeinsatz bis hin zum chinesischen Markt. Alle strategischen Ziele sind klar. Und wir liegen genau auf Plan. Wir machen nicht mehr alle Ableger eines bestimmten Modells, nicht jedes Modell bekommt alle Antriebsstränge, wir gehen nicht mehr in alle Märkte rein. Das alles spart Kosten. Wir müssen konsequent sein, viel konsequenter als früher. Ich schau immer nach vorne.

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