Autonomes Fahren Aurora FCA Waymo Pacifica Collage: Jochen Knecht

US-Startup Aurora Innovation

VW geht raus, Fiat-Chrysler rein

Aurora Innovation um den ehemaligen Google-Manager Chris Urmson unterstützt Autohersteller bei der Entwicklung selbstfahrender Autos. Neben Hyundai und Byton war auch VW Partner. Diesen Platz übernimmt jetzt FCA. VW will sich offensichtlich stärker bei Ford engagieren.

Das kalifornische Start-up Aurora zeigt, wie schnell in der heutigen Zeit Projekte, Firmen und Pläne wachsen können. 2016 wurde die Firma von Chris Urmson, dem ehemaligen technischen Leiter des einstigen Google-Autos und zwei Mitstreitern gegründet. Bereits kurz darauf konnte man bereits zwei namhafte Partner aus der Automobilindustrie verkünden: Hyundai und Volkswagen. Hinzu kam noch das chinesische Elektroauto-Startup Byton und jede Menge Investitionsgeld von Amazon.

„Mobilität auf Knopfdruck“ war das Ziel

Aurora Autonomes Fahren Plattform
Aurora Innovation
Das US-Start-up Aurora entwickelt eine Plattform fürs autonome Fahren, die Autohersteller in ihre bestehenden Fahrzeuge integrieren können, ohne zum einfachen Hardware-Lieferanten degradiert zu werden.

Volkswagen wollte zusammen mit Aurora komplett automatisierte Autos nach Level 5 entwickeln. Der People-Carrier Sedric, den der Konzern 2017 als Studie vorstellte, galt als ein Vorbote dieser Zukunft, in der solche Fahrzeuge vor allem in On-Demand-Flotten den Personen- und Güterverkehr in Städten erledigen sollten. Wichtigster Treiber in Wolfsburg war Johann Jungwirth, Chief Digital Officer bei Volksagen, dessen Zielbild die „Mobilität für alle, auf Knopfdruck“ war. Dahinter steckte nicht nur eine Smartphone-App, sondern auch ein „One Button“ genannter Schlüsselanhänger, über den sich ein autonomes Fahrzeug anfordern lassen sollte.

Vollbremsung aus voller Fahrt

Parallel zum Ausstieg bei Aurora trennt sich Volkswagen offensichtlich auch von seinem ehemaligen CDO Johann Jungwirth.

Von den Plänen Jungwirths ist inzwischen nicht mehr viel übrig. Das Handelsblatt zitiert einen VW-Sprecher mit den Worten: „Die Aktivitäten unserer Partnerschaft sind erreicht worden!“ So habe Volkswagen wie vereinbart die zugesagten Fahrzeuge an Aurora geliefert. Die Zusammenarbeit könne damit eingestellt werden. Kurz: Eine Vollbremsung aus voller Fahrt. VW verabschiedet sich damit von seiner eigentlich langfristig angelegten Partnerschaft mit Aurora und trennt sich gleichzeitig offensichtlich auch von Johann Jungwirth. Der hatte sich bereits vor ein paar Monaten mehr oder weniger aus Wolfsburg verabschiedet, um von den USA aus weiter an autonomen Services für Volkswagen zu arbeiten. Jetzt scheint auch dieses Projekt gescheitert. Das Handelsblatt will aus Konzernkreisen erfahren haben, dass „Jungwirth Volkswagen jetzt auch vollständig verlassen wird.“

Strategiewechsel bei Volkswagen

Aurora Autonomes Fahren Plattform
Aurora Innovation
Bislang zählte auch Volkswagen zur Aurora-Kundschaft. Das ist Geschichte VW zieht sich nach der Lieferung diverser Fahrzeuge, die die bau Aurora umgebaut wurden, aus der der Kooperation zurück.

Zum Verhängnis wurden Jungwirth (und damit auch der Kooperation mit Aurora) nicht seine visionären Ideen, sondern ein klassischer Strategiewechsel beim autonomen Fahren, den Konzernchef Herbert Diess eingeleitet hat. Der will am autonomen Fahren festhalten, die Technologie aber von Beginn an konsequent auf tragfähige Geschäftsmodelle aufbauen. Aus diesem Grund hat Volkswagen die gesamte Entwicklung des autonomen Fahrens in der von Thomas Sedran geführten Nutzfahrzeugsparte (VWN) in Hannover gebündelt. Dort werden Transporter und Lkw entwickelt und gebaut, die später autonome Systeme verwenden sollen. Wie das im Alltag aussehen kann, zeigt das VW-Tochterunternehmen Moia, das mit elektrisch betriebenen Kleinbussen einen Sammel-Fahrdienst anbietet, dafür aktuell aber noch menschliche Fahrer einsetzt. Ein autonomer Moia-Chauffeur wäre genau so ein tragfähiges Geschäftsmodell, das Konzernchef Diess einfordert.

VW und Ford nähern sich weiter an

VW Moia
VW
VW-Tochter Moia nutzt für ihre elektrischen Sammeltaxis aktuell noch menschliche Fahrer.

Ein weiterer Grund für das Ende des Aurora-Abenteuers: Die Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen hat sich jüngst mit dem US-Autokonzern Ford zusammengetan, um Transporter und leichte Nutzfahrzeuge gemeinsam zu entwickeln und zu produzierten. Dabei muss es aber nicht bleiben. Es spricht viel dafür, dass die Ford-VW-Kooperation erst am Anfang steht. So wäre es denkbar, dass sich Volkswagen auch an der Ford-Tochter Argo.ai beteiligt. Die entwickelt bislang exklusiv für den US-Konzern die Technologie fürs autonome Fahren.

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FCA übernimmt den Platz von VW

Aurora-Gründer Urmson muss sich allerdings nicht lange darüber ärgern, dass ihn die Wolfsburger aus dem Spiel genommen haben: Schon Anfang Juni 2019 verkündete das amerikanische Start-up, künftig auch für Fiat-Chrysler (FCA) zu entwickeln. FCA könnte für Aurora ein echter Glücksfall werden. Der Konzern liefert zwar fleißig Fahrzeuge an die Google-Tochter Waymo, profitiert aber von der Waymo-Technologie nicht und steht bislang ohne eigenes Know-how in Sachen autonomes Fahren da.

Fazit

Die Zeit der Konsolidierung beginnt bei autonomen Fahren, bevor die Technologie überhaupt auf der Straße ist. Das kommt nicht allzu überraschend. Die Kosten sind schlicht zu hoch. Deshalb werden fleißig Allianzen geschmiedet. BMW tut sich auf diesem Feld mit Daimler zusammen. VW wahrscheinlich mit Ford. Und Fiat-Chrysler jetzt eben mit Aurora. Echte Verlierer gibt es bei diesem Spiel noch nicht. Aktuell leidet vor allem die Geschwindigkeit, den fast alle Konzerne und Start-ups haben die Serienstarts ihrer autonomen Technologie nach hinten geschoben. Nur Tesla will bis 2020 eine eigene autonome Taxiflotte am Start haben.

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