Wattway Solarstraße Colas
Wattway Solarstraße
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Solarstraße in Frankreich

Photovoltaik statt Asphalt - ein Desaster

Die französische Regierung hatte sich viel von der ersten Solarstraße im Land erhofft. Nun stellt sich heraus: Die Technik ist weder energieeffizient noch wirtschaftlich.

Zu laut, zu kaputt, und zu wenig Energie liefert sie auch noch: Die Bilanz für Frankreichs erste Solarstraße fällt nach zweieinhalb Jahren Testzeit ernüchternd aus. Wie die französische Tageszeitung „Le Monde“ berichtet, verursacht die rund einen Kilometer lange und insgesamt 2.800 Quadratmeter große Fläche mehr Probleme, als dass sie tatsächlich nützlich wäre.

Nicht so strapazierfähig wie erhofft

Der revolutionäre Straßenbelag ging Ende 2016 unter dem Namen Wattway an den Start. Dabei wurden Solarzellen aus polykristallinem Silizium auf der Straßenoberfläche angebracht. Die einzelnen Platten messen 15 x 15 cm, jede einzelne Zelle ist nur wenige Millimeter stark. Der daraus entstehende Straßenbelag sollte extrem strapazierfähig sein und auch Belastungen durch schwere Lkw aushalten können. Auch die Bremswege auf dem Solarbelag sollen sich nicht von denen auf konventionellem Asphalt unterscheiden.

Die harte Realität zeigt: Offensichtlich ist die Technik doch zu fragil für den harten Einsatz als Straßenbelag. Schließlich dient das Stück auf der D5 in der Normandie zwischen zwischen Tourouvre und Gué-à-Pont als regulärer Teil der Nationalstraße D5; dort fahren demnach auch Lastwagen und Traktoren entlang. Vor allem diese haben einen Teil der Teststrecke offenbar so ramponiert, dass er nicht repariert werden konnte – was dazu führte, dass die Teststrecke um 100 Meter gekürzt wurde. Vom Rest der Solarstraße löst sich inzwischen das zum Schutz aufgebrachte Silikon und Harz, sodass auch dieser Teil inzwischen überstrapaziert wird. Außerdem stellte sich heraus, dass die PV-Platten bei der Überfahrt viel Lärm erzeugen – mit dem Ergebnis, dass das Tempolimit auf der Strecke auf 70 km/h gesenkt werden musste.

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Die Solarstraße sollte genug Strom für Elektroauto-Ladesäulen liefern - in der Theorie.

Deutlich weniger Solarenergie als gedacht

Doch auch ihren Job als Energielieferant erfüllt die Strecke nur unzureichend. Schon eine 20 Quadratmeter große Wattway-Fläche sollte genügend Strom für einen Haushalt oder für Elektroauto-Ladesäulen erzeugen können. Ursprünglich geplant war, mit der Solarstraße pro Tag 790 Kilowattstunden (kWh) Sonnenenergie zu generieren. Macht pro Jahr 288.350 kWh – in der Theorie. Tatsächlich konnten „Le Monde“ zufolge im ersten vollen Jahr noch 149.459 kWh gewonnen werden, immerhin fast 52 Prozent der geplanten Menge. 2018 sank der Wert bereits auf 78.397 kWh (knapp 27 Prozent). Der Wert dürfte 2019 weiter fallen, seit Januar wurden nur 37.900 kWh gewonnen (gut 13 Prozent).

Das hat mehrere Gründe. Erstens ist die Normandie in Nordfrankreich nicht gerade als die sonnigste Region unseres Nachbarlandes bekannt. Zweitens sind die Solarzellen offenbar nicht optimal in Richtung Sonne ausgerichtet. Auch die Beschädigungen berauben die PV-Straße eines beträchtlichen Teils ihrer Effizienz. Hinzu kommt, so banal das klingt: Wenn im Herbst und Winter heruntergefallene Blätter oder Schnee die Anlage bedecken, blockieren sie die Sonneneinstrahlung – und verhindern deren Umwandlung in elektrische Energie.

Tests in anderen Ländern wurden eingestellt

Frankreich hatte die Solarstraße in der Normandie mit fünf Millionen Euro gefördert und verfolgte den Plan, bis zum Jahr 2020 etwa 1.000 Kilometer Straße mit Photovoltaik ausstatten. Außerdem sollten weitere Teststrecken in der Bretagne und Südfrankreich entstehen. Was aus diesem Vorhaben angesichts der ernüchternden Testergebnisse wird, ist derzeit noch nicht bekannt. Frühere Tests mit Solarstraßen in den Niederlanden und den USA wurden übrigens aus Kostengründen wieder eingestellt.

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Natürlich. Die Technik hat Potenzial. Nun muss halt weitergeforscht werden.
Natürlich nicht. Die im Test gezeigten Probleme lassen sich nicht einfach lösen.

Fazit

In der Theorie schienen Solarstraßen eine wunderbare Idee zu sein. Doch manchmal scheitern clever erscheinende Dinge im harten Alltag leider, und das scheint der Photovoltaik-Straße passiert zu sein. Bleibt zu hoffen, dass sich die Entwickler nicht entmutigen lassen und weiterforschen. Denn manchmal ist es ja auch so, dass sich Dinge, die im Erstversuch versagten, nach einer gewissen Zeit doch als ziemlich nützlich entpuppten.

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