Vernetzung per OBD-Stecker, Service, ams0219 Hans-Dieter Seufert

Vernetzung per OBD-Stecker

So wird Ihr Auto zum Smart-Car

Um das Auto zu vernetzen, genügt oftmals ein Stecker für die On-Board-Diagnose (OBD) mit der passenden Smartphone-App. Wir erklären Ihnen, wie die Systeme funktionieren und was Sie damit machen können.

Dass Daten in jeglicher Form eine der wichtigsten Währungen sind, ist inzwischen kein Geheimnis mehr. Auch Ihr Auto – sofern es nicht gerade ein Oldtimer ist – produziert eine unvorstellbare Menge solcher digitalen Informationen, schließlich können in einer vollausgestatteten Oberklasse-Limousine bis zu 100 Steuergeräte stecken. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Equipment können Sie die Daten auch selbst nutzen, um sich den Alltag zu erleichtern.

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Hans-Dieter Seufert
Immer mehr Anbieter auf dem Markt wollen Autos zum Smart-Car aufrüsten. Benötigt wird dafür neben einem Smartphone mit passender App auch ein Stecker für die OBD-Buchse.

Denn spätestens seit 2001 müssen in Europa alle Pkw mit Ottomotor und seit 2003 alle Diesel-Pkw mit einer standardisierten On-Board-Diagnose (OBD)-Schnittstelle ausgestattet sein. Darüber können zum einen Werkstätten Fehlerprotokolle des Fahrzeugs auslesen. Zum anderen bietet sie die Möglichkeit, das Auto mittels Bluetooth-Modul – dem sogenannten OBD-Dongle – sowie einer passenden Smartphone-App zu vernetzen.

Großes Angebot im Netz

Entsprechende Stecker gibt es für wenige Euro im Internet, in Deutschland entwickelte Produkte kosten ab etwa 30 Euro. Auch das App-Angebot ist für die gängigen Betriebssysteme Android und iOS vielfältig.

Einfacher und meist sicherer geht es mit fertigen Komplettsystemen wie dem VW Connect (um 40 Euro) oder TomTom Curfer (79,95 Euro). Hier sind nicht nur Stecker und App aufeinander abgestimmt, sondern die sensiblen Daten oft auch besser geschützt. Zudem lässt sich vorab online prüfen, ob die gewünschten Funktionen für das jeweilige Fahrzeug verfügbar sind.

10/2018, Faurecia Cockpit Paris 2018

Die Installation läuft ansonsten schnell und einfach. Zunächst lädt man sich die zugehörige App aufs Handy und registriert sich im System, was mitunter einige Minuten dauern kann. Danach steckt man den Dongle in die 16-polige OBD-2-Buchse und verbindet Stecker und App per Bluetooth. Bei einigen Geräten benötigt man dafür einen mitgelieferten Code, im Grunde ist die Sache aber nicht komplizierter, als beispielsweise einen Bluetooth-Kopfhörer einzurichten. Allerdings ist die OBD-2- Schnittstelle in einigen Fahrzeugen gut versteckt. Meist befindet sie sich zwar unterhalb des Armaturenbretts in der Nähe des Fahrersitzes, im Zweifel hilft aber nur die Bedienungsanleitung des Autos weiter.

Bordcomputer nachrüsten

Doch was bringt die ganze Sache nun? Im einfachsten Fall dient die App als Diagnosewerkzeug, um selbst den Fehlerspeicher auslesen zu können, wenn eine der Kontrollleuchten im Cockpit ein Problem signalisiert.

Doch auch wer seinen Wagen nicht selbst reparieren möchte, profitiert von der Vernetzung. Über den Dongle lässt sich nämlich in Echtzeit ein Großteil der Sensordaten darstellen, vom Öldruck über die Motordrehzahl bis hin zum Spritverbrauch. Mit wenig Aufwand lässt sich so bei älteren Modellen ein umfangreicher Bordcomputer nachrüsten.

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Achim Hartmann
Angezeigt werden die Daten auf dem Smartphone. Für die Fahrt wird daher eine Halterung nötig.

Bei Systemen wie VW Connect und TomTom Curfer stehen dagegen eher Alltagsanwendungen im Vordergrund. So bietet die VW-App an, bei einem erkannten Fehlercode eine Terminanfrage an eine vorab festgelegte Vertragswerkstatt zu senden. Außerdem merkt sie sich über das Smartphone-GPS, wo das Auto nach der letzten Fahrt geparkt wurde, und hilft, den Fahrstil zu verbessern, um beispielsweise Sprit zu sparen.

Die aber wohl wichtigste Funktion ist das digitale Fahrtenbuch. Hiermit lassen sich mit nur wenigen Klicks geschäftliche und private Fahrten umfassend dokumentieren. In die falschen Hände sollten diese Daten allerdings nicht geraten, denn aus den Infos, wann der Fahrer wo und wie schnell gefahren ist, lässt sich auch ein detailliertes Bewegungsprofil erstellen.

So funktionieren die OBD-Stecker

Bislang wird nahezu jede Komponente im Auto über ein eigenes Steuergerät geregelt. Um auch komplexe Systemfunktionen umsetzen zu können, bei denen die Steuergeräte miteinander kommunizieren müssen, werden sie über einen zentralen Kabelstrang, den sogenannten CAN-Bus, verbunden. Genau dort zapft auch die On-Board-Diagnose ihre Informationen ab. Technisch ist es sogar möglich, auf diesem Weg nicht nur Fehlercodes und Daten auszulesen, sondern umgekehrt auch auf die Steuergeräte zu schreiben, sie also umzuprogrammieren. Einige Apps ergänzen die Fahrzeugdaten mit zusätzlichen externen Informationen – wie beispielhaft dargestellt –, um mehr Funktionen anbieten zu können.

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