"Die Höhle der Löwen"

CurveSYS-Lenkrad soll Leben retten

curvesys, Marcel Sommer Foto: curvesys

In der „Höhle der Löwen“ räumten die nachrüstbaren Lenkradsensoren von CurveSYS einen 300.000-Euro-Deal mit Carsten Maschmeyer ab. Das System soll Leben retten. Wir haben uns einen Prototypen angesehen!

Denis Güzelocak und Stefan Weinzierl von CurveSYS fiel im Oktober 2018 ein großer Stein vom Herzen, als Carsten Maschmeyer in der „Höhle der Löwen“ hat das Angebot für ihre Erfindung leicht modifiziert akzeptierte: 300.000 Euro für die beiden Gründer und 25,1 Prozent für Maschmeyer. Die Erfindung wirkt auf den ersten Blick erfolgversprechend und soll sogar Leben retten.

Im Kern ist das vorgestellte Produkt eine sowohl für die Serienfertigung als auch zum Nachrüsten konzipierte Sensorik für Auto-Lenkräder. Sensoren in einer 0,43 Millimeter dicken Folie „überwachen“ die Hände des Fahrers und sollen erkennen, wenn er müde wird und ihn dann warnen oder wecken. Gleichzeitig sollen die Sensoren beispielsweise einen Herzinfarkt erkennen und nach einem dadurch entstandenen Unfall einen Notruf absetzen, Standort und sogar Blutgruppe sowie den Namen des Verunfallten an die Rettungsstelle weiterleiten. Hinzu kommt die Fähigkeit, mehrere Zonen auf dem Lenkrad mit unterschiedlichen Befehlen zu konfigurieren.

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CurveSYS stellt fest, wenn der Fahrer sein normales Fahrprofil ändert und warnt ihn.

Wir haben uns CurveSYS aus der Nähe angesehen und im ADAC-Fahrsicherheitszentrum Ingolstadt den Prototypen getestet. Im beheizten Raum reagierte das Ausstellungsstück reibungslos. Alle Funktionen wurden auf Anhieb erkannt und ausgeführt. In der Praxis, in diesem Falle durfte ein Audi A4 als Technikträger herhalten, konnte das System zunächst nicht überzeugen. Der Grund war schnell ausgemacht: „Die niedrige Temperatur und ein fehlerhafter Algorithmus“, gibt Denis Güzelocak zu. Kaum war das Lenkrad „warmgefahren“ und die kleine Softwarepanne behoben, lief es besser. Noch nicht perfekt, aber besser – ein Prototyp eben. Tippt der Autofahrer zum Beispiel dreimal kurz auf das Lenkrad, erscheint die Telefoneinstellung auf dem Bildschirm des Infotainmentsystems – einmal lang und zweimal kurz reduziert die Lautstärke des Radios. Später sollen mehr als vier Zonen und Befehle konfigurierbar sein.

Beheiz- und frei konfigurierbar

curvesys, Marcel Sommer, Denis Güzelocak
Autozubehör CurveSYS soll Leben retten 3:20 Min.

Das System ist zudem in der Lage, unabsichtlich gegebene Befehlen zu erkennen, die zum Beispiel beim Umgreifen in einer Kurve vorkommen könnten. „Unsere Software misst unter anderem eine Historie über den Fahrer/in und vergleicht sie um Fehlbefehle zu vermeiden. Eine eigene Software misst hier kontinuierlich mit und agiert erst, wenn die Lage eindeutig ist. Tagtägliche Manöver wie beispielsweise das Umgreifen an sich, sind dem System bekannt. Es wird auch nichts passieren, wenn der Fahrer/in Heavy Metal hört und auf das Lenkrad klopft!“, erklärt CurveSYS-Gründer Denis Güzelocak.

Ein potenzielles Einsatzgebiet der flexiblen und dehnbaren Sensoren ist im Prinzip das gesamte Fahrzeuginnere, bzw. überall dort, wo vom Insassen erreichbare Oberflächen zu finden sind. Die von CurveSYS patentierten Sensoren können selbst unter Holzdekor Befehle empfangen und sie zur selbstentwickelten CAN-BUS Software weiterleiten – auch mit Handschuhen, wie der erste Praxistest zeigt. Hinzu kommt noch die Möglichkeit, die Folie mit einer Heizung auszustatten.

Intelligentes Lenkrad soll ab 299 Euro kosten

Zwei Modelle wollen die beiden Gründer in Zukunft anbieten, wie Denis Güzelocak verrät: „Zum einen kommunizieren wir im Automobilgeschäft grundsätzlich mit dem Fahrzeug. Im späteren Nachrüstgeschäft kommuniziert CurveSYS über eine Art Bluetooth, einen Transponder und einer Smartphone-App. Unser Fokus liegt aktuell sehr stark im direkten Geschäft mit den Automobilherstellern.“ Dass dies kein Wunschtraum ist, zeigen bereits erste Kooperationen mit Daimler, VW, Audi, Nio und vielen weiteren. Auch Elektronikkonzerne wie Samsung sind an der patentierten Technik Made in Germany interessiert.

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Das CurveSYS-Paket für Automobilhersteller umfasst ein Lenkrad, eine Auswertungselektronik (optional CPU, CAN oder LIN BUS) und einen Mini-PC oder Tablet, die alle kompatibel für Hersteller-Tests sein sollen. Der Nachrüst-Kit wird aus einem Design-Cover bestehen, in dem die Sensorik eingebettet ist – allerdings kein Lammfell, wie fälschlicherweise in der Sendung kommuniziert wurde. Die erste Generation wird rund 299 Euro inklusive eines 2-Jahresvertrages inklusive E-Call mit einem Mobilfunkanbieter kosten und in einer (im Vergleich zum CurveSYS-Serienlenkrad der Automobilhersteller) leicht abgespeckten Version verfügbar sein.

Müdigkeitswarner und Lebensretter

Bei Bussen und Lkw wird der Nachrüstsatz etwas teurer ausfallen. „Wir sind aktuell auch in Gesprächen mit Versicherungen. Sobald unsere Verhandlungen abgeschlossen sind, werden zahlreiche Kunden bei ihrer neuen Kfz-Teilkaskoversicherung CurveSYS für ein Jahr zu ihrer Police gratis erhalten“, meint Denis Güzelocak. Auch hier bieten die Münchener eine interessante Neuheit an. Sollte die Software erkennen, dass der Bus- oder Lkw-Fahrer ermüdet, wird ihm auf sein Smartphone ein Kaffeegutschein des nächsten Rastplatzes gesendet – mit der Bitte doch kurz mal Pause zu machen. Und auch in Hinblick auf Unfälle von Motorradfahrern bietet sich das Verbauen der Sensoren an, wie Denis Güzelocak erklärt: „Neben den personenbezogenen Daten wie Blutgruppe oder Name können die Sensoren die Position des verunglückten Motorradfahrers per E-Call an die Leitstelle übermitteln. Nicht selten wird das Motorrad selbst recht schnell, der Fahrer aber viel zu spät gefunden.“

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Fazit

CurveSYS bringt mit seiner vielfältig einsetzbaren und berührungsempfindlichen Sensorik eine ganz neue Art der Bedienung ins Auto. Aufgrund der einfachen Handhabung könnte ihr sogar eine größere Zukunft bevorstehen, als der Sprachbedienung. Das Erkennen von Müdigkeit oder sogar eines Herzinfarktes mithilfe intelligenter Algorithmen oder das Absetzen eines Notrufs inklusive Ortung und Übermittlung personenbezogener medizinischer Daten klingt fast schon ein bisschen zu sehr nach Science-Fiction. Außerdem haben viele Hersteller ähnliche Systeme bereits implementiert.

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