06/2019, Silent Air Taxi e.SAT GmbH

Flugtaxi mit Hybridantrieb

MTU steigt bei Silent Air Taxi ein

Leise, sauber und kostengünstig: All diese Attribute soll das Silent Air Taxi erfüllen. Beteiligt ist Prof. Günter Schuh, ein guter Bekannter aus der Autoindustrie. Und auch der Münchner Triebwerkshersteller MTU steigt bei dem Projekt ein.

Günther Schuh als umtriebig zu bezeichnen, wäre die Untertreibung schlechthin. Nicht nur, dass der Universitätsprofessor an der RWTH Aachen – unter anderem – die Lehrstühle für Produktionssystematik und -management leitet. Nein, Schuh hat auch Streetscooter, das Elektro-Transporter-Start-up, groß gemacht und an die Deutsche Post verkauft. Gerade bringt er mit dem E-Go Life einen elektrischen Kleinwagen zu bezahlbaren Preisen auf den Markt. Als wäre das nicht schon genug, beteiligt er sich auch noch an der Entwicklung des Hybrid-Kleinflugzeugs namens Silent Air Taxi.

Leises Flugtaxi für bis zu fünf Personen

Das Projekt einer Firma namens E-SAT GmbH sowie der Hochschulen RWTH und FH Aachen begleitet Schuh als CFO. Er verantwortet also das Finanzielle dieser Verflechtung aus Firmen und Forschungseinrichtungen, deren Ziel es ist, ein leises Flugtaxi für bis zu fünf Personen in die Luft zu bringen. Schuh hat sicherlich dazu beigetragen, MTU an Bord zu holen. Der große Münchner Triebwerkshersteller war bereits Technologiepartner bei dem Projekt und beteiligt sich jetzt auch finanziell daran. MTU sicherte sich für zehn Millionen Euro Firmenanteile und beteiligt sich an Entwicklung und Bau des Silent Air Taxis.

Nach vier Jahren Entwicklungszeit und zahlreichen Patentanmeldungen wurde das Modell des Silent Air Taxis vor wenigen Tagen erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Es verfügt über einen nicht näher beschriebenen elektro-hybriden Antrieb und zeigt sich durch sein Boxwing-Konzept strömungsmechanisch optimiert. Auf dem Flugplatz Aachen-Merzbrück, in den nun 12,7 Millionen Euro investiert werden, soll das Flugtaxi nun zur Serien- und Produktionsreife weiterentwickelt werden, damit 2022 der Erstflug unternommen und 2024 die Musterzulassung gefeiert werden kann.

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Das Silent Air Taxi reiht sich noch nicht in jene Projekte ein, bei denen es um autonome Flugtaxis geht. Es benötigt noch einen Piloten und soll maximal vier Passagiere bis zu 1.000 km weit mit einer Reisegeschwindigkeit von mehr als 300 km/h befördern. Das Fluggerät soll mehrere entscheidende Vorteile bieten: Beispielsweise so leise starten, dass es im Abstand von 100 Metern bereits nicht mehr zu hören ist. Zudem muss die Start- und Ladebahn lediglich 400 Meter lang sein; eine Voraussetzung, die den Machern zufolge 95 Prozent aller deutschen Flugplätze erfüllen. Da 80 Prozent der Bevölkerung in Deutschland in einem Radius von 25 Kilometern zu einem Flugplatz wohnen, könne so eine Entlastung für den Zubringer- und Intercity-Verkehr geschaffen werden.

Ein Flug zum Preis eines Bahntickets

Die individuellen Reisezeiten sollen dank des Silent Air Taxis signifikant reduziert werden. Gleichzeitig sollen Flüge in dessen Kabine bezahlbar sein. Die E-SAT GmbH sowie die RWTH und FH Aachen stellen Tickets in Aussicht, die in etwa so günstig sein sollen wie Erste-Klasse-Fahrkarten der Bahn für eine vergleichbare Strecke. Das Silent Air Taxi soll gegenüber einer Bahnreise zudem Vorteile in Sachen Pünktlichkeit und Flexibilität haben.

06/2019, Silent Air Taxi
e.SAT GmbH 1/5 Das Silent Air Taxi soll 2022 erstmals abheben und zwei Jahre später die Musterzulassung erhalten.
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Fazit

Günther Schuh hat mit dem Streetscooter bereits bewiesen, dass er studentische Ideen und Forschungsprojekte serienreif entwickeln und am Markt etablieren kann. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass ihm mit dem E-Go Life Ähnliches gelingt. Ob er auch erfolgreich sein kann, wenn er den Boden verlässt und sich in eine neue Dimension der Mobilität begibt, muss sich erst noch zeigen. Zu viele technische und rechtliche Eckpunkte scheinen noch ungelöst; zudem tummelt sich hier viel Konkurrenz. Interessant ist das Silent Air Taxi allemal – und realistische Alternativen zu den klassischen Verkehrsträgern sind sowieso stets willkommen.

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