Sicherheitsgurt

Verbesserter Schutz dank Gurtstraffer

Gurtstraffer 3 Bilder

Gurtstraffer und -kraftbegrenzer verbessern die Schutzwirkung des Sicherheitsgurts erheblich.

Neben einer stabilen Fahrgastzelle ist der Gurt immer noch das wichtigste Sicherheitssystem des Autos. Auch die Einführung der Airbags hat daran nichts geändert, im Gegenteil. Denn die Luftsäcke sind nur ergänzende Rückhaltesysteme, die lediglich im Verbund mit dem Gurt befriedigend funktionieren können.

Der 1957 von Mercedes und Porsche eingeführte Beckengurt wurde schon frühzeitig vom Dreipunktgurt – seit 1959 bei Volvo Serie – abgelöst, und der bekam aus Komfortgründen Ende der sechziger Jahre eine automatische Aufrollfunktion. Die hat aber ihre Tücken. Sie erlaubt nämlich Leerweg innerhalb des aufgewickelten Teils auf der Rolle sowie ein zu lockeres Anliegen am Körper, hauptsächlich im Brust- und Beckenbereich. Das verringert das Schutzpotenzial leider erheblich, denn je früher ein Passagier bei einem Unfall an der Verzögerung des Autos teilnehmen kann, desto besser. Ein sehr straff anliegender Gurt wäre also aus Gründen der Sicherheit wünschenswert, wird aber in der Regel als zu unkomfortabel empfunden. Da kommt der Gurtstraffer ins Spiel. Er verbirgt sich meist in der Verkleidung der B-Säule und ist ein Bestandteil des Aufrollmechanismus. Seine Aufgabe ist es, den Gurt beim Crash stramm an den Passagier anzulegen. Üblicherweise wird hier auf einen kleinen pyrotechnischen Gasgenerator zurückgegriffen, der beispielsweise per Zahnstange den Gurt mit einer Kraft von 2,5 bis vier Kilonewton aufwickelt. Der Straffer spricht übrigens schon bei leichteren Crashs an als die Airbags. Wie diese ist er allerdings nur für den einmaligen Gebrauch konstruiert und muss nach einem Unfall ausgetauscht werden.

In der Regel sind die pyrotechnischen Straffer mit einer Sitzbelegungserkennung kombiniert, an nicht belegten Sitzen wird also nicht ausgelöst. Zulieferer TRW hat 1998 für die Mercedes S-Klasse erstmals einen elektrischen Gurtstraffer entwickelt, der den Gurt zwar lediglich mit einer Kraft von 200 Newton anzieht, die Sicherheit jedoch ebenfalls optimiert, vor allem aber bereits vor dem Unfall reagiert, wenn das Auto über seine Sensoren eine kritische Situation registriert. Kommt es dann nicht zum Crash, lockert der elektrische Straffer den Gurt wieder. Dieses System ist praktisch beliebig häufig einsetzbar. Neben dem Straffer hat der Kraftbegrenzer das Gurt-Schutzpotenzial erheblich verbessert. Denn von einem unnachgiebigen Gurt geht bei sehr schweren Frontalunfällen eine latente Gefahr für innere Verletzungen aus. Die Kraft, mit welcher der Gurt auf die Brust drückt, sollte daher einen Maximalwert von etwa vier Kilonewton nicht überschreiten.

Moderne Gurtaufroller verfügen deshalb quasi über eine eingebaute Knautschzone, die hier in Form eines verdrehbaren Stabes in der Gurtwelle verwirklicht wird. Dieser Torsionsstab lässt sich sogar an unterschiedlich schwere Passagiere anpassen. Heranwachsende oder leichte Erwachsene können diesen Kraftbegrenzer schon bei etwa 2,5 Kilonewton auslösen, schwerere erst bei vier Kilonewton. Zulieferer Autoliv hat seit kurzem einen Kraftbegrenzer im Programm, der auf die Unfallschwere reagieren kann und bei leichteren Crashs schon früher anspricht als bei ernsten Unfällen.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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