Porsche-Chef Blume im Interview

Mehr Elektro-Reichweite auch bei 200 km/h

Oliver Blume, CEO Porsche AG Foto: A. Rivas 33 Bilder
Interview

Der Porsche-Chef Oliver Blume spricht im Interview mit auto motor und sport über den elektrischen Taycan, was Porsche in China lernen kann und über viele Vorbestellungen in Norwegen.

Porsche verkauft jedes Jahr mehr Fahrzeuge, macht mehr Umsatz und auch mehr Gewinn. Soll das ewig so weitergehen?

Blume: Absatzrekorde sind nicht unser primäres Ziel. Wir messen unsere Leistung an der Qualität der Fahrzeuge und der Zufriedenheit unserer Kunden. Wenn dabei dann jedes Jahr mehr verkaufte Fahrzeuge herauskommen, sehen wir das als Erfolg unserer Produktpolitik. Perspektivisch wird es noch einen moderaten Sprung nach oben geben, wenn wir voll in die Elektromobilität einsteigen – damit stoßen wir ja auch in ein neues Segment vor. Letztlich ist für uns aber die Exklusivität wichtig: Jeder Porsche soll etwas Besonderes sein und dem Kunden seinen Traum erfüllen.

Unter Ihren Kunden gibt es Petrol-Heads ebenso wie E-Auto-Enthusiasten. Wie stellen Sie sich also künftig auf?

Blume: Wir haben vor zwei Jahren unsere Produktstrategie neu aufgesetzt und geschärft. Wir bauen auf vier Säulen: Erstens die „Basis“, also die bekannten Fahrzeuge und Modellreihen von Porsche. Hier prüfen wir, wo noch weitere Derivate sinnvoll sind. Ein Beispiel dafür ist der Panamera Sport Turismo. Und auch beim Cayenne haben wir gute Ideen. Die zweite Säule nennen wir „Image“. Stark auf den Motorsport ausgelegt, wie der GT3 RS, sind diese Fahrzeuge für Porsche wichtig, um die Motorsport-Tradition in die Zukunft zu transportieren und die Marke aufzuladen. Darüber hinaus setzen wir auf „Lifestyle“-Fahrzeuge, die die Historie mit der Zukunft verbinden. Ein Beispiel dafür ist die limitierte Auflage des Porsche Speedster, der Mitte 2019 auf den Markt kommt. Er ist eine Art Teaser für weitere Produkte, die in dieser Reihe noch folgen werden. Die vierte Säule ist den Produkten der „Zukunft“ gewidmet, also den rein elektrischen Fahrzeugen mit viel Digitalisierung.

Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid ST im Test
Über-Panamera mit alternativem Antrieb
Das klingt nach dem Verbrennungsmotor als Nischenprodukt…

Blume: Wir glauben, dass wir so sehr gut aufgestellt sind und in jedem Segment etwas bieten können – ob als Benziner, Plug-In-Hybrid oder mit Batterie-Antrieb. Somit haben wir alles im Angebot, was sich unsere Kunden von Porsche wünschen. Diese Positionierung ist aber auch deshalb wichtig, weil sich die Weltmärkte unterschiedlich entwickeln. Wir gehen zwar davon aus, dass 2030 Elektrofahrzeuge dominieren werden, aber Verbrenner wird es weiter geben – in manchen Regionen sogar noch viele und noch sehr lange.

Sehen Sie den neuen Abgas-Regelungen gelassen entgegen?

Blume: Das Pariser Klimaabkommen sieht vor, dass der Verkehr bis 2050 weitgehend treibhausgasneutral ist. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir jetzt handeln und die richtigen Weichen stellen. Wir bei Porsche bekennen uns daher ganz klar zur Elektromobilität: Diese Technologie passt sehr gut zu uns – nicht zuletzt aufgrund ihrer überragenden Beschleunigungswerte und hohen Effizienz, die wir im Motorsport schon erfolgreich getestet haben.

Die Elektromobilität ist also der beste Weg für Porsche in die Zukunft?

Blume: Wenn wir uns die Antriebs-Varianten der Zukunft anschauen, die lokal CO2-frei sind, dann kommen nur drei Technologien in Frage: Elektromobilität, Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe. Schon heute ist die Batterietechnologie anderen Antriebsarten in Sachen Energie-Effizienz weit überlegen. Und mit der fortschreitenden Entwicklung von Batterien wird deren Vorteil noch größer ausfallen. Aktuell ist ein E-Auto in etwa drei Mal effizienter als ein Wasserstoff-Auto und sechs Mal effizienter als ein Fahrzeug, das mit synthetischen Kraftstoffen angetrieben wird. Selbst wenn man die Batterieproduktion miteinbezieht, ist das Verhältnis immer noch eins zu zwei gegenüber dem Wasserstoff und eins zu drei gegenüber synthetischen Kraftstoffen. Uns muss aber auch klar sein: Echte Klimaneutralität erreichen wir nur dann, wenn der Strom zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen stammt.

Porsche 911 (992) (2019)
Der neue Elfer kriegt mehr PS, mehr Gänge, mehr Assistenten
In vielen Schwellenländern und auch in China kennen die Kunden nur Ihre SUVs und wissen gar nicht, dass Porsche eigentlich eine Sportwagenmarke ist. Stimmt dort die Positionierung?

Blume: In China gibt es zwar keine Sportwagen-Historie, aber wir spüren, dass das Interesse wächst. Wir verkaufen dort bereits die meisten 718 Cayman weltweit. Auch der 911-Absatz steigt stetig. Aus diesem Grund haben wir dieses Jahr ein Porsche Experience Center in Shanghai eröffnet. Dort gehen unsere chinesischen Kunden auf die Rennstrecke und entdecken ihre Leidenschaft für den Motorsport. In China haben wir auch schon viele Porsche-Kunden der zweiten Generation: Das sind junge Menschen mit viel Geld, die die Marke Porsche von ihren Eltern kennen, aber ganz andere Ansprüche haben. Die finden Leistung und Leidenschaft gepaart in einem Porsche unheimlich cool.

Benötigen Sie in China nicht trotzdem ein neues SUV-Modell, um für die Kunden attraktiv zu bleiben?

Blume: Alle Fahrzeuge, die Porsche baut, sind Sportwagen. Und auch ein neues SUV-Derivat wird unsere Kunden begeistern – für das Produkt und für die Marke.

Porsche wendet sich komplett vom Diesel ab, obwohl beispielsweise Ihre V8-Dieselmotoren wirklich sensationell sind. Sie begründeten das unter anderem damit, man hätte unter WLTP die Dieselaggregate nicht nach den eigenen Ansprüchen abstimmen können, um die Porsche-übliche Dynamik zu behalten. Die Porsche-Ingenieure haben schon einige Technologie-Lösungen entwickelt, warum scheuen Sie hiervor zurück?

Blume: Eines vorweg: Porsche hat nie selbst Diesel entwickelt und produziert. Der Diesel hat bei uns immer eine untergeordnete Rolle gespielt. Tatsächlich gibt es viele tolle Diesel-Aggregate in der EU-6-Auslegung, die vorbildliche CO2- und Verbrauchswerte haben und auch eine starke Performance. Die machen für Volumenhersteller absolut Sinn. Für uns sind wir aber zu der Überzeugung gelangt, künftig ohne Diesel auskommen zu wollen. Als Sportwagenhersteller konzentrieren wir uns auf das, was wir am besten können: Das sind hoch emotionale Benzinmotoren, leistungsstarke Plug-in-Hybride und demnächst rein elektrische Antriebe. So schärfen wir den Kern unserer Marke und richten unser Unternehmen konsequent auf die Mobilität der Zukunft aus.

Porsche Cayenne E-Hybrid (2018)
Fahrbericht vom SUV mit V6-Power-Hybrid
Wie reagierten denn Ihre Kunden?

Blume: Wir hatten ja bereits seit Februar – zunächst ungewollt – kein Diesel-Fahrzeug mehr im Angebot. So konnten wir schon testen, wie das in den Märkten ankommt. Es ist uns gut gelungen, die Lücke im Portfolio zu kompensieren. Unsere Kunden fragen mittlerweile vermehrt nach Hybrid-Modellen. In Europa bestellen bereits 63 Prozent aller Panamera-Kunden ihr Fahrzeug als Plug-in-Hybrid.

Sie haben gerade erst in China Alibaba, Baidu und Tencent besucht. Was nehmen Sie von solchen Internet-Giganten mit für die Zukunft von Porsche?

Blume: Wir setzen uns regelmäßig mit Kunden und Unternehmen in den drei großen Welt-Regionen zusammen: China, Nordamerika und Europa. Und mit jedem Besuch lerne ich viel Neues dazu. In China ist beeindruckend zu erleben, mit welchem Pioniergeist und welchem Enthusiasmus Firmen aufgebaut werden. Mein Fazit dieser Reise war, dass wir Partnerschaften vor Ort schließen müssen, um näher bei den chinesischen Kunden zu sein. Es ist ein großer Irrtum, zu glauben, dass wir aus Europa heraus digitale Themen entwickeln können, die auf chinesische Kunden zugeschnitten sind. In China sind die Kunden viel technologieaffiner und digitalen Anwendungen gegenüber deutlich offener. Sie haben ganz andere Bedürfnisse als Kunden beispielsweise in Europa.

Setzen Sie schon etwas von dem Gelernten um?

Blume: Ja, wir testen gerade verschiedene Pilotprojekte in China – um zum Beispiel Navigationsthemen oder Services über chinesische Firmen länderspezifischer anzubieten.

Haben Sie ein konkretes Beispiel parat?

Blume: In China war kürzlich ein spezieller Shopping Day für Singles. An diesem Tag hat die Shopping-Plattform Alibaba sogar Amazon in den Schatten gestellt. Es ist eine unfassbar hohe Kundenzahl, die Alibaba bedient. Deren Datenbank ist daher unter Marktforschungsgesichtspunkten und für den Vertrieb sehr interessant. Damit kann man sehen, welche Kunden Luxus-Produkte kaufen und welche sich vielleicht auch für einen Porsche interessieren könnten. Das ist nur eine Idee von vielen, wie man in China neue Zugänge zum Kunden finden kann.

Bei der Batterietechnik verweisen Sie insbesondere auf die Beschleunigung. Das allein kann doch das Porsche-Logo auf dem Fahrzeug nicht rechtfertigen. Was wird bei Ihrem Elektro-Sportwagen Taycan das Porsche-typische?

Blume: An den Taycan stellen wir dieselben hohen Ansprüche wie an alle anderen Modelle. Und die Beschleunigung ist nur eine von vielen Eigenschaften, mit denen sich unsere Produkte vom Wettbewerb absetzen. Die Möglichkeiten reichen vom Design über die Qualität bis hin zu den fahrdynamischen Themen und zur Fahrwerksauslegung. Über die Leistungselektronik und das Spannungssystem wird es auch bei den Elektromotoren eine ganz deutliche Differenzierung geben. Allein mit dem 800-Volt-System generieren wir schon deutliche Vorteile in den Ladezeiten, da ich mit doppelter Stromstärke auch doppelt so schnell laden kann.

Porsche Taycan (2020)
So kommt der Elektro-Sportwagen
Schafft der Taycan dann auch eine Runde auf dem Nürburgring?

Blume: Definitiv. Wir werden unsere Fahrzeuge so auslegen, dass sie sich auch zehn Mal hintereinander problemlos von Null auf 100 beschleunigen lassen. Andere Fabrikate stoßen da spätestens beim dritten Mal an ihre Grenzen. Bei der Beschleunigung von Null auf 200 kommt beim Taycan noch mal richtig Durchzug ab 150 km/h. Das macht eben auch einen richtigen Porsche aus.

Mit dem Taycan werden wir außerdem einen Wert angeben, wie viele Kilometer man damit in 24 Stunden fahren kann – Ladezeiten eingerechnet. Und so viel kann ich Ihnen schon sagen: Obwohl wir in unseren Tests durchgängig 200 km/h gefahren sind, liegen wir deutlich über den Werten, die heute im Markt bekannt sind. Für unsere Kunden hat das den großen Vorteil, dass sie herunterrechnen können, wie weit sie zum Beispiel in sechs Stunden kommen. Und wie schnell sie dann fahren können.

Wahrscheinlich besitzen die meisten Porsche-Kunden ein eigenes Haus. Aber bürokratisch ist der Weg zur eigenen Ladestation zuhause allemal…

Blume: Die Lade-Infrastruktur ist in der Tat ein ganz wichtiger Punkt. Wir werden unseren Kunden daher ein Rundum-Sorglos-Paket anbieten. Wir werden ein Angebot liefern, bei dem die Wallbox von einem Installateur montiert wird und bei dem sich der Kunde um nichts kümmern muss. Darüber hinaus werden wir auch induktives Laden anbieten. Das heißt: Der Kunde bekommt in seine Garage eine etwa 60 Zentimeter große, flache Platte eingebaut, mit der er über Nacht 11 kW laden kann, ohne dass er sein Fahrzeug irgendwo anstöpseln muss. Das wird allerdings noch etwas dauern.

Und die Porsche-Fahrer ohne Eigenheim?

Blume: Porsche unterstützt auch Destination-Charging an Hotels, Restaurants oder Shoppingcentern. Also an Punkten, wo man sich etwas länger aufhält. Da arbeiten wir mit Partnern zusammen. Außerdem wird sich die Ladeinfrastruktur ähnlich verbreiten wie in den 50er Jahren die Tankstellen – nur deutlich schneller.

Wie viele Taycans haben Sie bereits verkauft?

Blume: Kaufen kann man den Taycan noch nicht. Aber die Nachfrage ist schon jetzt enorm: Allein in Norwegen, wo wir sonst im Jahr rund 600 Fahrzeuge an Kunden ausliefern, haben bereits etwa 3.000 Menschen ihr ernsthaftes Kaufinteresse bekundet. Sie haben sich für 2.500 Euro in eine Reservierungsliste eintragen lassen – ohne dass sie das Fahrzeug im finalen Design je gesehen haben. Das ist einerseits ein tolles Kompliment an unsere Marke, andererseits aber auch eine enorme Verpflichtung. Der Taycan muss ein echter Porsche werden. Und das wird er werden.

Vita von Oliver Blume:

Geboren 1968

1994–2003 Audi, div. Positionen

2004 Leiter Planung und

Vorseriencenter, Seat S.A.

2009 Leiter Produktionsplanung der Marke Volkswagen

2013 Mitglied des Vorstands für Produktion und Logistik, Porsche

seit 2015 Vorstandschef Porsche AG

Interview mit Porsche-Chef Oliver Blume 2016

Im September 2016 hat uns Porsche-Chef Blume bereits ein Interview gegeben. Lesen Sie hier, was Blume über das erste rein elektrische Modell Mission E (jetzt: Taycan) sagte, die nächste Panamera-Generation und darüber, wie er das Unternehmen für die Zukunft aufstellt.

Das Wochenende steht vor der Tür, und alle derzeit verfügbaren Porsche-Modelle stehen zur Wahl. Welches nehmen Sie mit?

Blume: Wenn er schon fertig wäre: unseren rein elektrischen Mission E. Aber ich bin auch absolut begeistert vom neuen Turbo, den wir noch mal auf ein höheres Niveau gehoben haben. Für mich ist das der beste Sportwagen der Welt. Kein anderes Auto verbindet Rennsport und Alltagstauglichkeit so perfekt wie der 911 Turbo.

Interessant, dass Sie den Mission E nennen. Genießt die Elektromobilität so einen hohen Stellenwert bei Ihnen?

Blume: Absolut. Entsprechend wichtig ist der Mission E für uns. Mit diesem Auto wollen wir die Messlatte deutlich höher legen, als sie derzeit bei der Elektromobilität liegt. Es liegt zwar noch viel Arbeit vor uns, aber es macht auch unheimlich viel Spaß, so ein Auto zu entwickeln.

Was sind denn Ihre Anforderungen an den ers­ten rein elektrischen Porsche?

Blume: Für mich ganz wichtig: Das Auto wird sich fah­ren wie ein typischer Porsche. Fahrdynamik, Handling, Sportlichkeit, das muss sich alles nach Porsche anfühlen. Mit über 600 PS wird er dafür auch ausreichend Leistung haben. Gepaart wird diese Performance mit der Alltagstauglichkeit eines Porsche. Der Mission E wird ein viertüriger 2+2-Sitzer, in dem auch größere Personen hinten bequem sitzen können. Ge­plant ist eine elektrische Reichweite von 500 km. Und: Wir rüsten den Mission E als erster Hersteller mit dem für unseren LMP1-Rennwagen entwickelten 800-Volt-Netz aus, sodass das Auto in 15 Minuten zu 80 Prozent geladen werden kann. Damit sind auch längere Reisen im Mission E komfortabel möglich.

IAA 2015, Porsche Mission E
Porsche Konzeptstudie Mission E auf der IAA 1:25 Min.
Jetzt fehlt ja noch die notwendige Schnelllade­-Infrastruktur für ein Auto wie den Mission E. Wollen Sie selber dort investieren?

Blume: Wir sind gemeinsam mit dem Volkswagen-Konzern in Gesprächen sowohl mit der Bundesregierung wie auch mit anderen Herstellern. Der Staat möchte Elektromobilität fördern und wird deshalb Investitionen in die Infrastruktur tätigen müssen. Aber als Hersteller haben wir auch ein großes Interesse an einem schnellen Ausbau des Ladenetzes. Ich will nicht ausschließen, dass wir selbst in Lade-Infrastruktur investieren. Wichtig ist, dass ein solches Netz nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern schnell entsteht. Für uns liegt die Priorität dabei auf einem flächendeckenden Schnellladenetz mit einer Leistung von über 150 kW pro Ladestation.

Der Marktstart des Mission E ist ja für das Ende des Jahrzehnts angekündigt. Gehen Sie davon aus, dass bis dahin die Infrastruktur steht?

Blume: Ja, bis zum Ende des Jahrzehnts werden wir in den wichtigsten Weltmärkten ein Schnellladenetz für Elektroautos haben. Das halte ich auch für das zentrale Argument für den Kunden, auf ein Elektroauto umzusteigen. Und da wir bei Porsche nicht die Einzigen sind, die an einer funktionstüchtigen Infrastruktur interessiert sind, sondern letztlich alle Hersteller und Staaten, glaube ich, dass wir das schaffen werden.

Inwiefern profitieren Sie bei der Entwicklung des Mission E vom VW-Konzernverbund?

Blume: Es ist ja kein Geheimnis, dass auch Audi an einem reinen E-Auto mit großer Reichweite arbeitet. Natürlich schauen wir uns an, welche Module wir gemeinsam nutzen können. Auf der anderen Seite gibt es klare Unterscheidungsmerkmale. Audi baut einen SUV, wir einen Sportwagen.

Bis zum Start des Mission E setzen Sie auf die Plug-in-Hybrid-Technologie. Welche rein elektrische Reichweite planen Sie für die Zukunft?

Blume: Wir sind ein absoluter Befürworter des Hybrids als Übergangstechnologie, die wir ja auch im Motorsport bereits sehr erfolgreich eingesetzt haben. Sie haben recht: Die Attraktivität des Plug-in-Hybrids steigt mit der rein elektrischen Reichweite. Mit Start des neuen Panamera planen wir eine Steigerung der Reichweite um 40 bis 50 Prozent und peilen die 50-km-Marke (NEFZ) an.

Wie hoch ist der Plug-in-Hybrid-Anteil bei Cayenne und Panamera?

Blume: Jeweils etwa zehn Prozent.

Planen Sie, in Zukunft alle Baureihen auch mit Plug-in anzubieten?

Blume: Im Rahmen unseres Zukunftsplans denken wir gerade intensiv darüber nach, welcher Antriebsmix in den jeweiligen Baureihen am meisten Sinn macht. Grundsätzlich sind wir aber in der Lage, zukünftig jedes Porsche-Modell mit Plug-in-Hybrid anzubieten.

Neben der Elektromobilität ist ja das autonome Fahren ein großes Zukunftsthema in der Autoindustrie. Was passt zu Porsche und was nicht?

Blume: Das ist eine ganz erhebliche Frage für uns. Eines ist klar: Ein Porsche wird auch in Zukunft immer ein Auto sein, das der Kunde selbst fahren möchte. Nichtsdestotrotz gibt es viele interessante Funktionen des autonomen Fahrens, die wir auch mit einem Porsche verbinden werden. Nehmen Sie den Stauassistenten. Im Stop-and-go-Verkehr ist es höchst attraktiv, sich auch mal zurücklehnen und eine Zeitung lesen zu können. Auch voll automatisiertes Parken in Parkhäusern würde ich dazuzählen.

Auch in einem Elfer?

Blume: Ja, auch in einem Elfer. Für uns besteht die Aufgabe allerdings in der Tat darin, über die Baureihen zu definieren, welche autonome Fahrfunktion zu welchem Modell passt – und welche nicht. Das werden im Elfer sicher weniger sein als etwa in einem Panamera. Entscheidend ist, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Denn für mich ist klar: Auch wenn ein Porsche automatisiert fahren kann, muss das Erlebnis des Selberfahrens noch immer emotionaler sein.

Autonomes Fahren, Konnektivität, Elektromobilität – es gibt mittlerweile so viele neue Technologiefelder in der Autoindustrie. Welches wollen Sie besetzen, um das Image der Marke Porsche zu prägen?

Blume: Porsche stand immer für die Themen Fahrdynamik, Antrieb und Design – und das wird auch in Zukunft so sein. Insofern stellt der Elektroantrieb eine große Chance für uns dar. Und die wollen wir nutzen: Wir lernen im Langstrecken-Motorsport mit unserem Hybrid-Rennwagen, der mehr Systemleistung als die aktuellen Formel-1-Antriebe anbietet, bei den Themen Speichertechnik, Energierückgewinnung und Systemsteuerung gerade unheimlich dazu. Diese neu gewonnenen Erfahrungen lassen wir sukzessive in die Entwicklung unserer Seriensportwagen einfließen. Bei Themen wie autonomem Fahren oder Konnektivität dagegen müssen wir meiner Meinung nach nicht die Ersten sein, sondern vielmehr Lösungen anbieten, die perfekt zu den Bedürfnissen unserer Kunden passen.

Was bedeuten die vielen technischen Neuerungen für die Ikone 911? Wird der nächste Elfer erneut größer?

Blume: Nein, der nächste Elfer wird mit Sicherheit nicht größer werden. Die Frage, die Sie stellen, ist für uns definitiv eine Philosophiefrage. Themen wie Elektrifizierung oder Digitalisierung bringen schon etwas Synthetisches mit. Insofern ist es für uns als Marke bei aller Hochtechnologie wichtig, unsere Tradition zu erhalten. Wir brauchen moderne Fahrzeuge, die sich aber auch puristisch fahren lassen.

Vor der Neuauflage des Elfers steht ja in diesem Jahr erst einmal der neue Panamera an. Was waren die wichtigsten Entwicklungsziele?

Blume: Ein ganz großes Augenmerk lag auf dem Design und dem Antrieb. Und bei der Fahrdynamik werden wir noch mal ein spürbar höheres Level erreichen. Die gesamte Elektronik des Fahrzeugs entspricht dem Besten, was es derzeit am Markt gibt. Infotainment und Konnektivität bieten, was der Kunde heutzutage erwartet, alles ist sehr einfach und intuitiv bedienbar. Ich teste die Entwicklungsfortschritte regelmäßig persönlich, und ich glaube, Sie werden begeistert sein.

Bekommt der Panamera Allradlenkung?

Blume: Ja, die lenkbare Hinterachse bringt uns in den Kurven sensationelle Stabilität. Das ist für mich auch das Besondere bei Porsche, dass wir viel aus unseren zweitürigen Sportwagen auf die anderen Modelle übertragen. Das gilt nicht nur für den Panamera, sondern auch für die SUV.

Wie viel leichter wird der Panamera?

Blume: Dazu werde ich Ihnen noch keine genaue Zahl sagen, aber nur so viel: Wir haben den Panamera komplett auf Aluminium umgestellt. Dafür haben wir im Werk Leipzig massiv investiert und ein auf dieses Feld spezialisiertes Werkzeugbau-Unternehmen gekauft. Das gibt Ihnen einen Ausblick, wohin Porsche in Sachen Leichtbau steuert.

Wenn der SUV-Boom weitergeht und die Kunden einen coupéhaften SUV von Porsche wollen, wäre eine weitere Karosserievariante denkbar?

Blume: Porsche ist und bleibt eine Sportwagenmarke. Das spüren Sie auch in unseren SUV. Einen coupéhaften SUV können Sie sehr gut sportlich auslegen, und deshalb würde das durchaus zu Porsche passen. In diesen Segmenten ist noch viel möglich.

Wie war der Start ins neue Geschäftsjahr? Welche Modelle und Märkte liefen gut? Wie viele Fahrzeuge haben Sie im ersten Quartal abgesetzt?

Blume: Porsche ist im Jahr 2016 weiter auf Erfolgskurs. Im ers­ten Quartal stiegen die Auslieferungen um knapp zehn Prozent auf fast 55.000 Fahrzeuge. Dabei legten vor allem der Macan und die Mittelmotor-Sportwagen 718 Boxster und 718 Cayman zu. Bei den Auftragseingängen bereitet uns der neue 911 besonders viel Freude. In Europa macht sich die wirtschaftliche Erholung in den südlichen Ländern positiv bemerkbar. Auf unserem Kontinent war das Wachstum überdurchschnittlich hoch.

Was sind Ihre Ziele für das Gesamtjahr?

Blume: Wir haben 2015 eine Umsatzrendite von über 15 Prozent erzielt, und das streben wir auch für 2016 an. Beim Volumen werden wir weiter wachsen, da wir aber keine neue Baureihe wie zuletzt den Macan einführen, nicht mehr in den Dimensionen der Vorjahre. Wir treten aktuell in eine Phase ein, in der wir uns auf dem hohen Niveau, auf dem wir uns befinden, stabilisieren wollen. In den vergangenen fünf Jahren haben wir unser Personal verdoppelt. Jetzt gilt es, Organisation, Strukturen und Prozesse diesem Wachstum anzupassen und das Unternehmen wetterfest für die Zukunft zu machen. Denn da stehen durch Themen wie Digitalisierung und die Elektromobilität erhebliche Inves­titionen an.

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