Interview mit Wolfgang Ziebart

Der Jaguar-Entwickler über den I-Pace

Interview mit I-Pace-Entwickler Wolfgang Ziebart, Wolfgang Ziebart Foto: Nick Dimbleby 5 Bilder

Wie viel Raubkatze steckt in einem elektrisch angetriebenen Jaguar? Interview mit I-Pace-Entwickler Wolfgang Ziebart.

Ein Jaguar ohne Geruch und Sound eines Verbrennungsmotors: Wie fühlt sich das an?

Wie ein richtiger Jaguar! Die klassischen Jaguar-Tugenden sind „Grace, Space, Pace“, also die Kombination aus Fahrleistung, Fahrkomfort und Platzangebot. Für diese Tugenden bietet ein Elektrofahrzeug sogar bessere Bedingungen als ein konventionelles Automobil. Diese Tugenden waren für uns die Leitlinien bei der Entwicklung des I-Pace.

Allerdings mit 2,1 Tonnen Gewicht ...

Ein Elektromotor ist zwar deutlich leichter als ein Verbrennungsmotor, aber das hohe Gewicht der Batterie, beim I-Pace rund 600 Kilogramm, führt dann zu einem Mehrgewicht des Gesamtfahrzeugs. Andererseits tragen die tief am Fahrzeugboden platzierten Pouch-Zellen zum sehr niedrigen Fahrzeugschwerpunkt bei, und auch die Torsionssteifigkeit profitiert von dem gesamten Package.

Wo kommt dann die Fahrdynamik her?

Bei diesem Punkt profitieren wir davon, dass die Entwicklung des I-Pace auf einem leeren Blatt Papier angefangen hat. Wir haben ihn bewusst nicht auf Basis einer anderen Plattform entwickelt, sondern sind den Weg gegangen, ihn auf einer kompromisslosen Elektroplattform zu gestalten.

Welche Vorteile bietet denn ein reines E-Konzept im Vergleich zu einem Verbrenner, dem nachträglich Elektromotoren eingepflanzt werden?

Ein reines E-Konzept hat zwei wesentliche Vorteile: Es bietet eine bessere Raumausnutzung und ermöglicht ein besseres Handling und höheren Fahrkomfort. Bei einer E-Plattform landen Sie fast automatisch bei einem Konzept, das wir Skateboard-Design nennen: Jeweils ein Elektromotor an Fahrzeugfront und -heck, dazwischen im Fahrzeugboden der Batteriepack.

Allradkonzept des Jaguar I-Pace 41 Sek.

Das ermöglicht es, die Kabine weit nach vorne zu setzen, und bringt einen außerordentlich langen Radstand, der nicht nur den Fahreigenschaften zugutekommt, sondern auch den nutzbaren Innen- und Gepäckraum vergrößert. Der I-Pace hat bei 4,68 Metern Gesamtlänge einen Radstand von 2,99 Metern. Das ergibt ein Raumangebot, das Sie ansonsten nur eine Klasse weiter oben haben. Der Gepäckraum hat rund 660 Liter, die Beinfreiheit auf den hinteren Plätzen ist außerordentlich gut. All das können Sie nicht erreichen, wenn Sie ein konventionelles Fahrzeug auf Elektroantrieb umbauen. Dazu kommen die Vorteile des Antriebskonzepts: Je ein Elektromotor versorgt Vorder- und Hinterachse, damit haben Sie nicht nur eine perfekte Gewichtsverteilung, Sie können die Antriebskraft auch immer dort einsetzen, wo es die aktuelle Fahrsituation erfordert.

Das versuchen Verbrenner mit Allradantrieb und Torque Vectoring aber auch ...

Ja, aber es gibt nur eine Quelle für die Antriebskraft, und die sitzt meist vorne im Fahrzeug. Und dann muss diese Antriebskraft noch über Getriebe und Antriebswellen zwischen den beiden Achsen verteilt werden. Elektromotoren lassen sich wesentlich schneller regeln. In Sekundenbruchteilen ist die Antriebskraft dort, wo sie gebraucht wird, um aus einer Kurve herauszubeschleunigen oder um eine kritische Situation zu entschärfen und die Fahrzeugstabilität zu gewährleisten. Wir können in den meisten Situationen den I-Pace allein über die Motoren stabilisieren und benötigen keine Bremseingriffe. Der Wagen fährt so sicher, dass Sie nicht glauben, dass er 400 PS hat. Der Motor an der Vorderachse bringt außerdem Vorteile beim Bremsen und Rekuperieren. Wir können mit bis zu 150 kW rekuperieren.

So funktioniert Torque Vectoring im I-Pace 57 Sek.
Das entspricht einem Tritt auf die Bremse?

Wenn Sie die höhere der beiden Rekuperationsstufen wählen, um die Batterien zu laden, dann benötigen Sie für normale Verkehrssituationen die Bremsen praktisch nicht. In diesem Modus fährt sich der I-Pace im Single-Pedal-Feel nur noch mit dem Gaspedal. In der schwächeren Rekuperationsstufe haben Sie ein Schleppmoment wie bei einem Verbrenner.

Mit seiner Batteriekapazität von 90 kWh hat der I-Pace knapp 500 Kilometer Reichweite. Glauben Sie, das ist genug?

Das ist für die meisten Fahrprofile mehr als genug. Entscheidend wird es nun sein, ob der Aufbau von Schnellladestationen schnell vorangeht. Denn wenn dieses Netz erst einmal dicht genug geknüpft ist, dann entschärft sich die Reichweitenproblematik und wir können in Zukunft mit kleineren, also auch leichteren Batteriepaketen entwickeln.

Mehr Reichweite dank Rekuperation 1:12 Min.
Wann wird es denn einen solchen Durchbruch bei der Batterietechnik geben?

Ich sehe da keine Revolution, sondern wie in den vergangenen Jahren eine permanente Evolution. Jedes Jahr schaffen die Techniker es, die Energiedichte der Batterien um fünf bis sechs Prozent zu erhöhen. Als wir vor vier Jahren mit der Entwicklung des I-Pace angefangen haben, hatten die Batterien noch gut ein Drittel weniger an Leistungsfähigkeit. Wir standen also vor der Wahl, mit einer deutlich geringeren Reichweite zu planen oder die Batterien um ein Drittel größer zu konzipieren.

Beides klingt nicht wirklich verlockend ...

Deshalb haben wir es so gemacht wie in der Elektronikbranche: Wir haben hochgerechnet, wie die Entwicklung der Batterietechnologie verlaufen wird, und auf dieser angenommenen Kapazität unser Lastenheft definiert.

Und Sie hatten innerhalb von vier Jahren ein Fahrzeugkonzept von null auf Serienreif. Dauert die Entwicklung sonst zu lange?

Das kann man so sehen. Die heutigen Entwicklungsabläufe der Automobilindustrie gehen von einer langsamen Entwicklung der verwendeten Technologien aus. Aber mit dem Einzug des Elektroantriebs, von Connectivity und selbstfahrenden Autos bestimmt nun das Innovationstempo der Elektronikindustrie auch die Auto-Entwicklung. Ich hatte in meinem Berufsleben das Glück, längere Zeit in der Elektronikindustrie zu arbeiten. Wir haben viele Prinzipien von dort auch bei der Entwicklung des Jaguar I-Pace angewandt.

Interview mit I-Pace-Entwickler Wolfgang Ziebart, Wolfgang Ziebart Foto: Nick Dimbleby
Wenn der Entwickler von seinem Produkt überzeugt ist, ist das ein gutes Zeichen. Dr. Wolfgang Ziebart hat bereits einen I-Pace in seiner Garage stehen.
In Ihrer langen beruflichen Karriere waren Sechs- und Achtzylinder Ihre Begleiter. Könnten Sie sich vorstellen, auf Elektroantrieb umzusteigen?

Was heißt „könnten“? Mein I-Pace steht bereits vor der Haustür.

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