Boring Company Vergleichsvideo Tesla Boring Company

Boring Company von Elon Musk

Videovergleich soll Tunnel-Vorteil zeigen

Elon Musks Boring Company soll für rund eine Milliarde Dollar ein Tunnelsystem in Chicago bohren. Der erst Test-Tunnel im kalifornischen Hawthorne ist fertig. Jetzt zeigt ein Video, wie viel Zeitersparnis möglich ist.

Multimilliardär und Multiunternehmer Elon Musk (PayPal-Mitbegründer, Tesla, Space X) hatte vor mehr als einem Jahr, wie so oft über den Kurznachrichtendienst Twitter, angekündigt, dass er eine Tunnelbohrmaschine bauen und einfach losbohren werde.

Autonom mit 205 km/h durch Tunnel

Ganz aktuell ist ein Video veröffentlicht worden, das zeigen soll, wie groß der zeitliche Vorteil des von einem autonom fahrenden Teslas genutzten Tunnelsystems gegenüber dem oberirdischen Straßenverkehr ist. In dem Video starten zwei Tesla-Fahrzeuge zeitgleich (auto motor und sport hat den genauen Start- und auch Zielort ermitteln können) in der 412 W 120th Street in Hawthorne, Kalifornien. Das eine Fahrzeug oberirdisch, das anderen nutzt einen von der Boring Company gebohrten Tunnel. Ziel der beiden Wettkämpfer ist 12260 Crenshaw Boulevard, nahe der Space X-Zentrale. Die exakte Entfernung ist oberirdisch gemessen 1,9 Kilometer.

Die Tatsache, dass der bis zu 205 km/h schnelle Tunnelfahrer gewinnt, überrascht nicht. Lediglich die Tatsache, dass der maximal 71 km/h schnelle oberidische Teilnehmer von den insgesamt 4:44 Minuten ganze 1:25 Minuten an der ersten Ampel und 25 Sekunden an einer weiteren Ampel stand, hat ein wenig Geschmäckle – soll aber selbstverständlich aufzeigen, wie viel Zeit unter der Erde ohne Ampeln oder Stau eingespart werden könnten. Der Tunnelfahrer kam nach 1:36 Minuten an. Wird die reine Nettofahrtzeit des Unterlegenen errechnet, ergeben sich knapp drei Minuten. Er benötigt demnach ampelbereinigt das Doppelte der Zeit. Die große Frage ist nun, ob sich die Millionen- beziehungsweise Milliarden-Investitionen wegen ein paar Minuten tatsächlich lohnen könnten.

Mit bis zu 241 km/h auf Schlitten durch den Tunnel

Um dem Stau zu entkommen, könnte ein Auto aber auch auf einem Schlitten parken, der wie ein Aufzug in eine unterirdische Röhre fährt. Die Passagiere bleiben im Auto sitzen, während der Schlitten mit bis zu 241 km/h durch die Röhre fährt. Im Video ist auch eine gläserne Kapsel zu sehen, mit der Passagiere transportiert werden. Der erste Test-Tunnel ist am 18. Dezember 2018 im kalifornischen Hawthorne fertiggestellt worden.

Allerdings verlief der erste öffentliche Testlauf in der zehn Milliarden US-Dollar teuren Röhre etwas anders, um nicht zu sagen rudimentärer ab, als gedacht. Denn weder Schlitten noch schicke Transportkapseln wurden durch die enge Röhre geschickt, sondern ein Tesla Model X mit angeschraubten Seitenrädern. Ein Führungssystem, das in Deutschland seit Jahrzehnten von Spur-Bussen angewendet wird, die auf Mittelspuren von Autobahnen oder in ähnlichen Verkehrssituationen zum Einsatz kommen. Innovation ist anders. Zudem raste der weiße Stromer auch nicht mit rund 240 km/h durch die Unterwelt, sondern mit Tempo 80, da der Boden laut Musk noch nicht geglättet sei.

Eine Milliarde Dollar für Tunnel in Chicago

Im Januar 2018 begannen Bohrungen für eine Teststrecke im US-Bundesstaat Maryland. Der 20 Kilometer lange Tunnel soll unter der Route 295 verlaufen. Auch im Raum Los Angeles laufen erste Vorbereitungen für ein Tunnel – Elon Musk hatte hier vor allem Verbindungen zwischen dem internationalen Flughafen von Los Angeles mit Orten Sherman Oaks (eine Fahrt ein Dollar) auf seinem Wunschzettel. Auch ein Tunnelsystem, das die Städte New York, Philadelphia, Baltimore und Washington DC verbindet, ist geplant. Die Fahrzeit zwischen New York und Washington DC würde dann bei 29 Minuten liegen – mit dem Auto bräuchte man überirdisch auf der teilweise mautpflichtigen Strecke dafür aktuell fast vier Stunden.

Der Bürgermeister von Chicago, Rahm Emanuel, hat angekündigt, dass ein Tunnelsystem zwischen dem Stadtzentrum und dem Flughafen O’Hare für rund eine Milliarde US-Dollar gebaut werden soll. In Elektroshuttles soll die Strecke in 12 statt in 40 Minuten absolviert werden. Alle 30 Sekunden werden 16 Passagiere inklusive Gepäck in E-Shuttels zwischen der Innenstadt und dem Flughafen transportiert. Die Tunnel-Verbindung soll billiger sein, als eine herkömmliche Taxifahrt auf dieser Strecke. Die Einnahmen gehen an Musks Boring Company, die zudem noch Gelder unter anderem durch Werbung erwirtschaften will. Der Stadrat von Chicago hat dem Projekt jedoch noch nicht zugestimmt.

Las Vegas steht auch auf Musks Wunschzettel

3/2019, Las Vegas
Pixabay
Die Wüstenstadt Las Vegas ist Heimat für viele Messen, darunter die CES.

Autos von Tesla könnten auch beim geplanten Tunnel in der Wüstenstadt Las Vegas zum Einsatz kommen. Die Las Vegas Convention and Visitors Authority (LVCVA), die also für den Zustrom von Besuchern in das Spielerparadies zuständig ist, wünscht sich ein entsprechendes Transportsystem schon zur CES (Consumer Electronics Show) Anfang 2021. In einem ersten Schritt sollen damit die Wege im weitläufigen Messe- und Ausstellungszentrum bewältigt werden können, später stellen sich die Verantwortlichen auch weitere Tunnel zum Anschluss der große Hotels am „Strip“ an die Messehallen vor.

Steve Hill, Chef der LVCVA, wird vom US-Magazin „The Verge“ bei einer relativ offenen Fahrzeugwahl für den Personentransport im Tunnel zitiert. Dem Bericht zufolge könnten Tesla Model S oder Model X ebenso im Tunnel fahren wie eine elektrisch angetriebene Tram mit Platz für bis zu 16 Passagiere. Ob das Tunnelprojekt in weniger als zwei Jahren Bauzeit realisiert werden kann, bleibt fraglich. Nicht erst auf der CES 2020 dürften wieder neue autonome People Mover stehen, die den Verantwortlichen auch eine Transportlösung auf der Oberfläche schmackhaft machen könnten.

The Boring Company
Anti Stau-Tunnels für Elektroautos
1:29 Min.

Fazit

Dass es unterirdisch ohne Ampeln und Stau flotter von A nach B geht, liegt auf der Hand. Doch ob sich die Städte eine Einsparung von ein paar Minuten tatsächlich mit vielen Millionen und Milliarden erkaufen werden, ist nicht anzunehmen.

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