VW-Chef Diess will Software-Spezialisten kaufen

Volkswagen wird jetzt auch zum Software-Macher

VW Vorstandsvorsitzender Herbert Diess Foto: Volkswagen

Auf der Jahres-Pressekonferenz gibt Volkswagen Einblicke in die Zukunft des Konzerns. Im Vordergrund steht dabei die Entwicklung von Software und digitalen Dienstleistungen.

Ganz zu Beginn der Pressekonferenz machte Konzernchef Herbert Diess schon klar, dass er in Wolfsburg mächtig am Althergebrachten rüttelt: „Wir beginnen, uns vom reinen Autohersteller zum softwaregetriebenen Unternehmen zu wandeln“. Ein gutes Beispiel ist der Klassiker Golf: das aktuelle Modell hat zwischen 50 und 100 Millionen Zeilen an Software-Codes. Das wird sich weiter steigern. Ein vollkommen autonom fahrendes Fahrzeug wird nach VW-Auskunft eher eine Milliarde Code-Zeilen benötigen.

Aktuell ist der Status quo, dass die Entwicklung von Software, Services und Diensten im Konzern über die Marken und viele Beteiligungen verstreut ist. Folglich gibt es auch kaum Synergien. Das VW-Imperium benötigt aber konzernübergreifenden Software-Lösungen, die als Basis für das gern genannte „Kundenerlebnis“ dient oder regelmäßige Software-Updates „over the air“ in die Fahrzeuge der Kunden zu Hause leisten kann.

Gewinnsprünge durch Software-Verbesserungen

Diess erster Schritt war eine Personalie: Seit März ist Christian Senger (44) Software-Vorstand der Marke Volkswagen und leitet das Ressort Digital Car & Services. Damit spaltete Herbert Diess im Unternehmen die Entwicklung von Hardware und Software auf. Und lieferte auch hier ein Beispiel: „Beim Anlauf des neuen Golfs merken wir, dass die Vernetzung der unterschiedlichen Steuergeräte heute viel zu komplex ist. Die 70 Steuergeräte von rund 200 unterschiedlichen Lieferanten führen wir zu drei Zentralrechnern im Auto zusammen“.

VW Software-Vorstand Christian Senger Foto: Volkswagen
Seit 1. März 2019 ist Christian Senger Mitglied des Vorstands der Marke Volkswagen Pkw für das neu geschaffene Ressort Digital Car & Services.

90 Prozent aller künftigen Innovationen werden aus Software-Verbesserungen generiert – und damit will auch Volkswagen entsprechend Umsatz und noch vielmehr Gewinne erwirtschaften. „Während wir bisher in 7-Jahres-Lebenszyklen gedacht und gearbeitet haben, müssen wir künftig in Wochen- oder sogar Tagesschritten denken lernen“, erläuterte Diess. „Wir müssen unsere Fahrzeuge mit einer Software-Welt beleben, die einer viel schnelleren Taktung folgt“.

So schnell wie möglich wollen Konzernchef Diess und sein neuer Software-Chef Christian Senger das geplante Betriebssystem mit dem Namen „vw.OS“ serienreif entwickelt haben. Und wollen damit – ähnlich den Betriebssystemen iOS oder Android in Mobilgeräten – einen Software-Standard setzen, auf dem später die vielfältigen Software-Angebote des Konzerns fußen sollen.

Weitere Übernahmen von Software-Zulieferern geplant

Um mehr Tempo zu machen, verkündete Konzernboss Diess, auch weitere Lieferanten ganz oder zum Teil übernehmen zu wollen, die bisher Software an Volkswagen geliefert haben. Kurz vor Weihnachten hatte VW zwei Zukäufe bekannt gegeben. Mit 75,1 Prozent beteiligte sich VW an dem Telematik-Spezialisten Wireless Car, einer Volvo-Tochter, die weltweit schon 3,5 Millionen Autos über ihr System vernetzt. Und mit 49 Prozent an dem E-Commerce-Spezialisten Diconium aus Stuttgart, der auch mit Daimler schon ein erfolgreiches Projekt realisierte.

Eine weitere Grundlage, um diese Services überhaupt direkt ihren Kunden antragen zu können, ist nach Diess Angaben nun auch unter Dach und Fach: Zum April 2020 greift die Umstellung der Händler-Verträge. „So können wir zum ersten Mal direkten Kontakt mit unseren Kunden aufnehmen, wenn sie das wollen – vor allem über digitale Kanäle“.

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Bis dahin entsprechende Software-Lösungen wie Apps fertig zu haben, lässt der Volkswagen-Konzern seine aktuell 20.000 Entwickler weiterbilden. Diese arbeiteten bis dato zu 90 Prozent an Hardware, sagte Diess, „bis 2030 wird sich das radikal ändern. Software wird die Hälfte der Entwicklungsleistung ausmachen“.

Für die weitere Qualifizierung der eigenen Truppen rief Diess die „Fakultät 73“ ins Leben. Das Programm startet gerade mit 100 Teilnehmern und soll diese innerhalb von zwei Jahren zu Software-Experten ausbilden. Die Teilnehmer erhalten eine hochwertige Software-Ausbildung an der Auto-Uni in Wolfsburg mit intensiven Programmierschulungen und sind nach dem Abschluss „geprüfter IT-Entwickler (Certified IT System Manager)“.

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